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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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durch Nord nach West drehte. In letzterer Richtung hielt der Wind sich dann 
aber nur für ganz kurze Zeit. Derselbe ging in Windstille über, aus welcher 
sich abermals ein zwei Tage andauernder Ostwind entwickelte, Am 4. Juli 
gelangte „Hedwig“ bei mäfsigem NW-Winde zum Meridian des Kap Horn. Die 
Reisedauer betrug damals 39 Tage, und während dieser Zeit war 30° S-Br in 
79,5° W-Lg am 7. Juni, 40° S-Br in 84,1° W-Lg am 15. Juni und 50° S-Br 
in 83° W-Lg am 21. Juni geschnitten worden. 
Im Atlantischen Ocean wehten zunächst ziemlich kräftige nordwestliche 
Winde. Nördlich von 50° S-Br war die Richtung der dort angetroffenen 
mäfsigen Winde eine ziemlich veränderliche; nicht selten wechselten hier nord- 
westliche Winde mit südwestlichen, auch waren Ostwinde nicht selten. Die 
beständig aus hoch nördlicher Richtung wehenden, südlich vom Passatgebicte 
so gewöhnlich auftretenden Winde traf „Hedwig“ zwar anch an, doch waren 
sio nicht von langer Dauer, wehten nur aus nordnordwestlicher Richtung und 
gingen nicht durch NE allmählich in den Passat über, sondern veränderten sich, 
westlich laufend, durch Süd nach SE zum Passat, ohne dafs vorher Windstille 
oder Mallung eintrat. In der Nähe von 23,3° S-Br in 29° W-Lg, wo der 
Luftdruck 767,4mm betrug, schien die polare Passatgrenze zu liegen, Frischer 
Passat führte „Hedwig“ dann in kurzer Zeit zum Aequator, und am 4. August 
ging die Bark in 28,9° W-Lg zur nördlichen Halbkugel über. Es war die 
Strecke zwischen Kap Horn und Linie in 31 Tagen zurückgelegt worden. Auf 
derselben hatte man 50° S-Br in 48° W-Lg am 9. Juli, 40° S-Br in 39,3° W-Lg 
am 16. Juli, 30° S-Br in 32,4° W-Lg am 23. Juli, 20° S-Br in 28,9° W-Lg 
am 28, Juli und 10° S-Br in 28,6° W-Lg am 1. August gekreuzt. 
Nördlich vom Aequator wurde bis nach 8° N-Br in 27,4° W-Lg frisch 
wehender beständiger SE-Passat angetroffen, Derszelbe wurde allmählich flauer, 
als diese Breite überschritten worden war, hielt jedoch bis nach 9,5° N-Br an. 
Erst in dieser Breite drehte der zum leisen Zuge herabgesunkene Wind durch 
Süd nach West, Westlicher Monsun wurde gar nicht angetroffen, sondern es 
wurden an dessen Stelle leichte veränderliche westliche und nordöstliche Winde, 
seltener Windstille, beobachtet. Unweit 14,6° N-Br in 28,7° W-Lg, wo der 
niedrigste bis dahin nördlich vom Aequator beobachtete Luftdruck herrschte, 
setzte schlielslich frischer NE-Passat ein. Als mit demselben 24° N-Br erreicht 
worden war, wurde derselbe schwächer, doch erstreckte er sich, als flaue Briese 
wehend, ganz bis nach 35° N-Br in 37,8° W-Lg. In geringer Entfernung von 
diesem Punkte, wo der Luftdruck auf 769,5mm gestiegen war, drehte der ganz 
leichte Wind durch Süd nach West. Bei mäfsigen Westwinden, die indessen 
noch wiederholt von östlichen Winden unterbrochen wurden, legte „Hedwig“ 
schliefslich den letzten Theil des Weges zurück. Am 12, Septembor befand die 
Bark sich in der Nähe von Lizard. Es waren dann 108 Tage seit dem Antritt 
der Reise verflossen, und von dieser Zeit au hatte man 39 Tage in nördlicher 
Breite verbracht; 10° N-Br war in 27° W-Lg am 9. August, 20° N-Br in 
33° W-Lg am 16. August, 30° N-Br in 36° W-Lg am 21, August und 40° N-Br 
in 33,2° W-Lgy am 2%. August überschritten worden. 
12. Reise des eisernen Bremer Vollschiffes „Julius“, Kapt. H. B. Meentzen. 
Am 19. September 1880, dem vierten Tage nach dem Antritt einer Reise 
von Liverpool nach Galveston, befand sich das mit Salz beladene Vollschiff 
„Julius“ in der Nähe von 50° N-Br. Bei mäfsigen, sehr veränderlichen west- 
lichen und südöstlichen Winden gelangte man von hier aus bis zum 7. Oktober 
nach 29° N-Br in 19,3° W-Lg. Hier drehte bei einem Lufidrucke von 760,3mm, 
der am nächsten Tage auf 763,1mm stieg, der Wind von NW durch Nord nach 
NE und wurde zum Passat. Man traf im Gebiete desselben später aufser- 
gewöhnlich schwachen Wind, und war deshalb in der Folge der Verlauf der 
Reise ein sehr langsamer, Störungen des Passats wurden nicht beobachtet. 
Am 30. Oktober passirte „Julius“ den zwischen Guadeloupe und Antigua liegen- 
den Kanal, und am 4. November befand das Schiff sich in Sicht der kleinen, 
an der Südspitze Domingo’s liegenden Insel Alta Vela, Man fand den Passat 
im Caraibischen Meer etwas kräftiger, als man denselben im offenen Ocean 
beobachtet hatte, und nachdem bei demselben die Windward-Passage durch- 
segelt worden war, führte er das Schiff bis zum 11. November zur Westspitze
	        
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