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Ankerplatze angetroffenen starken westlichen Stromes und sturmartigen Passates
mufsten wir denselben verlassen und mit 100m Kette auf 12 Fad. Wasser etwas
weiter westlich in folgenden Peilungen ankern: Bake NNO, Hammond Rk. West
und Mount Hammond SW.
Der Strom wurde, wie folgt, geloggt: Richtung WNW; Geschwindigkeit um
7 8b gi 10» 11° 12% p.m.
3 3% 3 25 15 0,7 Sm,
um 12°153” a. m. kenterte der Strom und setzte nach E'ZZN um 1* a. m. 0,5 Sm
und um 2* a.m. 2 Sm; 3" a.m. und 4" a.m. nach EzS 2 Sm bezw. 1,5 Sm,
dann kenterte der Strom abermals und setzte WzN 5*p. m, 0,5 Sm und 5* 30"
2,0 Sm.
(Bei dem besonders starken Passat scheint also die Ebbe nur 4 Stunden
zu laufen.)
Bei Tagesanbruch wurde Anker gelichtet und Hammond Rk. nahe um-
stenert. Die Bake mit rother dreieckiger Spitze auf Zyzli-Riff kam dann in
Sicht, ebenso die Signalstation auf Goode-I, Die Untiefe nordöstlich von /pili-
Riff wurde an dem helleren Wasser erkannt und nahe passirt. An St. B. voraus
kam eine ursprünglich schwarze, jetzt aber durch das Salzwasser grau aussehende
und daher schlecht sichtbare Boje in Sicht. Dieselbe lag früher auf der SW-Spitze
des Riffes d, ist aber kürzlich auf die im Fahrwasser befindliche Untiefe Canon
Harrison verlegt worden,!) wie ich von dem Hafenmeister für Queensland in
Brisbane erfahren hatte, Derselbe versicherte mir ferner, dafs Moneta shoal?)
nicht existirt, da sie weder von Goode-I. aus gesehen, noch sonst von den Lotsen
gefunden worden sei. Die erwähnte Boje wurde auf !/s Sm an St. B. golassen,
und wurde nun das hellere Wasser deutlich erkannt, zugleich wurde auch die
mit „6’!/4 fathoms“ (11,5m) bezeichnete Stelle angelothet, während an B.B., wo
Moneta shoal der Karte nach liegen soll, nichts gesehen wurde. Mit der Signal-
station auf Goode-I., welche 76m hoch liegt und durch Thursday-I. mit den
australischen Häfen in Verbindung steht, wurden Signale ausgetauscht. Nach
Allem, was ich in Brisbane hörte, gewinnt die Niederlassung auf Thursday-I.
immer mehr an Bedeutung.?)
Die erst vor 1'/2 Jahren mitten in einem engen, durch Dampfer und
Segelschiffe lebhaft befahrenen Kanal aufgefundene Canon Harrison - Untiefe,
die jährlich sowohl in der inneren, wie besonders in der äufseren Route der
Torres - Stralse neu entdeckten Untiefen, sowie schlielslich die Erfahrungen
S. M. Kbt. „Nautilus“ bilden den Beweis dafür, wie unsicher die Fahrt durch
die Torres-Strafse und besonders die von den Segelschiffen benutzte, aber in
Bezug auf Vormessungen, Beleuchtung, Betonnung etc. mehr vernachlässigte
„äufßsere Route“ ist, zumal dann, wenn man sich nicht auf dem gegebenen Kurs
halten kann. Das Letztere wird aber bei schralem starkem Passat und seitlichen
Strömungen, wie „Nautilus“ sie erfuhr, eintreten. Bei starkem Winde wird
man nicht in der Passage, sondern in Lee von Inseln für die Nacht ankern
müssen, und das bedingt ein Abweichen vom Kurs.
Die nordöstliche Einfahrt in die Torres-Strafse und die Passage derselben
ist aus oben genannten Gründen für ein Segelschiff durchaus nicht so einfach.
Ich möchte hier noch bemerken, dafs in der Torres-Strafse, und besonders im
südlichen Theil, wo die Tiefen abnehmen, das Wasser eine so schmutzige grau-
grüne Farbe hat, dafs es nicht so leicht ist, Untiefen an der anderen Farbe zu
erkennen, wie dies sonst in der Südsee, wo man auf tiefem blauem Wasser
fährt, der Fall ist. Die in offener See durch Dünung hervorgerufene Brandung
auf einer flachen Stelle fehlt natürlich ebenfalls. Aus eigener Erfahrung und
voller Ueberzeugung kann ich daher dem Schlufspassus des Reiseberichtes der
Bark „Beethoven“, Kapt. Haje, „Ann, d. Hydr. ete.“, 1880, pag. 466, nur bei-
stimmen.
Am 23. Mai 9* a.m. wurde Booby-I. passirt. Der hinter der Strafse
leichte Passat setzte dann wieder frisch ein.“
1) S. „Nachr. f. Seef.“, 1880, ad No. 977
2) S. „Nachr. f. Seef,“, 1876, ad No. 57.
3) S. dieses Heft der Annalen pag. 515.