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12. Reise der Hamburger Bark „Godeffroy“, Kapt. W. A. Thielemann.
Am 14. Oktober 1879, dem fünften Tage ihrer Reise von Hamburg nach
Apia, verließs die Bark „Godefroy“ die Mündung des Kanals. In der Aus-
führung der Fahrt nach Süden wurde man bis nach 46° Nord hin von nord-
östlichen, südlich von dieser Breite von auch nicht ungünstigen westlichen, und
nachdem 38,5° N-Br überschritten worden war, wieder von Ostwinden begün-
stigt. Dieser Wind erwies sich nicht, wie erwartet werden konnte, als der
Passat, sondern nachdem derselbe „Godefroy“ nach 29° N-Br geführt hatte,
traten nochmals westliche Winde an seine Stelle. Am 31. Oktober wehte es
unweit 23° N-Br und 21° W-Lg, bei einem niedrigsten Barometerstande von
758,9mm, in Gewitterböen heftig aus NW. Stürmischen Westwind fand man
auch am 5. November unweit 19,5° N-Br und 26° W-Lg. Bei Gewitter und
regnerischem Wetter sank hier der Luftdruck bis auf 756,3mm. Erst unweit
17,5° N-Br in 26,7° W-Lg traf man am 8. November Wind, welcher den Namen
Passat verdiente, und gelangte man dann nach 6° N-Br in 25° W-Lg in rascher,
befriedigender Fahrt. Unweit dieses Punktes lief am 12, November der frische
Wind südöstlich, und gelangte man in dieser Weise, ohne dafs Unbeständigkeit
des Windes den Stillengürtel andeutete, in das Gebiet des SE-Passats. Am
15. November überschritt „Godefroy“ in 29,7° W-Lg den Aequator. Es waren
dann 32 Tage verflossen, seit man die Kanalmündung verlassen hatte, und
während dieser Zeit war 40° N-Br in 13,1° W-Lg am 20. Oktober, 30° N-Br
in 20,2° W-Lg am 26. Oktober, 20° N-Br in 24,1° W-Lg am 5. November, und
10° N-Br in 26,2° W-Lg am 11. November gekreuzt worden.
Einige Tage vor „Godefroy“ segelte, auf östlich von der Kap Verde-
Inselgruppe liegender Route, der Mitsegler „Deike Rickmers“ nach der Linie
hin. Dieser überschritt bei frischem Westwinde den Parallel von 20° Nord in
21,3° W-Lg am 1, November und erhielt in der Nähe von 17,7° N-Br und
21,1° W-Lg mäfigen NE-Wind, der indessen noch nicht der beständige Passat
war. Unweit 13° N-Br herrschte an einem Tage noch wieder Mallurg, und
erst in etwa 12° N-Br stellte sich der, später noch an zwei Tagen recht kräftige
Passat ein. Dieser, bei dem man 10° N-Br in 22,6° W-Lg am 8. November
kreuzte, ging dann in derselben Weise, wie bei „Godefroy“, ohne alle Störung
in den SE-Passat über, und führte den „Deike Rickmers“ am 13. November in
26,8° W-Lg zur Linie. Der West der Kap Verde-Inseln segelnde „Godeffroy“
hatte die Strecke zwischen 30° und 0° N-Br in 19 Tagen 6 Stunden, die zwischen
20° und 0° N-Br in 10 Tagen und 6 Stunden, und die zwischen 10° N-Br
und dem Aequator liegende in vier Tagen zurückgelegt, Dagegen gebrauchte
„Deike Rickmers“ auf östlicher Route für dieselben Distanzen je 17 Tage
19 Stunden, 12 Tage 9 Stunden und 5 Tage 1 Stunde. Das Gesammtresultat
war also auf der östlichen Route das günstigere, wenn auch von 20° N-Br an
auf der westlichen eine kürzere Zeit gebraucht wurde, um die Linie zu erreichen,
Immerhin handelte das durch anhaltende Westwinde w&it nach Osten gedrängte
Schiff korrekt, indem es Ost von den Inseln nach Süden steuerte, südlich der-
selben dann aber gleich auf südsüdwestlichem Kurse etwas Länge wieder gut
zu machen strebte.
Im Südatlantischen Ocean wurde „Godeffroy“ bis nach 14° S-Br in 30,7°
W-Lg von kräftigem, beständigem Passat begleitet. Schon in der Nähe dieses
Punktes schien man die polare Passatgrenze erreicht zu haben; doch wehte,
nachdem für kurze Zeit leichte, westliche Mallung geherrscht hatte, der Wind
später noch wieder für längere Zeit aus östlicher und nordöstlicher Richtung.
Durchstehenden Westwind traf man erst am 4. Dezember unweit 38° S-Br in
17° O-Lg an, und führte dieser Wind dann die Bark in rascher Fahrt zum
ersten Meridian. Am 9. Dezember, einen Tag später als „Deike Rickmers“,
ging „Godeffroy“ in 41,2° S-Br von der westlichen zur östlichen Länge über.
Die Strecke zwischen dem Aequator und dem Meridian von Greenwich war in
24 Tagen zurückgelegt, und auf derselben 10° S-Br in 31,2° W-Lg am 18. No-
vember, 20° S-Br in 28,5° W-Lg am 24. November, und 30° S-Br in 25,1° W-Lg
am 30. November gekreuzt worden.
Die Zurücklegung der erforderlichen Länge erfolgte gröfstentheils in der
Nähe von 47° S-Br. Die dort angetroffenen Winde wehten fast nur aus nörd-