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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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Vergleichende Uebersicht der Witterung des Monats Juni 1881 
in Nordamerika und GCentraleuropa. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,) 
Nach der „Monthly Weather Review“ des „Stgnal Office“ in Washington 
and der von der Deutschen Seewarte herausgegebenen Uebersicht der Witterung 
stellen wir im Folgenden die Hauptzüge im Witterungs-Charakter des Monats 
Juni 1881 in Nordamerika und Centraleuropa einander gegenüber. 
Centraleuropa. 
1. Die grofse Zahl barometrischer 
Minima, deren Bahnen über ganz 
Europa zerstreut erscheinen und von 
denen einige eine beträchtliche Tiefe 
erreichten. Durch ihr langes Ver- 
weilen bemerkenswerth war die De- 
pression, welche am 6. in Nordfrank- 
reich entstand und am 21. den Ural 
arreichte. Deutlich ausgeprägte Maxima 
iraten besonders gegen Ende des Mo- 
nats auf, 
2. Die ungewöhnlich grofsen 
Schwankungen des Barometers, welche 
die normalen um etwa 40 °%o, über- 
trafen; das Monatsmittel des Luftdrucks 
war meist etwas geringer als das 
vieljährige Mittel, im Nordosten um 
Imm und mehr. 
2. Das gröfstentheils zu niedrige 
Monatsmittel des Luftdrucks, welches 
im Missouri-Thale und am St. Lorenz- 
Golf am tiefsten war, dazwischen aber 
etwas über der Normalen lag. Die 
Schwankungen des Barometers hatten 
ungefähr die normale Gröfse, waren 
im Süden am geringsten, jedoch in 
Süd-Texas erheblich gröfser als in 
Florida und der Umgebung von 
Arizona. 
3. Das Vorwalten südöstlicher 
Winde längs dem 100. Längengrad, 
südwestlicher zwischen Mississippi, 
Ohio und Florida und variabler im 
übrigen Gebiet. Die verheerenden 
Tornados am 12. Juni in Kansas, 
Missouri und Iowa.!) 
4. Die im Nordosten und äufsersten 
Nordwesten erheblich zu niedrige 
Mitteltemperatur, mit wiederholten 
Nachtfrösten in der Seenregion, und 
die hohe Temperatur am Golf und 
am Felsengebirge, mit aufserordent- 
licher Hitze namentlich am 14.—17. 
und 23.—27., welche vielfach Todes- 
fälle durch Sonnenstich zur Folge 
hatte. Die Abweichungen des Monats- 
mittels vom Normalwerthe betrugen 
durchschnittlich: 
1. New-England . . . — PA4°C. 
2. Mittl. atlant. Staaten. — 1,5 
3. Südl. a 
4. Florida . 0.0.0.0. 0x 
5. Oestliche Golfstaaten . =—- 
6. Westliche rn ‚+ 
3. Das stark ausgeprägte Vor- 
herrschen nordwestlicher Winde: die 
Luvseite war in ganz Centraleuropa 
SW bis Nord. Stürmisch wurden die 
Winde vielfach am 8. bis 14. Juni. 
4. Die um etwa 1° hinter der 
Normalen zurückbleibende Mittel- 
temperatur des Monats und die starken 
Wärmeschwankungen: bedeutende KEr- 
wärmungen am 5. und 6. sowie am 
21. und 22. Juni, und ganz ungewöhn- 
liche Abkühlung zum 10.—12. Juni, 
wobei in Seehöhen über 800m vielfach 
Frost eintrat. Die Abweichungen der 
Mitteltemperatur von der Normalen 
betrugen im Durchschnitt für die ein- 
zelnen Distrikte: 
l. Nord- f a. östliches 
jontsches| b. mittleres 
Tiefland | c. westliches 
2. Mittel- ( a. östliches 
deutsches b. mittleres . 
Hügelland | ce. westliches . 
1) Nach Angabe der „Monthly Weather Review“ waren „Stürme dieser Art nicht gerade 
angewöhnlich häufig oder stark in diesem Monat, obwohl der Verlust an Leben und Eigenthum sehr 
grofs gewesen ist“. Auf der diesem Hefte der „Review“ beigegebenen Karte vom Missouri-Thale und 
dessen Umgebung sind vom Nachmittage des 12, Juni d. J. nicht weniger als 8 Tornadostriche aus 
den obengenannten Staaten und ferner 1l Hagelstriche ans denselben und Süd-Minnesota angegeben. 
Ann. d. Hydr., 1881, Heft IX (September).
	        
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