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Zeit mit Eifer benutzt, um die Stadt mit einer Mauer zu umgeben. Dieselbe
ist bereits zu zwei Dritteln vollendet. ;
Man hört in Brava viele verschiedene Sprachen; aufser der arabischen
und der hindustanischen die Brava-, die Somali- und die Suaheli-Sprache.
Vermittelst der Suaheli-Sprache kann man sich an der ganzen ostafrikanischen
Küste von 15° S-Br bis nach 10° N-Br ganz gut verständlich machen.
Das Klima von Brava läfst nichts zu wünschen übrig. -
An Lebensmitteln ist frisches Ochsenfleisch, 15 Pfund für !/4 Thaler,
täglich zu bekommen; ferner Schafe, Ziegen, Hühner und Eier. Fische sind
nur selten zu kaufen, wenn auf besonderen Wunsch des Gouverneurs ein Boot
zum Fange hinausgefahren ist, Die Somali essen keine Fische und ebenso
wenig Hühner und Hier.
Hinsichtlich des hier beigegebenen Planes der Rhede von Brava mufs
ich noch bemerken, dafs ich die Vermessungen, welche demselben zu Grunde
liegen, nicht nur während der letzten Anwesenheit der „Amanda & Elisabeth“,
sondern auch schon auf früheren Reisen angestellt habe. Die Peilungen und
Lothungen kann ich als zuverlässig richtig bezeichnen. Die angegebenen Tiefen
gelten für Niedrigwasser Springzeit. Die Positionen sind nach Kreuzpeilungen
gefunden. Meine Tiefenangaben weichen etwas von denen in der englischen
und französischen Karte ab. Solche Abweichungen fand ich übrigens auch
hinsichtlich anderer Angaben in den vorhandenen Karten. So beträgt z. B. die
Höhe der Insel Kiüla oder Barrette, wie sie in den Karten genannt ist, an der
Südspitze 11m, an der Nordspitze etwa 9m, während sie von Owen (1824)
nur zu 1,5m (5 Fufs) angegeben ist. Kila ist dio einzige Insel, welche etwas
Pflanzenwuchs zeigt.
Ich glaubte es den Seefahrern schuldig zu sein, meine Erfahrungen von
dieser Küste der Oeffentlichkeit zu übergeben, um so mehr, als ich wohl der
einzige unter meinen Kollegen bin, der seit Jahren fast ununterbrochen in der
ostafrikanischen Fahrt beschäftigt ist, und als ich selbst einsehen mufste, wie
mangelhaft die Auskunft ist, welche uns besonders über den Küstenstrich
nördlich von Pemba durch die vorhandenen Karten und Segelanweisungen ge-
boten wird,
Die Küstenfahrt europäischer Schiffe in Monats-Charter von Zanzibar ist
augenblicklich sehr in der Zunahme begriffen, wohingegen die Verschifungen
in Dhows wegen der häufigen Schiffbrüche, von denen dieselben in letzterer
Zeit betroffen worden sind, und wegen der Schwierigkeit, auf die darin ver-
ladenen Waaren Versicherung zu erhalten, mehr und mehr abnehmen. Der
Umstand, dafs die Dhows jetzt so viel häufiger als früher Schiffbruch erleiden,
hat seinen hauptsächlichen Grund in der Veränderung, welche seit der Auf-
hebung der Sklaverei in Zanzibar mit der Bemannung dieser Fahrzeuge vor
sich gegangen ist. Wird eine Dhow in der Nähe der Küste von einer Böe
überfallen, so dafs das grofse Segel fortgenommen werden mufs, und kommt es
jetzt darauf an, das kleine Segel, welches alle an Bord haben, so rasch wie
möglich zu setzen, so legt sich die jetzige Mannschaft aufs Beten, in der Er-
wartung, dafs Allah die Sache für sie in die Hand nehmen wird. Inzwischen
treibt die Dhow dem Strande zu und ist verloren. Die frühere Mannschaft war
zahlreicher und bestand aus Sklaven, die es mit dem Beten nicht so genau
nahmen.
Der Handel an dieser Küste ist zum gröfsten Theile in den Händen von
Deutschen, und unsere Landsleute stehen von allen bei den Eingeborenen im
besten Ansehen. Dies würde noch mehr der Fall sein, wenn einmal ein Schiff
der Kaiserlichen Kriegsmarine hier erschiene, welches die gewifs sehr dankens-
werthe Aufgabe hätte, zuverlässige Vermessungen dieser mehr und mehr Wichtig-
keit gewinnenden Küste vorzunehmen.
Hinsichtlich des Hafens von Marka verweise ich auf meine Mittheilungen
im zweiten Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft zu Hamburg. Auf
der Fahrt von Brava nach Marka fanden wir auf der letzten Reise einen
nordöstlichen Strom von 2 Kn Geschwindigkeit.