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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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im Innern von China umgebogen, am 30. September in der Richtung NE durch 
das Ost-Chinesische Meer gewandert und mit unserem Teifun identisch sein. 
Das Log des D. „Bengloe“ (16), welcher sich am 29. September bis 
1. Oktober, auf der Route von Hongkong nach Yokohama, zwischen 25° N-Br, 
120° O-Lg und 30° N-Br, 129° O-Lg befand, führt an den genannten Tagen 
nur NE-Wind mit hohem Barometerstand an; (16) müfste von dem Teifun des 
„Comercio“ am 30. September doch etwas gemerkt haben; statt dessen wurde 
gerade am 30. September 12 p.m. ein Barometer-Maximum beobachtet, und 
erst nach Ueberschreitung dieser Zone hohen Drucks gelangte (16) in den Be- 
reich unseres Teifuns. 
Die Beobachtungen des D, „Malacca“ (25), welcher, nach Hongkong be- 
stimmt, am 29. September Nagasakt verliefs und westlicher als (165 am 
29./30. September und 1. Oktober das Ost-Chinesische Meer in umgekehrter 
Richtung durchfuhr, bestätigen vollkommen die Angaben von (16). 
Hierdurch wird also jede Möglichkeit der Zusammengehörigkeit beider 
Teifune in der vom „Comercio“ angenommenen Weise ausgeschlossen.!) 
Der Verlauf des Teifuns ist in grofsen Zügen nach den vorliegenden 
Beobachtungen folgender: 
Am 25. September befand sich in 25° 27‘ N-Br und 132° 20‘ O-Lg eine 
kleine Depression (747 mm, Durchmesser 100 Sm), welche mit halber Fulsgänger- 
Geschwindigkeit nach N zog. Am 26.—28. wanderte sie, noch immer ganz 
langsam, weiter nach N; ihr Durchmesser hatte jedenfalls bis zum 28. noch 
nicht sehr zugenommen, denn 100 Sm NE vom Centrum wehten ganz leichte 
östliche Winde. Am 29. und 30. September entwickelte sich die Depression 
mit zunehmender Breite und Tiefe zum ausgeprägten Teifun, der vom 1. bis 
3. Oktober Mittags (708 mm) mit furchtbarer Gewalt wüthete und sich während 
dieser Zeit auch etwas schneller vorwärts bewegte. Nach dem Mittag des 
3. Oktober nahm die Geschwindigkeit aufserordentlich schnell zu, und der Luft- 
druck fiel nicht wieder auf einen auch nur annähernd so niedrigen Werth. 
Bei einer ersten Bearbeitung der bis dahin eingegangenen Beobachtungen 
(1) — (32) hatte sich schon mit ziemlicher Sicherheit ergeben, dafs der Teifun 
sich am 29. — 30. September entwickelt haben müsse (s. o.), das zuletzt ein- 
gegangene, wichtige Log (33) bestätigte diese Ansicht vollkommen und ergänzte 
sie in der oben ausgeführten Weise. 
Den Zusammenhang zwischen Tiefen, Breite und Fortbewegung eines 
Teifuns zeigt folgende Betrachtung. 
‚Jeder atmosphärische Wirbel bedarf zu seinem Fortbestehen einer ununter- 
brochenenen Zufuhr von trockener kalter und feuchter warmer Luft. Bei 
Wirbeln von geringer Tiefe, kleinem Durchmesser und relativ niedriger Wind- 
atärke ist das zur fortwährenden Erneuerung nöthige Material, welches die Um- 
gebung zu liefern hat, nicht so schnell erschöpft, als bei solchen mit bedeutender 
Tiefe, grofsem Durchmesser und der höchsten Windstärke, so dafs im Allge- 
meinen gro[se Wirbel schneller voranschreiten müssen als kleine. Dem entsprechend 
hat unser Teifun am 25. September (bei 747 mm Druck und 100 Sm Durchmesser) 
eine Geschwindigkeit von nur 1 Sm; vom 2.—3. Oktober dagegen (bei 710 bis 
715 mm, über 400 Sm Durchmesser) eine fünfmal gröfsere Geschwindigkeit. 
Diese immerhin schon beträchtliche Differenz würde noch bedeutender sein, wenn 
sich nicht das ganze Gebiet des Teifuns besonders zwischen dem 1. und 
3. Oktober auf Kosten der Geschwindigkeit des Centrums so aufserordentlich 
erweitert hätte. 
Sobald aber am 3. Oktober Mittags die der Tiefe der Depression ent- 
sprechende äufserste Wirkungsgrenze erreicht war, eilte der Wirbel, der Japa- 
nischen Strömung folgend, mit unvergleichlich gröfserer Geschwindigkeit als 
vorher nach NE anderen Meerestheilen zu. 
Es lassen sich sehr gut vier verschiedene Epochen unterscheiden: 
1. 25. bis 29. September: Einleiten der Wirbel von geringem Durch- 
messer, geringer Tiefe und Geschwindigkeit, 
1) Die Annahme eines etwaigen Zusammenhangs zwischen unserem Teifun und einem bei 
Sitka am 25. Oktober 1880 wüthenden, von Erdstöfsen begleiteten Wirbelsturme liefse sich erst durch 
geeignete Beobachtungen an Zwischenstationen auf der Strecke Yezo—Sitka rechtfertigen, (S. Engl. 
Wochenschrift „Nature“ vom %25. November 18380.)
	        
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