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6. Reise der Bremer Bark „6, F. Muntz‘“, Kapt. H. Stenzel.
Die auf einer Reise von Newport nach Hongkong begriffene Bark
„G. F. Muntz“ überschritt am 22, Dezember 1879 den Parallel von 50° Nord.
Es wehte hier damals, bei dem ungewöhnlich hohen Barometerstande von
780 mm, ein leichter südwestlicher Wind, welcher längere Zeit anhielt und nur
sehr langsamen Fortgang nach Süden ermöglichte. Der fast fortwährend
unverhältnifsmäfsig hohe Luftdruck und die südlichen Winde zeigten das Vor-
handensein eines über dem südwestlichen Theile Europas liegenden Maximums
an, an dessen westlicher Seite die Bark sich befand, wo, wie es den Ver-
hältnissen entsprach, keine Aussicht auf das Antreffen eines günstigen Windes
war. Als man südlich von 37° N-Br gekommen war, nahm der Luftdruck zwar
ab, doch trat auch dann noch keine Veränderung zum Bessern ein.
Unweit 34,5° N-Br trieb die Bark fast 2 Tage in Windstille, welche erst
endete, als leichter östlicher Wind durchkam. Leider hielt dieser Wind nicht
lange an, es folgte auf ihn schon nach ganz kurzer Zeit wieder südlicher und
güdwestlicher Wind, durch den das Schiff jetzt unerwünscht weit nach Osten
und später zur Einschlagung der Ost von den Kap Verde-Inseln liegenden,
ainer anscheinend für diese Zeit des Jahres nicht empfehlenswerthen Route
gedrängt wurde, Am 23. Januar ging in etwa 25,7° N-Br und 17,7° W-Lg
der zuletzt aus nordwestlicher Richtung wehende Wind in Stille über, auf
welche nach kurzer Zeit, bei einem Luftdrucke von 763,8 mm, nördlicher
allmählich auffrischender Wind, der Passat, folgte. Vom letzterwähnten Punkte
aus durchsegeolte die Bark die zwischen 23° und 11,5° N-Br liegende Strecke
dann bei sehr frischem Winde. Südlich von 10,5° N-Br wurde der nordöstliche
Wind ganz flau und hielt in dieser Weise bis nach 6° N-Br in 23,4° W-Lg
an. In der Nähe dieses letzteren Punktes fand man am 2. Februar Mallung
and Stille, und wenn jene auch meistens noch nördliche Richtung hatte, so war
der Fortschritt nach Süden hin doch von jetzt an nur ein sehr langsamer,
Am 6. Februar wurde unweit 2° N-Br in 23,3° W-Lg leichte südöstliche Briese
angetroffen, die in dieser Weise anhaltend wehte und den „G. /F. Muntz“ am
8. Februar in 26,8° W-Lg über den Aequator führte. Um diesen Punkt von
50° N-Br aus zu erreichen, waren 48 Tage erforderlich gewesen, und es hatte
die Bark auf dieser Strecke 40° N-Br in 13,2° W-Lg am 4. Januar 1880,
30° N-Br in 20° W-Lgy am 18. Januar, 20° N-Br in 20,6° W-Lg am 25. Januar
und 10° N-Br in 22° W-Lg am 29. Februar geschnitten.
Südlich von der Linie ging der leichte SE-Wind noch ganz wieder in
Stille über, und wurde erst in der Nähe von 1,3° S-Br und‘27° W-Lg der
eigentliche Passat angetroffen. Derselbeu herrschte später aber überall nur in
geringer Stärke und ermöglichte nirgendwo einen bofriedigenden Fortgang.
Ungewöhnlich weit südlich mufste man gehen, bevor die polare Passatgrenze
erreicht wurde, Unweit 32° S-Br in 23,8° W-Lg drehte bei einem Luftdrucke
von 765,7 mm — in 28° S-Br hatte derselbe 768,4 mm betragen — der Wind nach
NE, frischte dann auf und führte, sich stetig in hoch nördlicher Richtung
haltend, die Bark in rascher Fahrt zum Meridian von Greenwich. Am 4. März
wurde derselbe in 39,4° S-Br überschritten. Es waren bis dahin 25 Tage in
südlicher Breite zugebracht und dort 10° S-Br in 31,1° W-Lg am 14. Februar,
20° S-Br in 831,2° W-Lg am 19, Februar und 30° S-Br in 26,5° W-Lg am
24. Februar geschnitten worden.
Ganz aufsergewöhnlich ungünstige Verhältnisse traf der „G&. F. Muntz“
beim Ablaufen der Länge. Man führte dasselbe in der Nähe von 42° S-Br
aus; beobachtete dort aber anstatt der erwarteten durchstehenden Westwinde,
vorwaltend östliche Winde, selbst Windstille und Mallung, und konnte aus
diesem Grunde der Fortgang des Schiffes nur ein sehr langsamer sein.
Der diese Verhältnisse verursachende Luftdruck war meistens ein
nnverhältnilsmäfsig hoher. Bei längere Zeit wehendem leichten Nordwinde zeigte
das Barometer beständig mehr als 770 mm, stieg sogar unweit 42° S-Br und
66° O-Lg auf 774,0mm. Am 1. April erreichte „G. F, Muntz“ in 38° S-Br
den Meridian von 80° Ost. Es waren bis dahin 28 Tage verflossen, seit man
den Meridian von Greenwich überschritten hatte.