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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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verlor dann aber im ferneren Verlaufe der Reise noch bedeutend, Im Atlantischen 
Ocean verfolgte „Constantia“ bei den dort angetroffenen Ostwinden zuerst einen 
nördlicheren Kurs, als wie der Mitsegler es that, und erreichte daher 30° N-Br 
in 78,9° W-Lg am 7. Februar, Später hielt „Constantia“ sich etwas südlicher, 
und verlor dort infolge ungünstigerer Verhältnisse an Länge. Als bei „Con- 
stantia“ am 22, Februar der Wind durch Nord nach NNE drehte, ein Vorgang, 
der an demselben Tage auch bei „George Washington“ erfolgte, stand jenes 
Schiff in 42,6° N-Br und 37,1° W-Lg, während dieses sich schon in 46,2° N-Br 
und 28,4° W-Lg befand. Am 2, März, als bei dem in 48,3° N-Br und 22,1° W-Lxg 
stehenden „George Washington“ der mäfsig starke Wind von SE durch Süd nach 
SW lief, lag „Constantia“, hei welcher das Barometer auch auf 733,6mm ge- 
fallen war, beigedreht vor NE-Sturm in Stärke 9, Drei Tage hindurch beob- 
achtete man dann auch bei „Constantia“ den so anhaltend niedrigen Barometer- 
stand, und während dieser Zeit setzte, nachdem der allmählich abflauende Ost- 
wind in Stille übergegangen war, leichter westlicher Wind ein, welcher allmählich 
auffrischend „Constantia“ bis zum 10, März in die Nähe von Lizard führte. Die 
Reisedauer betrug 47 Tage. Während dieser Zeit war 70° W-Lg in 34,8° N-Br 
am 12, Februar, 60° W-Lg in 37,4° N-Br am 15. Februar, 50° W-Lg in 39,5° 
N-Br am 18. Februar und 30° W-Lg in 46,5° N-Br am 26. Februar geschnitten 
worden. 
9. Reise des Bremer Vollschiffes „Hedwig“, Kapt. Th. Minssen. 
Am 23, Oktober 1880, nur drei Tage nach der Abfahrt von der Elbe- 
Mündung, verliefs bei stürmischem Ostwinde das nach New-York bestimmte 
Vollschiff „Hedwig“ den Kanal. Im Atlantischen Ocean wehten die Winde 
auch fast nur aus günstiger Richtung. Der, am 26. Oktober unweit 49,5° N-Br 
und 17° W.Lg, für kurze Zeit nach SW gekrimpte Wind lief, nachdem das 
innerhalb 24 Stunden um 26mm gefallene Barometer mit 732,5mm seinen 
niedrigsten Stand erreicht hatte, durch Süd nach Ost und NE zurück, trat für 
einige Wachen als Sturm auf und herrschte nachher für längere Zeit ganz un- 
gestört, Schon am 3. November, also nur 11 Tage nachdem man vom Kanal 
abgegangen war, befand „Hedwig“ sich auf der Neufundland-Bank; am 7. No- 
vember hatte das Schiff 63° W-Lg erreicht. Auf dem letzten Reiseabschnitte 
wurden dann die ersten längere Zeit anhaltenden Westwinde angetroffen. Da 
indessen auch hier noch Ostwinde vorkamen, gelang es doch, am 17. November 
die Bai von New- York zu erreichen. Die, auch durch Stürme nicht sehr er- 
schwerte Reise war in 25 Tagen zurückgelegt worden. Während derselben 
hatte man 30° W-Lg in 47,2° N-Br am 29. Oktober, 50° W-Lg in 43,7° N-Br 
am 3. November, 60° W-Lg in 42,2° N-Br am 6. November und 70° W-Lg in 
40° N-Br am 14. November gekreuzt. 
Gegen diese so befriedigende Reise der „Hedwig“ verlief eine gleich- 
zeitig, aber auf der Nord um Schottland führenden Route vom Mitsegler „von 
Berg“ ausgeführte, in äufserst unvortheilhafter Weise. Diese, auch von Hamburg 
nach New-York bestimmte Bark verliefs die Mündung der Elbe schon am 
7. Oktober 1880, und steuerte dann bei dem zur Zeit wehenden frischen Ost- 
winde Kurs für Fair Island. Auf dem Wege dahin begann der vorher niedrige 
Luftdruck bald zu steigen, der Wind wurde dementsprechend flauer, und als 
unweit 57° N-Br das Barometer auf 772,0mm gestiegen war, war der Wind 
zum leisen nördlichen Zuge herabgesunken. Die Bark befand sich damals an 
der östlichen Seite eines über Grofsbritannien liegenden Gebietes hohen Luft- 
druckes, welches nördliche und nordwestliche Winde in der Nordsee und west- 
liche Winde im Norden von Schottland verursachte. Zwar veränderte sich dieses 
Luftdruck verhältnifs nach wenigen Tagen, aber die ungünstigen, jetzt meist 
nordwestlichen Winde hielten an, und nicht eher als am 28. Oktober, an welchem 
Tage die am 20. Oktober ihre Reise antretende „Hedwig“ schon in 25° W-Lg 
stand, gelangte „von Berg“ in die Nähe von Fair Island. Wenig besser als 
dieser erste Theil der Reise verlief der zweite über den Atlantischen Ocean 
führende. Am 3. Januar 1881, nach 67tägiger durch Stürme sehr erschwerter 
Fahrt von Fair Island ab, wurde in der Bai von New- York geankert. 
Bedeutend günstiger als diese Reise des „von Berg“ verlief auch die von 
der mitsegelnden Brigg „Hermann Friedrich“ gleichzeitig auf der Passatroute
	        
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