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10. Reise der eisernen Bremer Bark „Capella*‘, Kapt. J. Bonnhorst.
Am 2, Juni 1880 überschritt die eiserne Bark „Capella“, welche auf einer
Reise von Cardiff nach Singapore begriffen war, den Parallel von 50° Nord. Zwei
Tage später als diese Bark verliefs die eiserne Bark „Oberon“ die Kanalmündung,
and unter nahezu denselben Verhältnissen, wie sie im Reiseberichte dieses
Schiffes schon angegeben wurden, segelte auch „Capella“ südwärte. Ohne vor-
her ungünstige Winde anzutreffen, erreichte man am 10, Juni in der Nähe vou
33° N-Br und 18,4° W-Lg bei einem Luftdrucke von 768,9 mm das Passatgebiet.
Nachdem man dasselbe bei dem darin angetroffenen frischen Winde durchsegelt
hatte, wurde am 19, Juni unweit 10,4° N-Br in 24,6° W-Lg die äquatoriale
Passatgrenze angetroffen. In dem Stillengürtel, welcher sich bis nach 7,2° N-Br
in 23,1° W-Lg ausdehnte, wurden vier Tage zugebracht. Es herrschte in dem-
selben fast keine Windstille, dafür aber meistens leichte nördliche Briese.
„Oberon“, welcher nach dem Passiren der Kap Verde-Gruppe einen recht-
weisenden Südkurs verfolgte, wurde vom Passat bis nach 7,1° N-Br in 25,4°
W-Lg begleitet, und am Mittage des 26. Juni war der Standpunkt dieser Bark
in 1,1° N-Br und 28,7° W-Lg, dagegen derjenige von „Capella“ in 1,8° N-Br
und 26,7° W-Lg. „Capella“ befürchtend, sich später von der brasilianischen
Küste nicht fernhalten zu können, wendete und segelte bis zum Mittage des 28.
über B. B.-Bug. In 3,9° N-Br und 23,8° W-Lg wurde abermals gewendet, und
am 30. Juni konnte „Capella“ in 27° W-Lg den Aequator überschreiten.
„Oberon“ hatte südliche Breite in 28,9° W-Lg noch am 26. Juni erreicht. Für
„Capella“ waren, um von 50° N-Br aus die Linie zu erreichen, 28 Tage er-
forderlich gewesen. Man hatto während dieser Zeit 40° N-Br in 15,9° W-Lg
am 6. Juni, 30° N-Br in 19,6° W-Lg am 11. Juni, 20° N-Br in 24,8° W-Lg am
15. Juni und 10° N-Br in 24,4° W-Lg am 20. Juni gekreuzt.
Im Südatlantischen Ocean fand „Capella“ nur mäfsigen, sich nicht weiter
als bis nach 17° S-Br in 30,6° W-Lg ausdehnenden Passat. Bei einem Luft-
drueke von 764,2 mm sank unweit dieses letzteren Punktes der Wind zum
yanz leisen Zuge herab, um, als derselbe durch Nord gedreht war und die
westliche Richtung angenommen hatte, wieder aufzufrischen. Nachdem später
der Wind abermals nach SE gedreht, das Barometer unweit 27° S-Br in 29,5°
W-Lg bis auf 772,6 mm gestiegen war, erfolgte noch einmal ein Umlaufen des
Windes nach Nord und NW. Jetzt hielt der Wind sich in westlicher Richtung
and am 24. Juli kreuzte „Capella“ in 42,3° S-Br den Meridian von Greenwich.
Es waren bis dahin 24 Tage auf südlicher Breite verbracht worden, und man
hatte dort 10° S-Br in 29° W-Lg am 4. Juli, 20° S-Br in 29,2° W-Lg am
10. Juli und 30° S-Br in 27,5° W-Lg am ‘15. Juli überschritten, „ÖOberon“ hatte
den ersten Meridian in 40,7° S-Br am 23. Juli überschritten.
Die erforderliche Länge wurde von „Capella“ zwischen 42° und 43° S-Br
zurückgelegt. Bei der dort angetroffenen Gelegenheit erzielte das Schiff keine
recht befriedigende Fahrt. Besonders so lange, wie man sich westlich von 42°
O-Lg befand, verursachten westliche Winde wiederholt eine Verzögerung der
Reise. Durch Stürme wurde die Fahrt nicht übermäfsig erschwert. Der einzige
hervorzuhebende Sturm ereignete sich am 4. August in 42,6° S-Br und 37° O-Lg.
Derselbe wehte aus West und nöthigte das Schiff zum Beidrehen; ein niedrigster
Barometerstand von 748,1 mm ging demselben voran. Am 18. August kreuzte
„Capella“ in 41,7° S-Br den Meridian von 80° Ost. Es waren bis dahin 25 Tage
verflossen, seit man Östliche Länge erreicht hatte. Der Mitsegler „Oberon“
überschritt 80° O-Lg in 39,5° S-Br am 10. August, und ein zweiter Mitsegler,
die hölzerne Bark „Esmeralda“, welche den ersten Meridian in 38,5 S-Br auch
am 23. Juli verlassen, als südlichsten Punkt 41,2° S-Br in 40° 0-Lg am 3. August
berührt hatte, gelangte nach 80° O-Lg in 36,9° S-Br am 13. August.
Auf dem Wege zum Passatgebiete wurden von „Capella“ anfänglich für
längere Zeit heftige NW-Winde angetroffen. Nachdem dieselben flauer geworden
und fast zur Windstille herabgesunken waren, lief unweit 35° S-Br in 97° O-Lg
der Wind zuerst nordöstlich und bald darauf durch Nord nach West zurück.
Aus frischem Winde aus letzterer Richtung entwickelte sich endlich durch
Drehung nach links der SE-Passat. In der Nähe von 26° S-Br und 103,6°
O-Lg stellte sich der letztere am 29. August bei einem Barometerstande von
Ann, d. Hydr., 1881, Heft IX (September).