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Gerade nördlich von Guadaloupe stiegen die Temperaturen plötzlich und
waren bei Montserrat in Tiefen von:
Fad. 100 200 2300 400 500 2600 2700 800
m 183 866 549 732 914 1097 1280 1463
°C 194 139 388 84 7,2 5,6 5,0 4.4
Als wir uns der Anegada-Passago näherten, bemerkten wir eine leichte
Zunahme der Temperatur, welche bei den Mona- und Windward-Passagen
gleich hoch blieb; dieses warme Wasser wird demnächst in den westlichen
Theil des Caraibischen Meeres geführt.
In der Windward- Passage waren die Temperaturen im Mai in Tiefen von:
Fad. 100 200 2300 400 500 2600 2700 800
m 183 366 549 7832 914 1097 1280 1463
SC 20.0 161 117 83 61 50 44° 42
Zwischen Haiti und Jamaica waren die Temperaturen nicht so hoch.
Im Februar war die Oberflächentemperatur einige Grade niedriger, als im Mai,
aber in 200—550m Tiefe waren sie ebenso hoch, als in der Windward-Passage.“
In den Monaten Januar, Februar und März 1879 wehte der Passatwind
in sturmarliger Stärke und hinderte die Arbeiten in beträchtlicher Weise.
Ueber die während dieser Zeit ausgeführten Strombeobachtungen berichtet
Commander Barilett u. A., dafs das Wasser in dieser Zeit durch die Passagen
zwischen den Inseln nicht sehr weit in das Caraibische Meer hinein setzt. Die
Passatwinde stauen das Wasser gegen die Luvseiten der (Windward-) Inseln
auf; nahe an den beiden Enden dieser Inselgruppe setzt der Strom mit großer
Stärke nach Westen; in der mittleren Passage wurde er aber nicht angetroffen.
In den Passagen zwischen den Windward-Inseln wurden grofse Mengen
von Golf- oder Sargasso-Kraut (gulf weed) bemerkt. Ende April sah Bartlett
bei ganz ruhigem Wetter nördlich von Guadaloupe nahe bei den St. Christoph- und
Saba-Inseln dieses Kraut meilenweit in langen stets nach Nord gerichteten
Streifen sich erstrecken, ebenso in der Anegada-Passage und auch noch nördlich
von St, Domingo am 1. Mai, aber keine Spur mehr von ihm südlich von Jamaica
und bei den Pedro- und Rosalind-Bänken im Lauf desselben Monats Mai 1879,
ebensowenig an diesen letzteren Stellen in den Monaten Januar bis April 1880.!)
Bei der Fahrt von Kingston (Jamaica) nach St. Thomas gegen Ende
Dezember 1879 hatte Commander Bartlett ganz eigenthümliche Stromverhält-
nisse vorgefunden. Er berichtet darüber, wie folgt:
„Die Passatwinde wehten sehr stark aus östlicher Richtung, dabei
konnten wir einen östlich setzenden Strom, von 2 Sm die Stunde, gegen Wind
und Seegang, bis zur Mona-Passage konstatiren, und von 1 Sm die Stunde bis
St, Thomas. Der Kapitän eines englischen Telegraphen-Dampfers, welcher drei
Jahre in diesen Gewässern gefahren war, versicherte, dafs er stets diesen öst-
lich setzenden Strom vorgefunden habe. Auf den Wind- und Stromkarten ist
ebenfalls angegeben, dafs der Strom während des Voll- und Neumondes zuweilen
östlich setzt. Nördlich von Gwuadaloupe wurde der Strom in der letzten Hälfte
April nördlich setzend gefunden; als wir Saba-I. verlassen hatten, war der Strom
NNW, ca 1 Sm die Stunde. Auf der Route von St. Christoph nach St. Thomas
bemerkten wir einen Strom, nach Osten 1 Sm die Stunde setzend.“
Die Oberflächen-Temperaturen des Wassers betrugen zwischen Barbadoes
und der Windward-Passage von März bis Mai 26,1—26,7°, bei ruhigem Wetter
am Tage stieg sie sogar bis 27,2°. Im Januar 1880 fanden wir in dem alten
Bahama-Kanal und bei der Windward-Passage die Oberflächentemperatur nur
gleich 24,4°. Weiter nach Westen und mit vorgerückter Jahreszeit nahm die
Temperatur zu, so näher bei den Cayman’s im März bis 25,4°, 26,1° und 26,7°,
und zwischen der Misteriosa-Bank und der Yucatan Passage bis 27,2° und sogar
27,8° im Monat Mai. Auf den Pedro- und Rosalind-Bänken und nördlich von
der Mosquito-Küste war die Temperatur im Februar und März 26,1° und 26,4°,
4) Ueber die Verbreitung des Sargassum vgl. Dr. Otto Kuntze: „Revision von Sargassum
und das sogen. Sargasso-Meer“ in Engler’s Botan. Jahrb., Bd. I (1880), Heft 8, pag. 191—239
and Verh. d. Ges. f. Erdk. zu Berlin, 1881, Heft 2 und 3, pag. 95—98.