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einer Zuckerladung, für welche die Fracht nach dem ausgelieferten Gewichte
bezahlt wird, und welche auf der Reise 13 bis 15 °%9y am Gewichte verliert, sehr
zu Ungunsten des Schiffes ist. Die Unkosten eines Schiffes, welche entstehen,
wenn die Lieferung der Ladung nicht „frei längsseits“, sondern „nach Platz-
usanz“ bedungen worden ist, betragen 5 bis 6 Schilling für die Tonne,
Die Gesundheitsverhältnisse von Pernambuco haben sich in neuerer Zeit,
infolge der gröfseren Reinlichkeit der Stadt, bedeutend gebessert. Bei dem
Zustande, in welchem sich manche Strafsen jetzt noch befinden, ist jedoch die
Möglichkeit einer weiteren Verbesserung nicht ausgeschlossen,
Aus den Reiseberichten des Deutschen Schiffes „Pacific“,
Kapt. C. Oltmann.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Bemerkungen über verschiedene Häfen an der Westküste von Amerika.
A. Guayaquil in Ecuador. Um 5" p. m. den 4. August 1880 ankerte
„Pacific“ vor dem Dorf Pund auf 13m Tiefe, Muddgrund. Ich fuhr an Land,
berichtet Kapt. Oltmann, um einen Lotsen zu holen, wurde hier aber von den
Zollbeamten bedeutet, dafs kein Lotse anwesend sei und wir auch erst die Visite
des Arztes und der Zollbehörde abzuwarten hätten, bevor wir aufsegeln könnten,
Endlich nach Verlauf von 48 Stunden erhielten wir einen Lotsen, segelten den
Guayas-Flufs hiuauf und kamen am Morgen des 8, August vor Guayaquil zu
Anker. Hier erwuchs uns abermals sehr langer Aufenthalt. Da au der Werft,
an welcher die Schiffe hier löschen müssen, gleichzeitig nur drei oder höchstens
vier Schiffe liegen können, und kurze Zeit vor uns mehrere Schiffe mit Ladung
angekommen waren, so dauerte es 14 Tage, bevor an uns die Reihe kam, an
die Werft holen zu können. Da nun aufserdem nur 3 oder höchstens 3% Stundne
veim Löschen gearbeitet werden darf, so benöthigten wir, obgleich wir nur einen
Theil unserer Ladung zu löschen hatten, zu unserem Aufenthalte in Guayaquil die
anerhört lange Zeit von 6 Wochen. Einige Schiffe löschten ihre Ladung in Leichter,
mufsten aber, obschon sie gar nicht die Werft benutzt hatten, das Werftgeld
ebenfalls bezahlen, Die Bedingung in ihrer Chartepartie, dafs ihnen die Ladung
Frei von Kosten auf Seite des Schiffes abgenommen werden sollte, schützte sie
so wenig wie die an der Werft löschenden Schiffe. Die Werft oder Landungs-
brücke gehört nicht der Regierung sondern Privatpersonen, welche von der
Regierung das geschilderte, den Schiffen so sehr nachtheilige Monopol er-
worben haben.)
2. Tumaco in Columbien. Am 30. September 1880 ankerten wir auf
der Aufsenrhede von Zumaco.in 16m Tiefe. Nachdem wir einen Lotsen vom
Lande geholt hatten, gingen wir bei Hochwasser wieder unter Segel und
steuerten den westlichen Kanal ein, in welchem wir bei beständigem Lothen
die geringste Wassertiefe zu 3,6m fanden. Der Tiefgang der „Pacific“ war
3,3m. Am folgenden Tage kamen wir auf der Innenrhede (1° 50‘ N-Br und
78° 45' W-Lg) in 8m Wassertiefe zu Anker,
1) Auch Kapt, A. Ziemann vom Schiffe „General Brialmont“ äufsert sich über das Lösch-
wesen in Gyayaquil sehr ungünstig. Er berichtet:
Eine Privatgesellschaft hat von der Regierung das Recht erhalten, eine Brücke zu bauen, an
welcher alle Schiffe löschen müssen und für deren Benutzung die Schiffe nach folgender Taxe zu
zahlen haben:
Schiffe von
200 bis 300 Tonnen 2 Doll,
300 „ 400 » 3 ”
w „400 „ 500 % 4 ”
für jede Stunde, während welcher gelöscht wird. Die Regierung hat weiter verordnet, dafs gleichzeitig vier
Schiffe an der Brücke löschen sollen, während doch nur drei an derselben liegen können. Das vierte Schiff
löscht deshalb auf dem Strome in Leichter, mufs aber trotzdem das Werftgeld bezahlen. Ist noch
ein fünftes Schiff vorhanden, so mufs es, ohne entschädigt zu werden, warten. Kommen die Post-
dampfer, so wird die Brücke voll von Waaren geworfen, und die anderen Schiffe dürfen nicht eher
wieder mit Löschen beginnen, bis die Brücke entleert ist. Die Brücke ist so gebaut, dafs das
mittlere Schiff seine Waaren nur mit grofser Anstrengung hinauf bringen kann, denn es liegt nur
vorn und hinten an der Brücke, in der Mitte aber 10 Fufs von derselben entfernt.