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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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es aber als sehr wahrscheinlich hingestellt, dafs die Eismeertiefe, wenigstens 
bis zu einer Tiefe von ca 2750 m (1500 Fad.), aus zwei gesonderten Wasser- 
becken besteht, aus einem südlichen, zwischen Norwegen, Jan Mayen und Island, 
und einem nördlichen, zwischen Spitzbergen und Grönland (s. Tafel 1 zum 
Brgänzungsheft 63 von Petermann’s „Geogr. Mitth.“). Das erstere erreicht 
eine Maximaltiefe von 3667 m (2005 Fad.) in 68° 21‘N-Br und 2° 51‘ W-Lg; es 
arstreckt sich zwischen 64°—70° N-Br von Süd nach Nord, wendet sich östlich 
von Jan Mayen gegen 0SO und schliefst aufserhalb Vesteraalen und der Lofoten 
'n einem steilen Aufstiege zu diesen empor ab. Das nördliche Becken ist über 
4850m (2650 Fad.) tief in ca 78° N-Br und 3° W-Lg, Getrennt sind diese beiden 
Becken durch einen unterseeischen Bergrücken, welcher in seiner Mittellinie eine 
Maximaltiefe von ca 2375m (1300 Fad.) zwischen ca 71°—72° N-Br und 
10° O-Lg—10° W-Lg, d. h. zwischen Jan Mayen bezw. dem Westrande der HEis- 
meertiefe und der Bank bei der Bären-Insel am Ostrande derselben (zwischen 
Spitzbergen und Norwegen) hat, Sehr bemerkenswerth ist der steile Abfall des 
Bodens von der Bank zwischen der Bären-Insel und Norwegen und uamentlich 
der Küstenbänke bei Vesteraalen nach dem Ostrande der Kismeertiefe hin; 
aufserhalb Vesteraalen senkt sich nämlich der Boden von ca 180—2560 m 
(100—1400 Fad.) auf einer Strecke von nur 19 Sm, was eine Böschung von 
4° giebt. Die gröfste Böschung, also der schroffste Abfall von der Ober- 
fläche des Meeres an der Küste bis zum Boden, ist an der Nordseite von 
Jan Mayen gefunden worden, nämlich 8°, Die Südseite und das Meer südlich 
von Jan Mayen fallen dagegen sehr allmählich bis zur 1000 Fad.-Linie ab; die 
Entfernung beider beträgt über 100 Sm. 
Jan Mayen selbst ist von Grönland, wie von Island durch Einsenkungen 
von mehr als 1830 m (1000 Fad.) Tiefe getrennt, deren Richtungen in ihrem 
Verlaufe allerdings für die Gegend zwischen Zsland und Jan Mayen noch nicht 
ganz sicher haben festgestellt werden können. 
Wie die Mohn’sche Karte zeigt, sind die Isobathen zwischen dieser 
Insel und Ostgrönland in ca (4° N-Br und 15°-—17° W-Lg sehr dicht zusammen- 
gedrängt, so dafs, ähnlich wie die Bänke bei Norwegen und der Bären-Insel in 
die Kismeertiefe, auch die Ostküste von Grönland bezw. die davor liegenden 
Bänke zwischen 70°—75° N-Br steil in das Meer abfallen. 
Ueber die Tiefenverhältnisse der Dänemark-Strafse zwischen Island und 
Grönland ist das Nähere bereits in diesen Annalen pag. 237 mitgetheilt worden. 
Die durchschnittliche Tiefe des Meeres zwischen den Färöern und Island 
beträgt nur ca 450mm (250 Fad.); die gröfsten Tiefen finden sich südöstlich von 
Island zwischen 550 und 1000m (300—550 Fad.) in der östlichen Zunge des 
nordatlantischen Tiefseebeckens in ca 64° N-Br und 14° W-Lg. Die Betrachtung 
der Temperaturvertheilung in diesem Moeresgebiete wird ergeben, dafs diese 
Tiefen von ca 450m einem unterseeischen Bergrücken angehören, welcher die 
zu beiden Seiten desselben befindlichen tieferen Stellen des Altlantischen Oceans 
und des Eismeeres von einander trennt. 
Für den Meerestheil südlich von /sland bis zu 60° N-Br und noch darüber 
hinaus bis zu der Rockall-Bank, südwestlich von den Färöern, fehlen noch 
Lothungen in den tieferen Partien, so dals man über die Bodengestaltung des- 
selben jetzt noch nichts Sicheres sagen kann. 
Die Färöer selbst liegen auf einer Bank, deren gröfste Ausdehnung von 
SW nach NO gerichtet ist. Zwischen dieser Bank und dem nordwestlichen 
Abhange der Nordseebank liegt die Färö-Shetland-Rinne oder der Lightning- 
Kanal mit einer Tiefe von 1100m (600 Fad.); er ist als ein südwestlicher Arm 
der Eismeertiefe zu betrachten, welcher sich bis zum Parallel von 60° Nord 
und ca 7° W-Lg erstreckt und für die Temperaturvertheilung in den angrenzenden 
Meerestheilen und selbst im Nordatlantischen Ocean von grofser Bedeutung ist. 
(Fortsetzung folgt im nächsten Heft.}
	        
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