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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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Die bei den Lothungen auf den unterseeischen Bergrücken erhaltenen 
Grundproben bestanden im Allgemeinen aus Korallensand und todten Korallen; 
in dem tieferen Wasser zu beiden Seiten dieses Rückens war der Grund Ptero- 
poden-Schlamm, bestehend aus einer ungeheuern Anzahl von Pteropoden-Schalen 
von hellbrauner oder Milchkaffee ähnlicher Farbe. 
Die Mona-Passage wurde vollständig ausgelothet; ihre gröfste Tiefe ist 
475m (260 Fad.); die Inseln St. Domingo und Porto Rico hängen unterseeisch 
durch ein Plateau mit einander zusammen, von demselben Charakter, wie die 
der Oberflächengestaltung der letzteren Inseln. Die Lothungen nördlich von 
Grenada ergaben überhaupt, dafs die, die einzelnen Inseln unterseeisch ver- 
bindenden Bergzüge denselben Charakter von Berg und Thal zeigen, als die 
Inseln selbst. Zwischen Martinique und Guadaloupe wurde in der Mitte des 
Fahrwassers ein Berg von nur 73m (40 Fad.) Tiefe unter der Oberfläche auf- 
gefunden, welcher nach allen Seiten steil bis zu mehreren 100m Tiefe herabsinkt. 
Der Boden in der Mona-Passage war sehr hart, und konnten keine 
Grundproben gewonnen werden. Während der Arbeiten (im Mai 1880) wehte 
hier der Wind sehr stark; der Strom setzte westlich von Porto Rico und 
nahe dieser Insel nach Süden, an der Westseite der Passage aber nach 
Norden. 
Von der Mona-Passage bis zur Windward-Passage nördlich von St. Do- 
mingo wurden alle 20 Sm Lothungen gemacht; die durchschnittliche Tiefe war 
über 3660m (2000 Fad.) mit einer Bodentemperatur von 2,5°—2,7°, Der Strom 
setzte bei leichter östlicher Briese nach Westen 1!/a Sm die Stunde. 
Ein sehr gutes Profil wurde während der ersten Kampagne (1878/79) 
auf dem Cuba und Haiti unterseeisch verbindenden Rücken erhalten und in der 
zweiten Kampagne (1879/80) theils bestätigt, theils vervollständigt (s. das hier 
beigegebene Diagramm). 
Das tiefste Wasser auf diesem Rücken war noch nicht 1450m (800 Fad.). In 
einer Tiefe von ca 1300m (700 Fad.) war die Temperatur 4,4°, unterhalb dieser 
Tiefe 4,2°, und diese selbe Temperatur wurde in dem westlichen Theile des 
Caraibischen Meeres in allen Tiefen unterhalb 1300 m und ebenso vom Commander 
Sigsbee im Golf von Mexico angetroffen, ein Beweis, dafs das Wasser bis zu 
dieser Tiefe in beide Meere nur über den erwähnten unterseeischen Rücken ge- 
langen kann. Die Temperaturen aufserhalb dieses Rückens waren in Tiefen von: 
Fad. 800 900 1000 1200 1500 2000 
m 1460 1645 1830 2195 2745 3660 
TSG 742 897 867 7887 31 798 
Auf der Innenseite des Rückens war, bis auf eine Entfernung von 10 Sm 
von ihm, die Temperatur in Tiefen von 1375 bis 3475m (750 bis 1900 Faden) 
und noch weiterhin bis ca 5500m (3000 Faden) 4,2°, 
In der ersten Kampagne (1878/1879) wurden direkt auf dem unterseeischen 
Rücken der Windward- Passage zwischen Cuba und Haiti keine Grundproben, 
mit Ausnahme einiger kleinen Steine, erhalten; unmittelbar aber nachher, 
als das Schiff zur anderen (inneren) Seite des Rückens gelangte, fand man den 
Boden gänzlich aus Pteropodeuschlamm bestehend, In der zweiten Kampagne 
(1879/80) gelang es, direkt auf diesem Rücken in 1300 m (500 Fad.) Tiefe zwei 
Dredschungen zu erhalten, welche von dem Boden eine Menge von hartem 
Korallenfels und zerbrochenen Korallen heraufbrachten. Diese Grundproben 
glichen altem Mörtel und. waren ähnlich dem an dem NW-Ende von Haiti 
aufgefundenen Korallenfels, aus welchem dieser Theil der Insel bis zu den 
Gipfeln der Berge besteht, während das SW-Ende vulkanischer Bildung ist: Die 
Korallenbänke sind, von See aus gesehen, terrassenförmig, ebenso wie die von 
Barbadoes, welche bis 100 m hoch sind. Die zweite Dredschung wurde nahe bei 
Kap Maysı ebenfalls in 1700 m Tiefe gefunden; man erhielt aufser den oben- 
erwähnten Grundproben noch Hunderte von Schalen von Scalpellum regium !) 
(eine Art Entenmuschel). Sie waren schwarz und schienen sehr alt zu sein. — 
1) Vgl. Sir Wyv. Thomson: „Voyage of the Challenger ete. "The Atlantic.“ Vol. II, 
pag. 8, 4 und 7.
	        
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