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Am 19. Mai Abends, auf 9° 10‘ S-Br und 145° 20‘ O-Lg, versuchte ich
die Torres-Strafse anzulothen, auf 190m wurde jedoch kein Grund gefunden.
Nachdem dann in der Nacht noch 35 Sm westlich gesegelt war, liefs ich bei-
drehen. Auf 100m wurde nunmehr Grund gefunden, doch wurden nur ganz
kleine Korallen- und Muschelstücke mit heraufgebracht, während in dem Talg
tiefere und scharfe Eindrücke von Korallen sichtbar waren.
Bei Tagesanbruch am 20. Mai wurde westlich weiter gosegelt mit der
Absicht, Bramble Cay in Sicht zu laufen. Das Mittagsbesteck, welches an diesem
Tage von besonderer Bedeutung und trotz des bewölkten Himmels genau erhalten
war, ergab 9° 0‘ S-Br und 144° 14‘ O-Lg. Der Strom hatte WNW 0,5 Sm
die Stunde gesetzt und hatte das Schiff etwas nördlich aus dem Kurse gebracht.
Bramble Cay befand sich um Mittag in WSW ca 24 Sm ab. Nachdem 21 Sm
SW'AW gesteuert und Bramble Cay nicht in Sicht kam, liefs ich 6 Sin WzS
steuern, bis vom Topp aus in SW'!/2S Brandung gemeldet wurde. Es wurde
nun auf dieselbe abgehalten, und kam erst nach einiger Zeit eine niedrige
Sandinsel über der Brandung in Sicht. Der Strom hatte das Schiff seit Mittag
nordöstlich ca 2,5 Sm die Stunde versetzt. Ich hatte die Absicht, die Insel
genau auszumachen und dann, da ich ein Abweichen von dem „recommended
Course“ bei Nacht vermeiden wollte, der nächste Ankerplatz aber zu weit war
und ein Ankern unter Bramble Cay bei dem frischen Passat und den ungenauen
Karten nicht thunlich erschien, für die Nacht nach See zurückzuliegen resp.
nordöstlich in den Golf von Papua. Wir hatten ungefähr noch eine Stunde
Tageslicht. Als wir uns mit SSW-Kurs der Insel genähert hatten und letztere
in SWzW'2W in 2Vı Sm Abstand peilte, befanden wir uns auf einer Stelle,
wo nach den Karten 60m Tiefe sein sollen. Gegen 5* p.m. wurde von den
Toppen aus eine Untiefe dicht voraus gemeldet. Ich liefs sofort Ruder hart
St. B. legen zum Halsen, und die Untiefe blieb somit frei an B.B. Gleich
darauf, ehe wir vor dem Winde waren, wurde eine zweite Untiefe an St. B.
voraus gemeldet, also an der Seite, wohin das Schiff noch drehte. Mit östlichem
Kurse kam das Schiff auch von dieser zweiten Untiefe frei. Eine Lothung
ergab 75m Wassertiefe, und der Boden war grauer Sand.
Die erste Untiefe, bei günstiger Beleuchtung deutlich an der helleren
Farbe und der Bewegung des Wassers erkennbar — eine eigentliche Brandung
wurde nicht bemerkt —, befand sich, als sie zuerst gesehen wurde, 500m vor
dem Schiffe. Sie ist nach Schätzung 50m lang und 20m breit. Sie befindet
sich 2 Sm N0z0'/20 von der Mitte von Bramble Cay und ca 1!/4a Sm von den
ihm am nächsten liegenden Riffen entfernt, da, wo in der Br. Adm.-Karte No. 2422
(Tit. XII, No. 263) 31 Fad. (57m) Wassertiefe angegeben ist.
Die zweite Untiefe war weiter ab nach Westen zu, scheinbar von größerer
Ausdehnung, aber ungünstig beleuchtet, so dafs ich eine Beschreibung nicht
geben kann.
Bramble Cay ist eine ca 3m hohe Sandinsel, deren oberer Theil an-
scheinend mit Gräsern bewachsen und jedenfalls dunkler, als der Strand selbst
und deshalb nicht weit sichtbar ist; ringsum ist eine hohe Brandung auf den
die Insel umgebenden Riffen. Ueber der Insel schwärmten viele Tausende von
Seevögeln, und auf ihr selbst glaubte ich eine Hütte zu erkennen, die gewifs,
da der Handel und die Bedeutung der australischen Kolonien immer mehr zu-
nehmen, in wenigen Jahren einem Leuchtthurm Platz machen wird, welcher
hier allerdings sehr nöthig wäre. Bei bewölktem Himmel und diesigem Horizont,
wie wir es trafen, ohne Lothungen, die den Schifisort in diesem Meerestheile
hinreichend genau geben könnten, bei unregelmäfsigen starken Strömungen und
auflandigem, stürmischen Passat erfordert es die gröfste Vorsicht, in die Torres-
Strafse einzusegeln; es sollte dies unter solchen Umständen ohne Mittags-
Besteck nicht unternommen werden. Seegang und Wassertiefe verhindern das
Ankern, Der Berg der Darnley-I. kam bei dem diesigen Horizont nur kurze
Zeit vor Sonnenuntergang von Bramble Cay aus in Sicht. Letztere selbst ist
nur auf wenige Seemeilen sichtbar und das denkbar schlechteste Objekt zum
Ansteuern.
Am 21. Mai bei Tagesanbruch wurde wieder nach der Richtung gehalten,
in welcher Bramble Cay liegen mußte. Lothungen während der Nacht ergaben
grauen Sand. Um 9 30” a. m. kam Bramble Cay in SW'/aS von der Vorbram-
Ann. d. Hydr., 1881. Heft IX (September).