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dieses, auf welchem die See jedoch nicht brandete, und welches mithin ebenso
wenig, wie die weiter nördlich unter Land liegende Bank sichtbar war, in
ca 1 Sm Abstand passirt, worauf von Strich zu Strich allmählich der Kurs auf
Hainan Head geändert wurde, während das Schiff sich im Durchschnitt auf
28 bis 32m Wasser befand und die Angaben des Lotsen fortwährend durch
Kreuzpeilung festgelegter Objekte kontrollirt wurden, wozu die sich weit und
gut kennzeichnenden Ubjekte, wie der Berg Mofou, Hainan Head und vor allen
Dingen die weit sichtbare Pochin-Pagode einen vorzüglichen Anhalt boten. So
weit durch Peilungen festgestellt werden konnte, sind die Angaben der „Magpie“
durchaus zuverlässig.'‘) Die sogenannten südlichen Bänke waren durch darauf
stehende Brandung gut gekennzeichnet, ebenso die nördlich und südlich von
der gut sichtbaren Sandbank liegenden Untiefen, welche erstere die innere Passage
bei Hainan Head nach Osten zu begrenzt und immer trocken liegt, sowie die von
der Spitze Hainan sich nördlich erstreckenden Felsen. Von den unter Land
liegenden Untiefen, wie Magpie Rock etec., war jedoch nichts zu sehen. Ungefähr
7 Sm SzW von der Spitze Mofow konnten wir das Wrack des im Oktober 1880
hier gestrandeten amerikanischen Schiffes „James Bayly“ erkennen; dasselbe ist
durch den einen noch stehenden Mast weithin sichtbar, für die Schiffahrt aber
nicht gefährlich, da es hoch und trocken auf das Land geworfen ist,
Es kam uns diesmal sehr zu statten, dafs wir die gefährlichste, nur
1/2 Sm breite Stelle bei Hainan Head gerade etwas nach Hochwasser passirten,
so dafs der Strom, der sonst die Passage so gefährden soll, von gar keinem
Einflufs auf das Schiff war. So gut und bequem auch heute die Einfahrt war,
so gefährlich mufs sie aber bei etwas unsichtigem Wetter, wenn die Landobjekte
nicht zu sehen sind, oder wenn die See auf den Bänken nicht brandet, was
manchmal bei ganz ruhigem Wetter der Fall sein soll, sich gestalten, da die
Peilungen und die Brandung auf den Riffen die einzigsten Merkmale für die
durch die Strömung so sehr beeinflufste Passage bieten.
Nachdem Hainan Head in unmittelbarer Nähe der über Wasser befind-
lichen, von der Spitze auslaufenden Felsen passirt war, führte ein mifsweisender
W!AN-Kurs 5 Sm entlang im Süden frei von der Little-Bank, womit die letzte
Gefahr, abgesehen von den unter der Küste liegenden, in der Karte als
„reported foul“ bezeichneten Untiefen, passirt ist. Um letztere zu vermeiden,
braucht man nur nach dem Passiren von Little-Bank einen westlichen Kurs
weiter zu verfolgen, bis man Backsha Point, die östliche Grenze der Rhede
von Hoz-how, ungefähr in SW peilt, von wo aus man dann allmählich südlicher
auf die Rhede zusteuern kann. Hierbei muss man Vorsicht gebrauchen, um nicht
mit den Fischerpfählen, die hier barrierenartig auf eine bedeutende Entfernung
vom Lande (zuweilen 2 Sm weit) in die Strafse hineingebaut sind und welche
man stets im Norden passiren mufs, zu kollidiren. Bei Tage und sichtigem
Wetter hat dieses weniger zu sagen, weil sich in diesem Falle die in Rede
stehenden Pfähle schon sehr deutlich auf gröfsere Entfernungen markiren.
Der Ankerplatz von Hoi-how selbst ist im Grofsen und Ganzen 80,
wie in den „Ann. d, Hydr. etc.“ 1876, pag. 507, angegeben ist, und war ich des
flachen Wassers wegen gezwungen, als ich mit S, M.S. „Freya“, dem gröfsten
und tiefgehendsten Schiffe, welches, wie man mir später sagte, bis jetzt die
Hainan-Strafßse besucht hat, um 3* 45” p.m. die Rhede erreichte, in einer Ent-
fernung von über 2 Sm vom Lande auf 7,5m Wasser, Schlamm und Sandgrund,
in folgenden Peilungen zu ankern: Nord Fort in 0S0'/40 und Backsha Point
in ONO.
Das Landen in Hoi-how ist mit Schwierigkeiten verknüpft, erstens wegen
der grofsen Distanz und zweitens der sehr flachen, sich bis zum Spit von
Backsha Point heraus erstreckenden Bank wegen, welche man nur bei günstigem
Wasserstande und mit ganz flach gehenden Booten passiren kann. Die in den
Karten angegebene tiefere Fahrrinne nach der Stadt ist, trotzdem sie hier und
da mit Reisig nothdürftig gekennzeichnet ist, doch schwer wegen ihrer Krüm-
mungen zu verfolgen und hat auch gewöhnlich nur so viel Wasser, um einem
1) Vgl. „Ann. d. Hydr. ete.“, 1880 pag. 658 und 659. Bei der „Segelanweisung für das
südliche Fahrwasser“ a. a. O. pag. 659, Z. 7 v.o., mufs es aber heilsen 20° 22’ statt 20° 2‘ N-Br;
jetztere Angabe war der Originalquelle „Hongkong Government Gazette“ No, 33, 1880, August 7,
entlehnt.
Ann, d. Hydr., 1881, Heft YIIT (August),