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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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Mitte befindet sich eine kleine Frischwasser-Lagune, mit einer Umgebung von 
grofser Naturschönheit. Kokosnüsse werden hier in reicher Fülle gewonnen 
und mehr Kopra fabrizirt, als auf irgend einer Insel der Marshall-Gruppe. Ich 
besuchte die Insel zum ersten Male am 1. Januar 1878, und zwar zu dem Zweck, 
die Einwohner zu bewegen, statt der bisherigen Oelfabrikation die von Kopra 
zu betreiben. Meine Vorschläge wurden mit Freuden aufgenommen, und seit 
der Zeit werden von hier bedeutende Quantitäten von Kopra verladen. Man 
kann hier leider nicht ankern, sondern mufßs unter Segel ab- und anliegend 
halten, was mitunter nicht ohne Schwierigkeit ist, da man bei dem herrschenden 
östlichen Winde und westlichen Strome leicht abgetrieben werden kann. Die 
westliche Seite der Insel, die ein wenig nach Innen eingebogen ist, ist für das 
Beilegen die günstigste und der Nordseite vorzuziehen. Die Insel ist von 
Nord—Süd gemessen 9!/z Sm lang und bildet die Form eines Dreiecks, Nach 
den vor meinem Besuch der Insel bei zwei dort lebenden weilsen Ansiedlern 
gingezogenen Erkundigungen sollten die Einwohner räuberischer, diebischer und 
mordlustiger Natur sein. Doch scheinen diese Berichte nur aus Furcht vor der 
Konkurrenz anderer Ansiedler gegeben zu sein und um diese abzuschrecken, 
denn obgleich ich die Eingeborenen bei meinem Besuch anfangs ausgelassen 
und laut fand, so zeigten sie doch eine vollkommen friedfertige Natur. 
Ocean-I. (Ponap) liegt auf 0° 52‘ S-Br und 168° 24‘ O-Lg; eine arm- 
selige Insel mit nur wenigen halb verhungerten Einwohnern, die gern die Ge- 
legenheit benutzen, sich von hier anlegenden Schiffen nach anderen Inseln trans- 
portiren zu lassen. In Zeiten grofser Trockenheit verdorrt hier alles und 
herrscht Wassermangel; auch kann man schwer landen. 
Atlantic-I. ist in der Karte auf 1° 7‘ N-Br und 165° 0‘ O-Lg verzeichnet. 
Diese Position ist jedoch zweifelhaft, da ich zu drei verschiedenen Malen in der 
Absicht, die Insel zu sehen, über diese Stelle hinweggesegelt bin, ohne etwas 
davon zu entdecken. 
Anmerkung. Fast alle Inseln der Marshall-Gruppe sind niedrig und 
liegen nicht mehr wie 4 Fufs (1,12m) über Hochwassermarke. Sie sind daher 
vom Deck eines Schiffes selten mehr wie 8 Sm weit sichtbar. Ausgenommen 
hiervon sind die Gruppen Ujelang, Rongelab, Rongerik, Wottho (östliche 
Insel), Likieb (Insel westlich der Südpassage) und Lib, welche nahe an 
10 Fufs (3m) höher liegen, als die übrigen. 
Strömungen. Der östliche Gegenstrom beschränkt sich auf keine positiven 
Grenzen, doch kann man ihn im Allgemeinen und mit wenigen Ausnahmen 
zwischen dem 5. und 7. Grad Nord-Breite als beständig ansehen. Seine Stärke 
rarlirt von 20 bis 50 Sm in 24*, und ist in der Regel in der Nähe der Lagunen 
am stärksten. Auch seine Richtung ist nicht immer genau dieselbe, und ist es 
daher dringend zu empfehlen, jede Gelegenheit zu Observationen zu benutzen 
und beständig einen scharfen Ausguck zu halten. Im Sommer 1877 ist vom 
Aequator bis 9° N-Br fast gar keine Strömung bemerkbar gewesen, dagegen 
ist es zu anderen Zeiten aber auch vorgekommen, dafs auch noch jenseits von 
3° N-Br hinaus die östliche Strömung fühlbar war. Bei Kbon kann man in der 
Regel bis zu 3° N-Br auf die Strömung rechnen, und weiter östlich bei Mille 
sogar noch südlicher, und ist dies für die Monate Dezember, Januar und Februar, 
wenn der NE-Passat einsetzt, fast als feste Regel anzusehen, die jedoch für 
die übrigen Monate nicht stichhaltig ist. — In- Lagunen, die auf beiden Seiten 
oder rund herum Passagen haben, ist die Strömung beständig fühlbar und in 
den Passagen selbst meistens so stark, dafs darin ankernde Schiffe trotz der 
Ebbe und Fluth nicht schwingen. 
Wind. Der NE-Passat setzt hier in der Regel Mitte November ein und 
weht von da bis zum Ende des Februar frisch durch. Nach dieser Zeit wird 
er flau und geht dann im Juli und August in leichten Ost- bis ESE-Wind und 
Windstillen über, September, Oktober und November, und zuweilen, wenn der 
Passat verspätet einsetzt, auch noch die erste Hälfte des Dezember sind meist 
von unregelmäfsiger Witterung begleitet. Oktober und November werden hier, 
der unregelmäfsigen und stürmischen Witterung halber, als die schlimmsten 
Monate des Jahres angesehen, Die Böen zu dieser Zeit sind sehr gefährlich, 
und meistens von plötzlichen Windstillen gefolgt. Gewitter, Wind- und Wasser- 
hosen sind hier nicht seltene Erscheinungen. — Im Jahre 1877 setzte der NE-
	        
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