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in 32 Tagen ein Durchschnitts-Etmal von. 162 Sm oder 6,8 Sm die Stunde
erreicht, und ist dies, so viel mir bekannt, nicht allein die weiteste, sondern
auch die schnellste Reise, welche bisher unter Segel von einem Kanonenboot
unserer Marine gemacht ist.
Während der Weiterfahrt nach Aden traf ich sehr ungünstige Verhält-
nisse. Der Strom setzte durchschnittlich 1 Sm die Stunde mit. Am 9. Juli
wurde die Länge von Burnt-I. erreicht, von wo ab Segelschiffe nach den
Sailing Directions nach Aden hinüber halten sollen. Ich schlug hiernach den
vorgeschlagenen Kurs ein, fand aber 40 Sm von der Küste den Monsun so
sturmartig, die See so hoch, dafs das Schiff unter Dampf und mit Schratsegeln
nicht mehr vorwärts kam, sogar eine Zeit lang beidrehen mufste. Die Strom-
versetzung wurde entsprechend den Angaben nördlich gefunden.
Am 10, Juli früh wurde bei Ras-Khameir abgehalten und mit starkem
SSW auf Aden zugesteuert. Unter der arabischen Küste hörte der Wind auf,
wie dies nach Angaben des Konsuls in diesem Monat vom Abend bis Vor-
inittags 10 Uhr regelmäfsig der Fall ist. Um Mitternacht wurde beim Feuer-
schiff von Aden geankert und am 11. Juli in den Hafen von Aden gedampft.“ !)
Aus den Reiseberichten S.M.S. „Freya“‘““, Korv.-Kapt, v. Lepel-Gnitz.”
Vermessungen und Beschreibung der Paracel-Inseln.
(Mit einer Kartenskizze.)
In dem vorigen Hefte dieser Annalen (pag. 414) haben wir einen vor-
läufigen Bericht des inzwischen verstorbenen Kapt. z. See Kupfer über die
im April d, J. von den Offizieren der „Freya“ ausgeführten Vermessungen
innerhalb der Paracel-Inseln mitgetheilt. Seitdem hat der jetzige Kommandant
der „Freya“, Korv.-Kapt. von Lepel-Gnitz, einen ausführlichen Bericht über
diese Vermessungen nebst den Arbeitskarten®) und über die verschiedenen
Inseln, Riffe und Bänke der Paracel-Inseln eingesendet, welchen wir unten-
stehend, mit Auslassung derjenigen Angaben, welche schon aus dem Berichte
des Kapt, z. See Kupfer a. a. 0. mitgetheilt worden sind, wiedergeben.
Im Allgemeinen sei zuvor noch bemerkt, dafs die Vermessungen der
„Freya“ sich für dieses Jahr auf die Amphitrite-Gruppe der Paracel-Inseln, die
Insel Lincoln und den Pyramide Rock beschränkten. Die nördliche Seite des
Riffes bei Tree-I. vom West- bis zum Süd-Sande (s. Kartenskizze) konnte
während dieser Kampagne nicht mehr vermessen werden; ebenso sind für die
Folge noch die Lothungen innerhalb der Amphitrite-Gruppe zu kompletiren,
Die Längen von Woody- und Lincoln-I. wurden mittelst korrespondirender
Sonnenhöhen und Chronometer bestimmt, die von Woody-I. aulserdem noch
durch Monddistanzen kontrolirt. Die Breite der beiden Observationspunkte
wurde aus den Mittagshöhen der Sonne über dem Seehorizonte abgeleitet. Die
relative Lage der einzelnen Inseln und Sände, sowie der Verlauf der Riffe ete.
wurde durch möglichst genaue Winkelmessungen bestimmt, ebenso die Orte der
in die Karte eingetragenen Lothungen; zu diesem Zweck waren an verschiedenen
Stellen der Inseln u. s, w. je nach Bedürfnifs gröfsere oder kleinere Baken
errichtet worden. Als Basis wurde eine an der Nordseite von Woody-I1.
813,7m lange Linie abgesteckt, deren östliches Ende der auf dieser Insel be-
findliche Observationspunkt bildete. Ungefähr auf der Mitte dieser Linie, vor
der hier erbauten Hütte, war die Pegelstation errichtet; dieselbe wurde später
mit dem Uebersiedeln nach der sogenannten Süd-Insel (s. unten pay. 483), die
) Ueber die für die verschiedenen Monate des Jahres empfehlenswerthesten Dampferrouten
von Aden bis zur Sunda-Strafse und zurück werden wir nach holländischen amtlichen Angaben in
einem der nächsten Hefte dieser Annalen nähere Angaben bringen. A. d. R.
2) S. „Ann. d. Hydr, etc.“, 1880, pag. 306, 458; 1881, pag. 410.
3) Nach diesen ist die diesem Hefte beigegebene Kartenskizze angefertigt worden.