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dieses Jahres der Dampfer zwischen den Häfen von Shanghai und Tientsin sind
durch ganz ungewöhnliche Witterungs- und Eisverhältnisse, welche seit Beginn der
Schiffahrt zwischen diesen Handelshäfen noch niemals auf dieser Route (zwischen
31°—39° N-Br) im Frühjahr angetroffen worden sind, aufgehalten worden.
Den „Nort China Daily News“ vom 24, März 1881 entnehmen wir nach-
stehende Angaben:
Den ausführlichsten Bericht über diese Vorkommnisse hat Kapitän
Patterson, Führer des Dampfers „Pautah“, erstattet. Dieses Schiff verliefs
Shanghai, nach Tientsin bestimmt, am 3, März 4'/,* p. m., mufste aber schon,
wegen starken NE-Windes und regnerischen dicken Wetters um 6" 20" p. m.
aufserhalb Woosung zu Anker gehen. Am andern Morgen (März 4) setzte
„Pautah“ die Reise bei noch immer stürmischem NE-Winde fort.
Am 5. März wuchs der Sturm aus NE, und der Seegang nahm zu; in der
Nacht vom 5. zum 6. März sank die Temperatur bis zu —5,6°, bei einem sehr
heftigen Schneesturm. Das Wasser auf Deck und am Schifiskörper gefror zu
Eismassen; das Deck erschien wie eine einzige feste Eismasse, und die Anker
und Ketten vom Schiff schienen wegen des sie umgebenden Eises zweimal so
grofs zu sein. Das Schiff bewegte sich inmitten von Eismassen mit bedeutend
verminderter Fahrgeschwindigkeit bis in die Nähe der Taku-Barre am 8. März.
An manchen Stellen war das Eis so fest, dafs die Passagiere des Schiffes sich
frei auf ihm bewegen konnten; einige der von dem Schiffe durchbrochenen
Eisstücke waren 380 mm (15 engl. Zoll) dick. Erst am Nachmittag des 8, März
wurde das Eis in der Nähe der Taku-Barre so dünn, dafs es die Fahrt nicht
mehr hinderte. Am 10. März passirte der „Pautah“ als erstes Schiff der
Saison von 1881 diese Barre. Bei dem Zollhause von Takw war das Kis
wieder so stark, dafs das Schiff zwei Tage gebrauchte, um dieses, nur auf einer
Strecke von 14 Sm, durchbrechen zu können. Am 13. März wehte ein NW-
Sturm, welcher die Fahrt sehr hemmte; der Wind war sehr kalt, die Tempe-
ratur betrug —6,7° und bei den Versuchen, das £is zu durchbrechen, erhielt
das Schiff 5 Löcher in den Seiten nahe der Ladelinie. Weiter stromaufwärts
wurde das Eis dünner, und die letzten wenigen Seemeilen konnte das Schiff
mit voller Fahrt zurücklegen; am 13. März 5* 30” p. m. ankerte „Pautah“ auf
der Rhede von Tientsin, Am 15. März 8° p. m. kamen die ersten 3 Schiffe
der Flottille von 11 Dampfern, die ebenso von Sturm und Eis aufgehalten
waren, zu Zientsin an.
6. Dauer der eisfreien Zeit, Aufgang und Zugang der Newa.
Der Direktor des physikalischen Central-Observatoriums zu St. Petersburg, Dr.
H. Wild, hat in der kürzlich veröffentlichten Zweiten Hälfte der Temperatur-
Verhältnisse des russischen Reiches u. A. pag. 280 einige werthvolle
Angaben über die Anzahl der Tage in jedem Jahre (von 1706 bis 1879) vom
Aufgange der Newa bis zur bleibenden Eisbedeckung derselben gemacht, aus
welchen wir hier folgende im Auszuge hervorheben,
Für den 174 jährigen Zeitraum von 1706 bis 1879 (Tabelle 5 a. a. CS
ergiebt sich zunächst, dafs die Newa im Mittel 218 Tage (genauer 217,9
eisfrei ist, und zwar vom 21, April bis 26. November. Die gröfste Dauer der
eisfreien Zeit war 279 Tage im Jahre 1822, vom 19. März bis 22: Dezember;
die geringste Dauer 172 Tage im Jahre 1852, und zwar vom 11. Mai bis
29. Öktober. Die Daten für die einzelnen Jahre deuten auf eine Kälteperiode
von 1793 bis 1819 hin, innerhalb welcher die Summe der geringsten jährlichen
Anzahl von eisfreien Tagen zu konstatiren war, unterbrochen durch eine kurze
and wenig intensive Wärmeperiode von 1793 bis 1802. Diese Kälteperiode,
genauer von 1779 bis 1818, also von 39 Jahren, hat H, Wild aus der von ihm
a. 8. O. pag. 276 zusammengestellten Tabelle des säcularen Ganges der Jahres-
mittel der Temperatur von St, Petersburg nachgewiesen!) und zwar mit zwei
tiefen Minima in den Jahren 1784 und 1810 (1,3° unter der jährlichen Normal-
Temperatur von St. Petersburg, welche Wild aus den, 128 Jahre [1752 bis 1879]
1) Dieser Kälteperiode ging eine bis 1763 reichende Wärmeperiode von 16 Jahren voran, und
folgte ihr eine zehnjährige ebensolche (von 1819 bis 1828) und eine zweite Periode niedrigerer Tem-
peratur (bis 1840) als die normale; von 1840 bis 1879 hielt sich die Temperatur durchschnittlich
über der normalen. Eine Beziehung dieser Perioden zu den Sonnenfleckenperioden hat Wild nicht
auffinden können (Val. 8. a. O. pag. 277.)