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8,5° S-Br in 106° O-Lg gekommen war, lief der Wind nordwestlich. Trotz der
geringen Stärke dieses Windes war derselbe doch von starker, an manchem
Tage mehr als 30 Sm betragender SE-Strömung begleitet, und hatten daher
alle Bemühungen, den Eingang der Sunda-Strafse zu erreichen, keinen Erfolg.
Durch diese in Hinsicht auf die Jahreszeit ganz ungewöhnlichen Verhältnisse,
die sich auch durch ein ungewöhnlich häufiges Auftreten von Gewittern aus-
zeichneten, wurde die Reise um ein Bedeutendes verlängert. Nachdem man,
begleitet von vielen Mitseglern, bis zum 4. Juli vergeblich in Sicht der Küste
gekreuzt hatte, hielt die in 106,2° O-Lg stehende „Niagara“ ab nach Süden,
um dorf günstigere Verhältnisse zum Gutmachen der Länge aufzusuchen. Unweit
9,8° S-Br in 104,8 O-Lg nahmen die nordwestlichen Winde denn auch ein
Ende, und auf kurze Windstille folgte am 7. Juli zuerst leichte südöstliche,
später, als man wieder nach Nordwesten segelte, südwestliche Briese, bei welcher
man am 9. Juli den Eingang der Sunda-Strafse erreichte. Die Dauer der Reise
bis dahin betrug 122 Tage. Auf dem letzten Theile derselben war 30° S-Br
in 102,6° O-Lg am 12. Juni, 20° $S-Br in 105° O-Lg am 16. Juni und 10° S-Br
in 105,6° O-Lg am 24. Juni gekreuzt worden,
Bei leichtem südöstlichen Winde wurden Sunda-Strafse, Sunda-See und
Gaspar-Strafse durchsegelt und ebenso auch am 16. Juli die Linie in 106,9° O-Lg
überschritten. Nicht weit von 0,7° N-Br drehte der Wind nach SW, und bei
mäfsigem Winde aus dieser Richtung und begünstigt von starkem NE-Strome
legte man dann den letzten Theil der Reise zurück. Man überschritt 5° N-Br
in 107,3° O-Lg am 18. Juli, 10° N-Br in 110,7° O-Lg am 20. Juli und 15° N-Br
in 113,6° O-Lgy am 23. Juli. Am 26. Juli erreichte „Niagara“ einen Anker-
platz in der Nähe von Hongkong. Die Dauer der ganzen Reise war 139 Tage.
Am 28. August verliefs „Niagara“ den Hafen von Hongkong wieder, um
nach Manila zu segeln. Nachdem am ersten Tage der Reise Windstille geherrscht
hatte, kam am zweiten stürmischer Wind aus NE durch, der später nach SE
lief und von daher in noch größerer Stärke wehte. Auch nachdem die Wind-
stärke geringer geworden war, hielt der Wind sich noch lange im östlichen
Halbkreise. Nach dem 9. September, von unweit 13° N-Br in 118,8° O-Lg ab,
wurde die Windrichtung unbeständiger, doch traf man, obgleich wiederholt
leichte westliche Briese herrschte, von einem wirklichen SW-Monsun keine
Spur. Am 14. September erreichte „Niagara“ die Bai von Manila; die Reise-
dauer betrug 17 Tage.
Nachdem in Manila eine Ladung Zucker eingenommen worden war, ver-
liefs die Bark am 5. Oktober auch diesen Hafen, um nach einem englischen
Orderplatze zurückzukehren. Hatte man zu Anfang September, während der
Reise von Hongkong nach Manila, in der China-See fast nur östliche Winde
angetroffen, so wurden nun, da solche erwünscht gewesen wären und die Jahres-
zeit ihr Auftreten erwarten lief, an ihrer Statt sehr leichte, unbeständige süd-
liche und westliche Winde gefunden. Die Reise nahm dann denselben Verlauf
wie diejenige der mitsegelnden, am 22. Oktober in 9,4° N-Br und 110,8° O-Lg
in Sicht befindlichen Bark „Saturnus“. Der „Niagara“ kreuzte 10° N-Br in
110,2° O-Lg am 20. Oktober, 5° N-Br in 109,7° O-Lg am 26. Oktober und
überschritt am 8. November in 108,3° O-Lg den Aequator. Am 13. November
passirte man die Macclesfield-Strafse, und am 18, November gelangte „Niagara“,
nach einer Reise von 44 Tagen Dauer, südlich und frei von der Sunda-Straße.
Bei denselben Verhältnissen, wie sie schon im Reisebericht von „Saturnus“
erwähnt worden sind, wurde dann auch von „Niagara“ die Fahrt über den
Indischen Ocean zurückgelegt. Unweit 26° S-Br in 58,5° O-Lg lief bei einem
Luftdrucke von 768,0 mm der Wind nordöstlich, und schien dort die polare
Passatgrenze zu liegen. Später herrschte jedoch noch wieder für längere Zeit
leichter östlicher Wind, bei welchem das Barometer in der Nähe von 28° S-Br
und 51,5° O-Lg einen höchsten Stand von 770,9mm erreichte. Den ersten
Westwind von längerer Dauer erhielt „Niagara“ am 24, Dezember in 35° S-Br
und 27° O-Lg. Am 26. Dezember überstand die Bark unweit 35° S-Br und
23,5° O-Lg bei einem Luftdruckminimum von 754,8 mm jenen kurzen, aber fast
orkanartigen Weststurm, welchen der in 33,7° S-Br und 29° O-Lg stehende
„Saturnus“ 12 Stunden später und in etwas geringerer Stärke erlebte. An
Bord des letzteren Schiffes wurde der niedrigste Barometerstand zu 757,1 mm