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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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Aus den Reiseberichten S. M. Aviso „Loreley“, 
Kapt.-Lieut. von Wietersheim. 
ı. Einige Bemerkungen über das Erdbeben auf Chios im 
April 1881. 5. M, Aviso „Loreley“, Kapt.-Lieut. von Wietersheim, hatte 
im Auftrage der Deutschen Regierung den durch das Erdbeben von Uhios am 
3. April so schwer heimgesuchten Bewohnern dieser Insel und denen der Stadt 
Tschesme auf dem gegenüberliegenden Festlande von Kleinasien, im Verein mit 
einigen Schiffen der englischen, französischen und amerikanischen Marine, von 
Uonstantinopel aus schleunige Unterstützung durch Lebensmittel und ärztliche 
Hülfe gebracht und war nach 28stündiger Fahrt in der Nacht vom 9. zum 
10. April auf der Rhede von Kastro auf Chios angelangt. 
Die von dem Kaiserlichen Botschafter zu Constantinopel dem Komman- 
danten der „Loreley“ für die Unterstützung der Nothleidenden zur Verfügung 
gestellte Summe von 3000 M. verwendete derselbe, nach gewonnener Kenntnils 
der Sachlage, dazu, einer Anzahl von ärmeren Familien, deren Häuser durch 
die Erdstöfse vom 3, April ganz oder zum gröfsten Theile zerstört waren, 
— von 4000 Häusern der Stadt Kastro waren vielleicht nur 2 oder 3 noch 
bewohnbar geblieben, — geeignete Unterkunftsräume zu beschaffen, und zwar 
in Form von hölzernen Baracken, 10 an der Zahl, an zwei Orten aufserhalb 
der Stadt Kastro, mit weils gekalkten Wänden und gedichteten und getheerten 
Dächern. Awm 27, April konnten diese von 30 Familien mit 173 Personen be- 
zogen werden. Auch in dem südlichen Theile der Insel, welcher durch das 
Erdbeben gleichfalls sehr stark gelitten hatte, wurden durch die „Loreley“ noch 
4000 Planken zu Baracken hin befördert, aufserdem noch mehrere Kisten mit 
Medikamenten und Bekleidungsstücken. Am 28, April Abends verliefs die „Loreley“ 
Kastro und langte am Morgen des 830. April wieder in Constantinopel an. 
Kapt.-Lieut. von Wietersheim hat bei seinem Aufenthalt auf der Rhede 
von Kastro Gelegenheit gefunden, einige sehr interessante Beobachtungen über 
die von ihm wahrgenommenen Erdstöfse anzustellen und Erkundigungen über 
die geologischen Verhältnisse der Insel Chios und die Erdstöfse vom 3. bis 
10. April einzuziehen. 
Wir theilen hier das Wesentlichste aus seinem Borichte mit, nach Voran- 
schickung einiger Bemerkungen, welche der von der griechischen Regierung 
nach Chios zur Vertheilung von Lebensmitteln und Geld, sowie zur Anstellung 
von wissenschaftlichen Beobachtungen abgesendete Professor der Chemie Dr. 
A. Christomanos aus Athen in einenr Artikel über dieses Erdbeben in der 
„Augsb. Allg. Zeit.“ vom 4. Mai d. J. veröffentlicht hat, 
„Am 3. April, 1* 47” p.m., erfolgte ohne vorheriges oder gleichzeitiges 
Getöse eine fast unmerkliche Erschütterung und nach einer Pause von 4 bis 
5 Minuten ein zweiter vertikaler Stofs, welcher von einer horizontalen Bewegung 
von Süd nach Nord von fast 2 Sekunden Dauer begleitet war; dieser Stols 
bewirkte schon mehrere Häusereinstürze, der stärkste und die ganze Stadt 
Kastro zerstörende Stofs erfolgte zwei Minuten nach dem zweiten, und zwar 
mit donnerartigem furchtbarem Getöse; er dauerte länger, als die vorhergehen- 
den, ca 7 Sekunden; die Erde bewegte sich in starken, unaufhörlich und nicht 
schnell auf einander folgenden Schwankungen von Süd nach Nord, die Häuser und 
Umfassungsmauern der Gärten erzitterten bis in ihre Grundvesten und stürzten 
zu formlosen, mehrere Meter hohen Schutthaufen zusammen, und als zum Schlufs 
die Bewegung der Erdbebenwelle die Richtung von Ost nach West in drei 
heftigen auf einander folgenden Schwingungen annahm, fielen fast alle Häuser 
der Stadt, sowie sehr vieler Ortschaften der Insel zusammen. 
Diese drei ersten, in kurzen Zwischenzeiten auf einander folgenden Stöfse 
kann man als drei Phasen einer und derselben Erderschütterung betrachten. 
Ein zweiter Hauptstofs ereignete sich um 2* 5" p.m. und ein dritter um 3" p.m., 
sodann bis zum anderen Tag etwa 80 mehr oder minder heftige.“ !) 
Soweit der Bericht von Prof. Christomanos. 
1) Nach dem Bericht des Kapt.-Lieut. von Wietersheim ist in den Antimonbergwerken 
von Keramo im Norden der Insel das Erdbeben vom 3. April nur sehr wenig gefühlt worden:
	        
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