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Ein Schiff, welches mit einem nördlichen Sturm vor den Hafen kommt
und nicht von dem allzeit bereit liegenden Schleppdampfer sogleich in das Tau
genommen wird, sollte beide Anker fallen lassen und viel Kette geben; dann ist
e8 so gut wie sicher, dafs es nur mit Verlust von Anker und Ketten glücklich
in den Hafen kommen wird. Hat das Schiff kein ausgezeichnetes Schlepptau
an Bord, so sollte es lieber dasjenige des Dampfers nehmen und nicht früher
die Ketten schlippen, als bis sich der Kapitän überzeugt hat, dafs der Dampfer
das Schiff zu schleppen im Stande ist. Sobald sich das Schiff zwischen den
Molen befindet, wird der andere Dampfer „ Vigilant“ ihm zum Stoppen von
achtern ein Tau abnehmen.
Der Schlepplohn beträgt in solchen Fällen nicht mehr, wie unter gewöhn-
lichen Umständen. Wäre ein Schiff in den Downs in einer ähnlichen Lage,
so würde ein Schleppdampfer für dieselbe Dienstleistung, die hier nur einige
Pfund Sterling kostet, einige hundert Pfund verlangen und auch erhalten. Dafür
müssen aber hier alle Schiffe Dampfergeld bezahlen, auch wenn sie in den Hafen
einsegeln und den Dampfer nicht gebrauchen. Die Schleppdampfer werden
von Lotsen befoehligt, deren Muth und Kaltblütigkeit hohe Anerkennung
verdient.
Westlich vom Hafen ist der Strand steinig, und würde ein daselbst ge-
strandetes Schiff im Sturm in kurzer Zeit zertrümmert werden.
2. Hafen von Doboy im Staate Georgia, Vereinigte Staaten von Amerika.
Dieser Hafen liegt ungefähr in 31° 22’ N-Br und 81° 20‘ W-Lg.
Die Wassertiefe auf der Barre vor dem Doboy-Sund betiägt bei Spring-
finthen höchstens 22 Fuß (6,6m), bei Nippfluthen 18 Fufs (5,4m), bei starken
anhaltenden Westwinden jedoch erheblich weniger. Schiffe mit mehr als 18'/
oder höchstens 19 Fufs Tiefgang sollten nicht hierher befrachtet werden, denn
sie riskiren einmal, 2 bis 4 Wochen auf die Gezeit warten zu müssen, zum
anderen setzen sie sich der Gefahr aus, beim Ausgehen auf die Barre zu stofsen,
was nicht jedes Schiff vertragen kann. Ein deutscher Kapitän erzählte mir,
dafs sein Schiff auf der letzten Reise mit nahe 20 Fuls (6m) Tiefgang, bei
Springfluth, so auf die Barre gestofsen hätte, dafs die Masten schüttelten. Die
Wassertiefe auf der Barre ist veränderlich und das Fahrwasser mangelhaft
ausgetonnt.
Der Schlepplohn war im vorigen Jahre infolge einer mit grofser Er-
bitterung geführten Konkurrenz zu einem so niedrigen Satze heruntergedrückt,
dafs die Dampfer nicht mehr dabei bestehen konnten. Für 25 Dollar wurden
mitunter die gröfsten Schiffe eingeschleppt. In diesem Jahre (1881) vereinbarten
die Eigenthümer der verschiedenen Schleppdampfer einen gleichmäfsigen Tarif,
den sie sich gegen Strafe im Nichtbefolgungsfalle einzuhalten verpflichteten,
Nach demselben beträgt der Schlepplohn einkommend 12'/2 Cts. und ausgehend
20 Cts. für jede Tonne der Grofs-Tonnage des geschleppten Schiffes. Wird
der Schleppdampfer in ciner gröfseren Entfernung aufserhalb der Aufsentonne
engagirt, so wird sich der Führer desselben bemühen, neben den tarifmäfsigen
121 Cıs. noch einen Extraschlepplohn herauszuschlagen. Sträubt sich jedoch
der Kapitän des zu schleppenden Schiffes, dies zu bezahlen, so wird jener sich
in den meisten Fällen auch mit der einfachen Taxe begnügen. Wir waren
noch 10 Sm aufserhalb der Barre, als der Schleppdampfer uns ins Schlepptau
nahm‘ und für den einfachen Tarif bis nahe an unseren Ballastlöschplatz
brachte. Unter den drei vorhandenen Schleppdampfern hat nur „Christian City“
eine kräftige Maschine. Die anderen beiden können ein Schiff von 600 bis
900 Tonnen schwerlich gegen starke Briese vorwärts bringen.
Es ist ein grofser Uebelstand, dafs fast alle Schiffe, welche ab Doboy
befrachtet werden, sich verpflichten müssen, den Stauer des Abladers zu nehmen.
Diese Mafsregel hat den Nachtheil, dafs eine freie Konkurrenz unter den Stauern
unmöglich gemacht wird. Der Stauer hat nur nöthig, den Ablader zu befriedigen,
der ihm die Stanung des Schiffes besorgte, und die Normirung des Stauerlohns,
welcher unverhältnilsmäfsig hoch ist, steht somit ganz im Belieben dieser beiden
Leute. Ein Stauermeister verdient bei einem Schiffe von 500 Registertonnen,
welches er in 10 Tagen beladet, durchschnittlich wenigstens 300 Dollar für
seine Person allein. Dafs die Ablader ein ganz specielles Interesse haben, für