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stehen kann. Auf dem Riff ist durchschnittlich bei mittlerem Wasserstande
etwas mehr wie 1m Wasser, welches ein Befahren mit Booten und sogar mit
der Dampfpinnasse bei nicht gerade niedrigem Wasserstande gestattet. Ist dieser
eingetreten, so ist allerdings die Wassertiefe so gering, dafs selbst ein Be-
fahren des Riffes mit Jollen an den meisten Punkten nicht mehr möglich ist.
Auf der Insel wurden sieben Chinesen, Fischer aus Hainan, angetroffen,
die ihr Handwerk schon seit vielen Jahren hier betreiben und sich 6 bis 7 Mo-
nate in jedem Jahre hier aufhalten. Sie hatten sich an der SW-Seite der Insel
am Rande der Mangrove-Gebüsche ihre kleinen Hütten gebaut und ebendaselbst
auch ihre Stellagen zum Trocknen der gefangenen Fische errichtet. Mit Hülfe
des Lotsen A. Sooh, der als Dolmetscher fungirte, wurde von den Leuten,
deren einer schon über 30 Jahre hier verkehrt, in Erfahrung gebracht, dafs sie
bis jetzt noch nie ein Schiff in dieser Gegend gesehen, auch durchaus nichts
von irgend einem hier herum liegenden Wrack wüfsten. Wie sich später heraus-
stellte, stehen die Hütten an der Stelle der Insel, wo die tiefste über das Riff
führende Fahrrinne mündet.
Die uns von den Fischern gezeigten Quellen liegen in der Nähe ihrer Hütten,
ca 50 Schritt nach dem Innern der Insel zu, auf einem kleinen, von Gebüsch
umgebenen Platz, zu welchem ein schmaler Fufssteig führt. Diese sind weiter
nichts, als in die Erde eingegrabene kleine Löcher von ca 1m Durchmesser,
in welchen sich eine bräunliche Flüssigkeit, das von unten durch den Sand
heraufsickernde und hierdurch gleichsam filtrirte, mit Regenwasser vermischte
Seewasser, ohne allen Schutz vor Verunreinigung und in nur geringer Quantität
befindet. Es hat einen etwas brackigen Geschmack und ist nach Aussage des
Schiffs-Arztes nur im alleräufsersten Nothfalle zu geniefsen, da es infolge des
Gebrauchs der Chinesen derartig verunreinigt und auch sonst mit so vielen
schädlichen Bestandtheilen vermischt ist, dafs der Genufs desselben, trotzdem
die Fischer hiervon leben, für den Europäer auf alle Fälle gesundheitsnachtheilig
sein muls.
Wegen der vorgeschrittenen Jahreszeit hielt ich es für das Beste, hier
auf Woody-I. die Station zu errichten und von dieser aus die Vermessungs-
arbeiten in Angriff zu nehmen, zumal gerade die Gegend zwischen Woody- und
Lincoln-I. und südlich hiervon wegen der hier existiren sollenden Bremer Bank
so gefährlich sein soll.
Nachdem alles Nöthige für den zurückbleibenden Vermessungs-Offizier
und dessen Mannschaft, welche die Vermessung ausführen sollten, besorgt war,
verliefs „Freya“ am 9, April diese Insel und langte am 11. April wieder in
Hongkong an.“
2. Vorläufige Aufnahmen innerhalb der Paracel-Gruppe.
„Während unserer Anwesenheit vor Woody-I. (vom 4. zum 8. April)
waren die Seitens des Kapt.-Lieut. Schlöpke und des Lieut. z. See Rollmann
angestellten Vermessungsarbeiten, nachdem die Konturen von Woody- und Rocky-I.
bestimmt und die geographische Lage des Observationspunktes durch astro-
nomische Beobachtungen vorläufig auf 16° 50‘ 0“ N-Br und 112° 20‘ 12“ O-Lg
festgelegt waren, so weit vorgeschritten, dafs nunmehr mit den Lothungen an-
gefangen werden konnte.
Die ersten beiden Tage unseres Aufenthaltes bei den Amphitrite-I. hatten
wir leichte südliche Winde; das Schiff lag auf dem Ankerplatz in NW der
Insel in ruhigem Wasser, auf der Kante des Riffes in Nord der Insel stand
überhaupt keine Brandung, so dafs man bequem von dieser Seite aus landen
konnte. Als aber am 6. April der Wind nördlich ging und etwas auf-
frischte, warf er eine nicht unbedeutende Dünung auf, die sich derartig an dem
Riff brach, dafs es nicht ungefährlich war, mit den Booten von der Lurvseite
her zu landen. Da es sich nun herausstellte, dafs den Fischerhütten gegenüber
die schon vorhin erwähnte tiefere Fahrrinne sich befindet, deren Eingang,
trotzdem es rechts und links davon brandete, ganz glatt und ohne irgend welche
Brecher war, aufserdem an dieser Seite der Insel bedeutend weniger Dünung
lief, so verlegte ich, um aufserdem den Weg mit dem Lande zu verkürzen, am
7. April Nachmittags den Ankerplatz nach der SW-Seite von Woody-I., den
Fischerhütten und der Fahrrinne gegenüber. Um 4'/s* p. m. ankerte ich daselbst