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3. Beschreibung des Hafens Vohemar und der Ankerplätze bei
Sambava und Antalaha. Ostküste von Madagascar. („Notice Hydro-
graphique“ No. 4, Paris 1881.)
1) Der Hafen von Vohömar*) wird durch eine niedrige, mit Bäumen be-
deckte Landzunge an der Südseite gebildet; an der Nordseite sind Riffe, auf
welchen die See stets brandet. Dicht neben den Riffen findet man flache
Stellen mit kaum 3,8 bis 5m Wassertiefe; um diese zu vermeiden, ist es an-
zuempfehlen, sich unter der Südspitze zu halten, Der Ankerplatz ist sehr gut,
eine Festmachertonne ist für die Schiffe vorhanden, welche daselbst Ochsen
laden; die Schiffe haben nach See zu einen Anker aus und sind hinten an der
Tonne befestigt. Bei heftigen SE-Winden ist die Hafeneinfahrt wegen der
allenthalben befindlichen Brandung schwer zu erkennen. Englische Ochsenhändler
besuchen diesen Hafen häufig. Der hauptsächlichste Handel dieser Gegend
Madagascars besteht in der Ausfuhr von Ochsen; die Einfuhrartikel sind Rum
aus Mauritius, französische Liköre und amerikanische und englische Gewebe.
2) Der Ankerplatz bei Sambava liegt in 14° 16‘ S-Br und hat als Landmarke
zum Ansegeln einen zerklüfteten Berg, in der Form eines Heuhaufens, der dicht
am Ufer steht, und an dessen Fufßs der grofse Flufs Loko mündet. Von Süden
kommend, sieht man eine lange niedrige Landspitze von dem erwähnten Berge aus
sich erstrecken, welche bis zu ihrem äufsersten Ende mit Bäumen bewachsen
ist, deren Aeste bis in die See hinabreichen. Auf diese Spitze folgen unmittelbar
in kurzen Abständen zwei andere ihr parallel laufende ähnliche Landspitzen. Sie
machen den Eindruck, als ob zwei lange Strafsen, rechts und links mit Bäumen
bepflanzt, bis an die See führen. Am Ende dieser dreifachen Landspitze ist
eine starke Brandung, welcher das französische Schiff „Bisson“ auf ca 2 Sm
Abstand nahe kam. Nördlich der dritten dieser Landspitzen, in dem Winkel,
welchen diese mit der Küste bildet, liegen die wenigen Häuser von Sambava ver-
steckt inmitten eines sehr reichen Pflanzenwuchses, Die Lage ist ausnehmend schön.
Auf dem Zollhause weht die Flagge von Hova. Der „Bisson“ ankerte auf 18m
Wasser, feiner Sandgrund, ca 1,5 Sm von den Wohnhäusern entfernt. Die
Haltbarkeit des Ankergrundes scheint sehr gut zu sein, doch dürfte die See
sehr hoch gehen, wenn die Seewinde vorherrschen. Auf dem Ankerplatz rollte
der „Bisson“ fortwährend infolge einer starken Strömung, welche das Schiff
quer gegen den Seegang aus SE hielt. Nach den Aussagen der Bewohner des
Örtes ist das Klima desselben ziemlich trocken und als gesund zu bezeichnen.
3) Der Ankerplatz bei Antalaha liegt in 14° 55‘ S-Br und 50° 22‘ O-Lg und
ist im Allgemeinen ein guter. Man kann daselbst auf 12 bis 18m Wassertiefe in
der Nähe der Riffe ankern, welche das Ufer umgeben, indem man sich südlich
der Durchfahrt in den Riffen hält. Der Grund besteht aus Sand und ist gut
haltbar; nördlich der Durchfahrt befinden sich einige felsige Stellen. Für Boote
ist die Durchfahrt jeder Zeit zugänglich, sie ist zwar eng, aber sicher, da die
beim Einsegeln an St. B. bleibende Riffspitze sichtbar ist. Die Korallenbänke
zu beiden Seiten reichen bis an das Ufer und bilden so einen kleinen Hafen,
in welchem man mit einem Boote ohne grofse Schwierigkeit den Strand erreichen
kann. Als Erkennungszeichen dieses Ankerplatzes dient ein hoher, tafelförmiger
Berg, welchen man rw ca N 28° W peilt, wenn man vor dem Dorfe ist.
4. Klippen südlich der Kerguelen-I.”) („Notice to Mariners“ No, 29.
London, 1881.) Nach einem Bericht des Führers der englischen Bark „Sala-
manca“, Kapt. Robson, hat derselbe am 23. November 1880 auf einer Reise
von London nach Sydney, nachdem er die Tremarec- (Benodet-) Insel gesichtet
und in einem Abstande von 20 Sm mit einem rw OzN-Kurse passirt hatte,
ca 17 Sm südlich der Insel Kerguelen eine Gruppe von Klippen entdeckt, welche
er zuerst für Eisberge hielt. Die Klippen, von denen zwei aus dem Wasser
hervorragten und an welchen die See heftig brandete, wurden auf '/2 Sm Ab-
stand passirt. Die Klippen erstreckten sich in der Richtung NW—SE 275m
und waren dem Anschein nach von tiefem Wasser umgeben. Die NW-Klippe
befand sich ca 3m über Wasser und die SO-Klippe lag im Meeresspiegel. Da
die südlichste der Tremarec-Inseln ungefähr in 49° 50‘ S-Br und 69° 4‘ O-Lg
:) „Indian Ocean Directory etc.“ 1876, pag. 407.
2) S. „Nachr. f. Seef,.“, No. 239, 1881.
Ann. d. Hydr., 1881, Heft V (Mai