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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

Ueber die Berechnung des wahrscheinlichsten Chronometerganges 
aus einer Reihe von Standbeobachtungen und über Gewichts- 
bestimmungen aus Standunterschieden der Chronometer. 
Von Prof. Dr. @, D. E. Weyer in Kiel. 
(Mit einer Kurventafel.) 
Obgleich der tägliche Gang eines Chronometers schon durch die Beobach- 
tung zweier Stände desselben nach Verlauf von einem oder mehreren Tagen 
bekannt wird, so hat man bei der Wichtigkeit einer möglichsten Sicherheit 
dieser Bestimmung doch immer eine öftere Wiederholung derselben, also eine 
Reihe von Standbeobachtungen für erforderlich erachtet. Die dabei mehr oder 
weniger hervortretenden Unregelmäfsigkeiten in dem täglichen Gange, selbst 
bei einer gleichen oder sehr wenig verschiedenen Temperatur, haben bekannt- 
lich zum Theil ihren Grund in den kleinen Fehlern der Standbeobachtungen, 
wenn diese mit den gewöhnlichsten nautischen Hülfsmitteln ausgeführt werden; 
indessen sind solche Fehler fast als verschwindend anzusehen, wenn die Stände 
aus korrespondirenden Höhen am Lande, aus Zeitball-Beobachtungen oder 
Vergleichungen mit den astronomischen Pendeluhren der Sternwarten erlangt 
wurden, Aber wenn auch der Grund jener Unregelmäfsigkeiten vielmehr in dem 
veränderlichen Gange des Chronometers selbst liegt, und diese Schwankungen 
des Ganges in mannigfaltiger und unberechenbarer Weise nach unbekannten, 
veränd. lichen, kürzeren und längeren Perioden vor sich gehen, so hat doch 
das Streben nach möglichst genauer Kenntnifs des durchschnittlichen täglichen 
Ganges zu einer Berechnung desselben aus allen möglichen Verbindungen von 
je zwei der gegebenen Standbeobachtungen geführt, und man hat dabei folgende 
Voraussetzungen gelten zu lassen sich genöthigt gesehen: 
1. Der bei einer bestimmten Temperatur stattfindende tägliche Gang 
darf während eines angemessenen Zeitraumes als eine konstante Gröfse an- 
gesehen werden. 
2. Dieser durchschnittliche Gang wird um so genauer gefunden, je größer 
die verflossene Zeit zwischen je zwei der beobachteten Stände des Chronometers 
in dem gedachten Zeitraume ist. 
3. Derjenige Werth für den täglichen Gang wird der wahrscheinlichste 
sein, welcher allen möglichen Verbindungen aus je zwei der vorhandenen Stand- 
beobachtungen innerhalb jenes Zeitraums, mit Rücksicht auf die Zwischenzeiten 
im Ganzen am besten genügt. 
Bei einer auch nur mäfsig ausgedehnten Reihe von täglichen Stand- 
beobachtungen würde es aber schon sehr weitläuftig werden, wenn man die 
Anzahl A aller möglichen Verbindungen von je zwei unter den vor- 
handenen n Ständen als Gleichungen in Rechnung nehmen wollte, also z. B. 
10 Gleichungen bei 5 Ständen, 45 Gleichungen bei 10 Ständen u. s. w., während 
das Resultat doch wieder etwas unvollständig würde, indem man sich mit der 
Summirung jener Gleichungen zur Bildung einer Endgleichung begnügte, ohne 
weitere Rücksicht auf die durch die Zwischenzeiten gegebenen Werthe (Gewichte) 
Ann. d. Hydr., 1881. Heft VI (Juni).
	        
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