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für die Bestimmung der gesuchten Gröfse zu nchmen.!) Andererseits ist vor-
geschlagen worden,?) sich auf die Verbindungen des anfänglichen Chronometer-
standes mit jedem der folgenden übrigen Stände, also auf n—1 Gleichungen zu
beschränken, dann aber die Zwischenzeiten angemessen in Rechnung zu nehmen,
um die Endgleichung für den gesuchten Gang zu finden, Aber hierdurch erhielt
der erste Chronometerstand ein nicht berechtigtes Uebergewicht, und andere,
zum Theil stimmfähigere Verbindungen blieben unberücksichtigt. Eine nähere
Untersuchung ergiebt nun, dafs man die letzte Arbeit noch auf die Hälfte,
u D—1 A .
nämlich auf 5 für ein ungerades n, oder auf 3 für ein gerades n reduciren
kann, wenn man sich nur der Schlufsformel bedient, die aus der weiter unten
begründeten vollständigen Auflösung aller A Gleichungen nach der Methode
der kleinsten Quadrate hervorgeht, also frei von den gemachten Einwürfen ist
und genau den obigen Voraussetzungen entspricht. Strenge genommen gilt
diese Formel freilich nur für den am häufigsten vorkommenden Fall von Stand-
beobachtungen bei gleichen Zwischenzeiten, aber sie läfst sich doch sehr ge-
nähert auch auf ungleiche Zwischenzeiten anwenden, wie einige der folgenden
Beispiele ergeben.
Sind nämlich Tı, Te, Ts... Tn die gegebenen Zeiten für die beobach-
teten Stände Sı, Sz, Ss... Sn und soll hieraus der tägliche Gang — g bestimmt
werden, so erhält man bei gleichen Zwischenzeiten den wahrscheinlichsten Werth
von g durch die Formel:
__ (Sn-—$8ı) (Ta—Tiı) + (Sn_1—82) (Tn-1—T2) + (Sn_2—838) (Tn_2— Ts) + ...
8 = "A (Ta a 4 (Ta DE m
also indem man den ersten Stand von dem letzten abzieht und den Rest mit
der zugehörigen Zwischenzeit multiplicirt, ebenso den zweiten Stand von dem
vorletzten, den dritten von dem drittletzten u, s. w. subtrahirt, die Reste zu
Produkten mit den entsprechenden Zwischenzeiten in eine Summe vereinigt
und diese Summe durch die Summe der Quadrate jener Zwischenzeiten dividirt.
Für cin gerades n kommen hierbei alle Stände vor, und zwar jeder nur einmal,
aber für ein ungerades n fällt der mittelste Stand aus, da er bei gleichen
Zwischenzeiten durch die verschiedenen Verbindungen aufgehoben wird. Dies
folgt z. B. für n == 3 schon aus der Vergleichung, daß g = rn und
—Jı
& = tn _ völlig gleich stimmfähige Werthe sind, aus denen das
arithmetische Mittel g = Ya = a ist, und die dritte, durch Sub-
traktion der voneinander entlegensten Werthe erhaltene Gleichung genau das-
selbe giebt, nämlich g = te also an dem Resultate durch den Werth S:
nichts geändert werden kann. Wenn aber die Zwischenzeiten sehr ungleich
wären und die zugehörigen täglichen Gänge nicht unerheblich von einander
abwichen, so hätte man auch hier freilich die vollständige Formel anzuwenden:
__ (Ss—8ı) (T3—Ti1) + (Ss—8S82) (Ts—T?2) + (S2—Sı) (T2—T;)
S = (Ts—T 1)? + (Ts— Te)? + (T2—T1)?
und ebenso für n Standbeobachtungen unter denselben Verhältnissen die ent-
aprechende Formel, worin alle a0 Verbindungen von je zwei Standbeobach-
kungen vorkommen müssen, also der Nenner die Form erhält:
1) Auf diese Weise wurden geeignete Beispiele schon in der älteren Ausgabe des „Lehrbuchs
der Navigation“ von Albrecht und Vierow berechnet. Gewöhnlich hat man sich sonst wohl
mit dem arithmetischen Mittel der aufeinander folgenden Gänge begnügt,
2) Ligowski: Tafeln und Formeln, Kiel 1873, pag. 378. Geleich: 3. Aufl. von Schaub’s
Naut. Astronomie, Wien 1878, pag. 80. Gelcich: „Chronometer-Studien“ in d. Mitth. a. d. Gebiete
des Seewesens, Pola 1878, pag. 516. Marine-Almanach für 1878.