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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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Am 1. November befand die Bark sich in Sicht der Insel Desiderade, und am 
4. November erreichte „van den Bergh“ den Hafen von St. Thomas. Die Reise 
war in 33 Tagen vollendet worden. 
Von St. Thomas versegelte „van den Bergh“ nach dem in Hayti liegen- 
den Hafen Auw-Cayes, und nach dort erfolgter Beladung verliels man am 
10. Dezember auch diesen Platz, um nach einem englischen Orderhafen zurück- 
zukehren. Man durchkreuzte gegen frischen NE-Passat den Windward-Kanal 
und’ befand sich am 16. Dezember unweit 19,4° N-Br und 74,5° W-Lg. Hier 
wurde eine günstigere Gelegenheit angetroffen. Zunächst herrschten an einigen 
Tagen leichte hoch nördliche Winde, auf welche später veränderliche West- und 
Südwinde folgten. Man gelangte bei diesen in die Nähe der Insel Mariguana, 
Im offenen Ocean kam wieder ziemlich frischer Passat durch, dessen nördliche 
Grenze später in 24,3° N-Br und 72,6° W-Lg erreicht wurde. Der dort beob- 
achtete Luftdruck betrug 767,0mm. Nördlich vom Gebiete des Passats herrschten 
zunächst für längere Zeit leichte westliche und östliche Winde, bis endlich un- 
weit 31° N-Br kräftige Westwinde einsetzten, die einen rascheren Fortgang der 
Reise ermöglichten. Am 8, Januar 1881 erlebte man unweit 36,5° N-Br in 47° 
W-Lg einen sehr heftigen NW-Sturm, der in von Hagel und Blitz begleiteten 
Böen fast orkanartige Kraft erreichte. Als der Sturm sich zu mäfsigen begann, 
nahm der Luftdruck doch noch langsam aber stetig ab, bis er am 11. Januar 
unweit 36° N-Br und 39° W-Lg mit 731,8 mm seinen niedrigsten Stand er- 
reichte. Als dieses geschehen war, sprang der zum ganz leisen Zuge herab- 
gesunkene Wind plötzlich um nach NE und wehte von daher für mehrere Wachen 
stürmisch. Später mufste dann für eine sehr lange Zeit gegen Ostwind ge- 
kämpft werden, und hielt dieser Wind an, bis er am 23. und 24. Januar in 
etwa 46° N-Br und 35° W-Lg mit einem orkanartigen Sturm aus SSE endete, 
Hatte der heftige NW-Sturm das Einsetzen des Ostwindes bezeichnet, so trat 
dieser SSE-Sturm auf, als der östliche Wind in kurzer Zeit durch Westwind 
verdrängt werden sollte. Und wenn bei jenem Sturme ein Fallen des Baro- 
meters beim Schwächerwerden des Windes beobachtet worden war, SO trat auch 
nun in diesem Falle dieselbe Erscheinung auf. Nachdem der Sturm ein Ende 
genommen hatte, und leichter Westwind an dessen Stelle getreten war, blieb 
das Glas beim Fallen, und erst als der Wind wieder stürmisch aus NW wehte, 
fand eine Zunahme des Luftdruckes von dem niedrigsten mit 723,8 mm er- 
reichten Stande statt. Anhaltend aus westlicher Richtung wehende Winde 
führten den „van den Bergh“ dann bis zum 4. Februar zur Mündung des Kanals. 
Zur Zurücklegung der Reise waren 56 Tage erforderlich gewesen. Während 
dieser Zeit hatte man 70° W-Lg in 27° N-Br am 28, Dezember, 60° W-Lg in 
33,1° N-Br am 3. Januar, 50° W-Lg in 35,9° N-Br am 8. Januar und 30° W-Lg 
in 47° N-Br am 26. Januar überschritten. 
16. Reise des eisernen Hamburger Dreimastschoners „Margaretha Gaiser“, 
Kapt. F. H. C. Wienefeld,. 
Am 17. Dezember 1880 verliefs die auf einer ihrer regelmäfsigen Fahrten 
nach Lagos begriffene „Margaretha Gaiser“ die Mündung des Kanals. Der dort 
wehende kräftige NE-Wind lief noch an demselben Tage durch Nord nach NW, 
am folgenden Tage nach West, und konnte dann, obgleich Stürme nicht ange- 
troffen wurden, für längere Zeit nur sehr langsam Fortschritt nach Süden ge- 
macht werden. Als man südlich von 40° N-Br gelangt war, wurde wieder eine 
günstigere Gelegenheit angetroffen, der Wind wehte dort zuerst aus nordwest- 
licher, später an mehreren Tagen heftig aus östlicher Richtung. Es hatte eine 
Zeit lang den Anschein, als ob aus diesem Ostwinde sich ohne fernere Störung 
der Passat entwickeln wollte. Unweit 27° N-Br endete jedoch der schon seit 
längerer Zeit nur noch als ganz leiser Zug auftretende Ostwind, und leichter 
südlicher und südwestlicher Wind trat an dessen Stelle. Das Gebiet des Passats 
erreichte „Margaretha Gaiser“ erst in 19,5° N-Br und 18,8° W-Lg am 14. Januar 
1881, und schon in etwa 12,5° N-Br und 18,2° W-Lg wurde dessen äquatoriale 
Grenze angetroffen. Südlich vom Passatgebiete herrschte zunächst für längere 
Zeit leichte veränderliche, nördliche und östliche Briese, bei welcher Kapitän 
Wienefeld einen Kurs verfolgte, der ihn rasch der Küste näher führte. In 
6,5° N-Br befand man sich in 12,9° W-Lg. In der Nähe der Küste hatte der 
Ann. ad, Hydr. 1881, Heft IX (September).
	        
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