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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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Aus den Reiseberichten des deutschen Schiffes „Leonore‘“, Kapt. Held. 
Bemerkungen über verschiedene Häfen. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
‘. Addah an der Bucht von Guinea. Im „African Pilot“, Part I, 
pag. 240, wird das Haus eines Herrn Morgans in Addah als eine gute Land- 
marke dargestellt. Dieses Haus existirt seit 25 Jahren nicht mehr.!) Dagegen 
sind in neuerer Zeit mehrere bedeutende Faktoreien in Addah erbaut, welche 
alle ziemlich weit sichtbar sind; vor allen die des deutschen Handelshauses 
Vietor & Söhne in Bremen, ein grofses, weifses, zweistöckiges Gebäude mit 
einem kleinen Aufbau und einem hohen Flaggenmaste. Obgleich ich nicht an 
diese Faktorei adressirt war, war dieselbe so gefällig, mir vermittelst der 
Flaggen des Internationalen Signalbuchs, mit welchen sie versehen ist, auf 
meine Fragen Auskunft zu geben. 
Während unseres Aufenthaltes in Addah vom 21. Dezember 1879 bis zum 
3. Januar 1880 war die hohe Brandung an der Küste dem Löschen der Ladung 
sehr hinderlich. 
An der einförmigen Guinex-Küste muls man sich hauptsächlich nach dem 
Lothe und nach Ansichten des Landes orientiren. Die in den Karten gegebenen 
Ansichten der verschiedenen Küstenplätze sind jedoch in sehr vielen Fällen 
nicht mehr richtig, und würden deshalb neue Aufnahmen sehr erwünscht sein. 
2. Fenedo am Rio San Francisco in Brasilien, Um einen Lotsen 
für diesen Platz zu erhalten, mufs man sich der Barre des Flusses nähern und 
dort das gewöhnliche Signal geben. Der Lotse kommt alsdann in einem Fahr- 
zeuge, welches eine weiße Flagge zeigt, ab. Da die Lotsen keine eigenen 
Fahrzeuge besitzen, vielmehr darauf angewiesen sind, dafs sie eintretenden 
Falles ein Boot oder Flofs (Jangada) zu ihrer Benutzung vorfinden, so haben 
die Schiffe mitunter längere Zeit auf ihr Abkommen zu warten, Auch wir 
wurden auf dieso Weise drei Tage, vom 31. August bis zum 2. September 1880, 
aufgehalten. 
Bevor ein Schiff einsegelt, hat es durch Flaggensignale vom Grofstopp 
seinen Tiefgang anzuzeigen. Dabei bedeutet eine Flagge weniger als 11% Full, 
ein Signal von zwei Flaggen, gleichviel welcher Farbe, 11'!/2 bis 12'/2 Fufs engl. 
Tiefgang. Darauf erfolgt in der im „Brasil Pilot“ angegebenen Weise von der 
Signalstation am Lande die Antwort, ob die Barre passirbar oder nicht passir- 
bar ist. Ein gröfserer Tiefgang als 12'/2 Fufs engl. wird als nicht zulässig 
erachtet. Gewöhnlich wird das Signal vom Schiffe erst gegeben, wenn der 
Lotse an Bord ist. Die Signale nach dem Internationalen Signalbuche, welche 
ich vorher aufgesetzt hatte, blieben seitens der Signalstation am Lande un- 
beantwortet. 
Der vorhandene Leuchtthurm steht auf dem äußersten Ende des nörd- 
lichen Flufsufers. Er besteht aus einem Balkengerüst, welches einen mit einer 
Plattform umgebenen Bretterverschlag trägt, ist weifsgrau angestrichen und 
etwas niedriger als der Signalthurm. Das Feuer war in 12 bis 14 Sm Abstand 
noch gut sichtbar. 
Der gewöhnliche Ankerplatz vor der Barre ist mw SzW vom Leuchtthurm 
in 14 bis 16m (8 bis 9 Fad.) Wassertiefe. Im Allgemeinen ist das Ankern 
hier nicht zu empfehlen, namentlich nicht für tief gehende Schiffe, weil diese 
wegen der Strömung nicht auf dem Winde liegen bleiben und infolge dessen 
stets schlingern. Einen bequemeren Ankerplatz findet man hinter den weiter 
nördlich gelegenen Bänken. 
Nachdem man beim Einsegeln die Barre passirt und wieder in tieferes 
Wasser gekommen ist, muß man zwei Flaggen, die am Lande gezeigt werden, 
in Linie bringen und dieser Linie nachsteuern, bis man in die Nähe des Leucht- 
thurms gelangt ist. Einige Kabellängen höher hinauf am nördlichen Flulsufer 
befindet sich ein kleines Dorf. Quer davon, nahe am Ufer, ist der beste 
Ankerplatz. 
!) Kapitän Held bezieht sich hier auf die ältere Ausgabe des „African Pilot“, Part I, vom 
Jahre 1873. In der neueren Ausgabe vom Jahre 1880, pag. 272, ist die Angabe nicht mehr ent- 
halten. Statt dessen wird das Missionshaus als eine gute Landmarke angeführt.
	        
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