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Die Aufgabe für die Sommer-Kampagne 1877 war zunächst eine genauere
Untersuchung der Temperaturvertheilung des Wassers über den Bänken an
der Westküste von Norwegen, für welche bisher noch keine genaueren Beobach-
tungen vorlagen, sodann über die Lage und Beschaffenheit der sogenannten
„Havbröen“ (s. diese Annalen, 1881, pag. 238), Zu diesem Zwecke sollten
parallele Lothungslinien querab von der Küste, in ca 50 Sm Entfernung von
einander, genommen werden, bis zu den Stellen, wo die Temperatur am Boden
ca —1° beträgt. Die Hauptaufgabe der Expedition im Sommer 1877 bestand
aber in der Kreuzfahrt nach Jan Mayen und zurück nach Norwegen, und im
den dabei anzustellenden physisch-oceanischen, geographischen und biologischen
Untersuchungen.
Die mit allen nöthigen Apparaten ausgerüstete Expedition des Sommers
1877, welche mit Ausnahme des Chemikers Herrn Svendsen, für den Herr
Hercules Tornöe eingetreten war, aus denselben Mitgliedern bestand, und
ebenfalls auf der „Vöringen“, Kapt. Wille, unternommen wurde, begann ihre
Arbeiten von Stavanger aus am 13. Juni mit Messungen von Reihentemperaturen,
Vom 16. bis 19. Juni wurden drei parallele Lothungslinien genommen, querab
von der Küste (zwischen 65!/2°—-67° N-Br und 3°—11° O-Lg) in der Richtung
0S0O—WNW, bis zu den Stellen, an denen, wie oben erwähnt, die Boden-
temperatur —1° ist. Alsdann setzte die „Vöringen“ den Kurs nordwärts bis
in den West-Fijord (ca 67° N-Br), zunächst um hier Temperaturmessungen mit
dem Tiefseethermometer von Negretti und Zambra auszuführen.
Diese und die weiteren Arbeiten (Juni 21— Juli 5) erstreckten sich
zunächst auf den Eingang des West-Fjord bis Bodö, dann auf die Umgebung von
Röst, der südlichsten Insel der Lofoten-Gruppe, und nach See zu, querab von
Vesteraalen, dem nördlichsten Theile dieser Gruppe, bis zu dem Meridian von
6° Ost in 70° N-Br. Von Juli 8—14 und 20—24 verweilte die Expedition
in Tromsö, um die Ausrüstung für den Haupttheil der diesjährigen Sommer-
Kampagne zu vervollständigen, nämlich für die Kreuzfahrt nach Jan Mayen
und von da zurück nach Norwegen; Juli 14—20 wurden querab von 7romsö
in zwei parallelen Schnitten zwischen 70° und 71'/2° N-Br und bis 14° bezw.
13° O-Lg Lothungen und Temperaturmessungen gemacht. Von Tromsö wurde
am 24. Juli die Fahrt nach Jan Mayen angetreten und am 28. Juli diese Insel
erreicht. Die Expedition führte daselbst bis zum 8. August eine grofse Anzahl
von topographischen und naturhistorischen Untersuchungen und Beobachtungen
über die Meerestiefe rund um Jan Mayen, besonders südlich von dieser Insel,
sowie über die Grenzen des polaren und äquatorialen Wassers aus. Am
11. August war die „Vöringen“ wieder in Bodö, blieb dort bis zum 18, und
erreichte am 23. August Bergen, und damit war die Sommer-Kampagne von 1877
beendet.
Die dritte und bis jetzt letzte norwegische Tiefsee-Expedition begann
ihre Arbeiten am 15, Juni 1878 von Bergen aus und schloß dieselben ebenda
am 4. September. Das Expeditions- Schiff war wiederum die „VFVöringen“,
Kapt. Wille, und der wissenschaftliche Stab bestand aus denselben Personen,
wie bei der Expedition vom Jahre 1877; dem Chemiker Tornöe war als
Assistent der Kandidat Schmelck beigegeben. Der dem Programm ent-
sprechende Verlauf dieser Sommer-Kampagne der „ Vöringen“ von 1878 war in
Kurzem folgender.)
Nachdem die „Vöringen“ Bergen am 15. Juni verlassen hatte, begannen
die Arbeiten am 19. Juni bei dem West-Fjord in 68° 12'N-Br und 15° 40’ O-Lg,
der ersten Station; von da begab sich das Schiff mach TZromsö und von da
nach Alten und durch den Alten-Fjord nach Hammer.fest und weiter durch den
Porsanger und Tana-Fijord nach Vardö (Juni 26); von hier aus wurde am
27. Juni ein östlicher Kurs gesteuert bis zum Meridian von 37° Ost in
71° 42' N-Br (am 29, Juni), um Lothungen vorzunehmen und die Grenze des
eiskalten Wassers in dem östlichen Theile des Polarwassers zu bestimmen im
Anschlufs an die Beobachtungen von Weyproecht Ce und hierauf
nördlich und westlich bis zur Bären-Insel, auf welcher am 4. Juli gelandet
1) Vgl. „Nature“, Vol. XVIII, pag. 222, 368, 425, 590; Petermann’s „Mitth.“, 1878.
nag. 400 und 478; Behm’s „Geogr. Jahrb.“, VII, pag. 517 und 518.