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In Gemäfsheit diesor Bestimmungen sind die beiden Gang-Tabellen von
Herrn Ambronn entworfen und die Chronometer ihrer Reihenfolge nach ge-
ordnet worden. Die Maximal- und Mivimal-Gänge sind in Tabelle II bei den
einzelnen Chronometern in den Dekaden-Rubriken durch ein Steruchen (*) be-
zeichnet und aufserdem auf die nächsten Zehntheile der Sekunde abgerundet,
in Kolumne A dieser Tabelle in ihrer Gesammtwirkung — gröfster Gang minus
kleinster Gang — angegeben, während die Zeiten der gröfsten auf einander
folgenden Schwankungen in den Dekadengängen in Tabelle I für die ver-
schiedenen Chronometer zwischen zwei neben einander befindlichen Dekaden-
Rubriken durch ein Kreuz (+) bemerkt, und die Beträge selbst in Tabelle 1I
unter Kolumne B, gleichfalls auf Zehntelsekunden abgerundet, normirt sind.
Der Einblick in die Gang-Tabellen läfst sofort erkennen, dafs die beiden
mit No. 1 (W. Bröcking No. 976) und No. 2 (W, Bröcking No. 887) bezeichneten
Chronometer sich vor den anderen Uhren erheblich auszeichnen, und dafs das
Verhalten derselben während der Konkurrenz von „ausgezeichneter Güte“
gewesen ist. Namentlich scheint bei No. 1 die Ausführung der Kompensations-
vorrichtungen gelungen zu sein, und ist die Gröfse des noch übrig bleibenden
Betrages A + 2B auf eine vorhandene geringfügige Acceleration, mit der die
Uhr noch behaftet war, wesentlich mit zurückzuführen.
Als gleichfalls von „ausgezeichneter Güte“ darf Chronometer No. 3
(Th. Knoblich No. 2008) bezeichnet werden. Es folgen hierauf die drei Chrono-
meter No. 4, 5 und 6 mit den charakteristischen Zahlenwerthen 42,3—45,0 Se-
kunden, denen das Prädikat „von besonderer Güte“ zukommen darf,
Als „recht gut“ und „gut“ sird ferner die Chronometer No. 7—11
mit den charakteristischen Zahlenwerthen 48—56 Sekunden zu bezeichnen, bei
denen die Maximalschwankung im Gange von einer Dekade zur nächsten
(Betrag B) sich nahezu gleich bleibt, während der mit der Einwirkung der
Aecceleration noch behaftete Kompensationsfehler (Betrag A) die Reihenfolge
hier bestimmt.
Die jetzt folgende letzte Gruppe umfalst die Chronometer No. 12—35;
während die ersten derselben bis No. 23 noch als „brauchbar“ bezeichnet
werden dürfen, zeigen sich bei den letzten die Einwirkungen einer mangelhaften
Kompensation, verbunden mit anderen Fehlern und starker Acceleration, in
stetiger Zunahme begriffen, und es müssen die letzten dieser Uhren als in ihrer
Konstruktion verfehlt und für die Zwecke der Schiffahrt unbrauchbar bezeichnet
werden.
So haben einige der Chronometer des Fabrikanten Ekegren ihre tiefe
Stelle dadurch erhalten, dafs in ihnen die Balancen, wie sich nach Auseinander-
nehmen der Uhren seitens des Fabrikanten herausgestellt hat, ziemlich stark
magnetisch waren.
Von der Kaiserlichen Admiralität wurden, da für den Augenblick ein
grösserer Bedarf an Chronometern seitens der Marine nicht vorhanden ist, zu-
nächst die Uhren Bröcking No. 976 zu AM 1500, Bröcking No. 887 zu
AM 1200, Kuoblich No. 2008 und Nieberg No. 701 zu je AM 900 angekauft.
Auch seitens mehrerer wissenschaftlicher Institute stehen durch Vermittelung der
Abtheilung IV Ankäufe aus der Zahl der besseren Chronometer in nächster
Aussicht.
Schliesslich kann ich nicht umhin, meine Ansicht dahin auszusprechen,
dafs die zu dieser letzten Prüfung eingelieferten Chronometer an durchschnitt-
licher Güte gegen die in den Vorjahren zur Konkurrenz gekommenen Uhren
um ein Geringes zurücktreten. Die Ursache scheint vor Allem in den gegen-
wärtigen Verhältnissen des Seehandels zu liegen, da durch das allgemeine Dar-
niederliegen der Segelschiffahrt ein wesentlich geringerer Bedarf an Chronometern
eingetreten ist, welcher einzelne Fabrikanten veranlasst hat, sich anderen Zweigen
der Uhrenfabrikation mehr zuzuwenden, sowie davon Abstand zu nehmen, eine
grössere Anzahl längere Zeit hindurch beobachteter Chronometer auf Lager zu halten,
Hamburg, Juni 1881.
Geovurge Rümker.