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„Die nordwestliche Grenze dieses Stromes war hier“ — wie der Kom-
mandant der „Vineta“ bemerkt — „nur durch geringe Temperaturdifferenzen
des Meerwassers gekennzeichnet, während die südöstliche Grenze gar keine
Differenzen mit dem benachbarten Wasser aufzuweisen hatte. Die Wirkung des
Stromes begann in der Höhe des Kıi-Kanals und hörte etwas nördlich von der
Insel Ponajfidin gänzlich auf. — An der Ostseite der Liv-kiu-Inseln wurde der
Kurosiwo nicht angetroffen, trotzdem östlich von Okinawa sima die Wasser-
temperatur schnell von 22° auf 25° stieg. Der Strom machte sich erst be-
merklich, als Komisang-I. (in 126° 40‘ O-Lg) passirt war. Von dieser Insel
bis zur Nordspitze von Formosa setzte der Strom in nordöstlicher Richtung;
bei dieser Spitze wurden starke Gezeitenströmungen mit heftigen Strom-
kabbelungen angetroffen, während in der Mitte der Formosa-Strafse eine nord-
östliche Strömung beobachtet wurde. —
Unter der chinesischen Küste war von dem kalten Gegenstrom nichts
zu bemerken; es wurden hier nur die regelmäfsigen Gezeitenströmungen an-
getroffen.“
10. Die Wind- und Strom-Verhältnisse zwischen Auckland und
Apia im April 1881 waren nach dem Bericht des Kommandanten S. M. Ar.
„Habicht“, Korv.-Kapt. Kuhn, während der Reise desselben von Auckland
nach Apia, vom 13. bis 28, April, fortdauernd ungünstig und den Angaben der
Windkarten nicht entsprechend. Statt der in dieser Jahreszeit in höheren süd-
lichen Breiten zu erwartenden südwestlichen Winde traf „Habicht“ bis zum
18. April zunächst E- und dann NE-Winde an, welche bei hoher Ostdünung
bis zur Stärke 7 mit kräftigen Böen auffrischten. Vom 17. zum 18. Oktober
mufte ein südlicher Kurs gesteuert werden, indem an Stelle der hier (in
ca 32° S-Br und 178° W-Lg) zu erwartenden östlichen Strömung eine südwest-
liche Versetzung von 32 Sm (in 24°) gefunden wurde. Diese Versetzung ist
nach der Ansicht von Korv.-Kapt. Kuhn vermuthlich dadurch verursacht worden,
dafs der von dem „Habicht“ angetroffene heftige östliche Wind (s. oben) in
diesen Gegenden längere Zeit hindurch gestanden hatte. Der NE-Wind hielt
bis zum 20. April in mäßiger Stärke an, drehte dann langsam über Nord auf
NW, und begann am 21. April stark aus West bis Stärke 9 mit harten Böen
bei stark fallendem Barometer zu wehen, Der niedrigste Stand desselben be-
trug auf 0° red, 754,7mm gegen 765,9mm am 20. April, — eine für diese
Breiten (28°—26° Süd), in der Nähe der Passatgrenzen, bedeutende Differenz.
— Am 23. April wurde 23° S-Br in 172° 18‘ W-Lg geschnitten, ohne dafs
jedoch der Passat vorgefunden wurde, welcher erst am Morgen des 26. aus Ost
einsetzte und, häufig von leichten Böen begleitet, allmählich bis zur Stärke 6
auffrischte. An diesem Tage wurde auch eine starke Versetzung nach NW,
22 Sm, gefunden.
Das Mittagsbesteck am 26. April war nach guten Observationen 16° 44,5‘ S-Br
und 171° 48‘ W-Lg; an demselben Tage warde auch über die Stelle hinweg-
gegangen, auf welcher in No. 758 der „List of reported dangers“, pag. 91,
eine Insel angegeben ist, ohne dafs irgendwie Land oder Brandung bemerkt
wurde.
Noch im Laufe des 26. April flaute der Passat ab und ging mit Regen
und Stillen auf NE, und blieb so bis zur Ankunft in Apia am 28. April
Nachmittags.
11. Ueber die Eröffnung und den Schlufs der Schiffahrt zu
Quebec, infolge der Eisverhältnisse, während der Jahre 1830—1880.
(D.S.) Von Herrn C. Scheibe, Kapitän des deutschen Schiffes „Oberbürgermeister
von Winter“, wurde der Seewarte die nachstehende, von der Zollbehörde in Quebec
am 1. Januar 1881 im „Quebec Morning Chronicle“ veröffentlichte Tabelle
mitgetheilt,
Aus dieser Tabelle erhellt, dafs zu Quebec im Mittel die Seeschiffahrt
vom 28, April bis zum 26. November als offen zu betrachten ist. '
Die früheste Eröffnung in den Jahren 1830/80 fand statt am 15. April.
„ Späteste » w ” % »„ »„ 11. Mai.
Der früheste Schlußs „ ” » » » 18. November,
„ Späteste ” » » » “ » x 4. Dezember,