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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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Die Hauptzeit der Verschiffung in Brava umfafst die Monate November, 
Dezember, April und Mai. Dies ist die Zeit des Monsunwechsels, und das Meer 
ist alsdann am ruhigsten, Der Wind ist bei Tage östlich, flau; in den frühen 
Morgenstunden weht etwas Landbriese. Ausfuhrartikel sind: Häute, Orseille, 
Sesam, Gummi arabieum, Butter und irdene Töpfe. Letztere werden hier in 
yrofser Menge gebacken und sowohl nach den nördlich als den südlich von 
Brava gelegenen Plätzen verschickt. Eine direkte Verladung nach Europa 
findet nicht statt; vielmehr werden die Güter, als Orseille, Sesam und Häute, 
zunächst nach Zanzibar gebracht, um hier für den Transport nach Europa zu- 
bereitet zu werden. Es werden in Brava jährlich zwei oder drei grofse Schiffe 
beladen. Der gröfste Theil des Exports wird jedoch in Dhows nach Zanzibar 
befördert, Eingeführt werden Baumwollenwaaren (hauptsächlich amerikanisches 
und schweizer Fabrikat), etwas Roheisen, Zucker, Melasse und Datteln, welch 
letztere in Dhows vom Norden gebracht werden. 
Die Verschiffung und Ablieferung der Ladung geschieht vermittelst Boote 
vom Lande, welche in Brava in genügender Anzahl vorhanden sind. Sie haben 
ein plattes Heck und einen breiten Kiel. Die Beplankung ist mit Coirgarn an 
die Hölzer gebendselt. Die Näthe sind innenbords mit rothem Thon aus- 
geschmiert; aufßserdem sind die Nähte mit Polstern von Coirfasern bedeckt, 
welche durch Bendsel an den Planken befestigt sind. Alle Löcher in den 
Planken, durch welche die Bendsel hindurchführen, sind durch Pinnen ab- 
gedichtet. Ich sah mehrere Boote, in denen nicht ein einziger Bolzen oder 
Nagel angebracht war. Infolge ihrer Bauart sind diese Boote sehr elastisch 
und eignen sich vortrefflich für die Brandung. Die Bootsleute wissen ihre 
Boote sehr gut zu handhaben. Beim Landen steigen sie aufserhalb der Barre 
aus, drehen das Boot mit dem Vordertheile gegen die See und geleiten es so 
durch die Brandung auf den Strand. Um an Land oder an Bord zu gehen, 
thut man wohl, sich dieser Boote zu bedienen, denn mit dem eigenen Schiffs- 
boote wird man, wenn auch ohne Gefahr, doch niemals trocken an’s Land 
gelangen. Die Bootmiethe für das Anbordbringen der Ladung wird per Stück 
berechnet, z. B. 8 Ballen Orseille oder 200 Häute 1 Thaler. Bei einer Ver- 
segelung nach Marka oder Magadoxa ist anzurathen, zwei Boote von Brava 
mitzunehmen, da in den genannten Häfen nur zwei oder drei kleine Boote vor- 
handen sind. Man hat in solchem Falle die Mannschaft, sechs Mann für jedes 
Boot, während der Reise zu beköstigen. Die Bootsleute von Brava machen 
gern eine solche Reise. 
Die gangbare Münze ist der Maria-Theresien-Thaler. Als Scheidemünze 
gelten Pesa (Quarter-Anna), von denen 128 auf den Thaler gerechnet werden, 
Rupees, welche auch kursiren, werden zu 62 Pesa angenommen. 
Grofse Schiffe, welche auf der Rhede von Brava ankern, haben einen 
Tribut von 20 Maria-Theresien-Thalern zu entrichten, wovon die eine Hälfte 
die Alten der Stadt, die andere Hälfte die Bootsleuto empfangen. Letztere 
sind dafür verpflichtet, dem Schiffe beim Untersegelgehen zu helfen. Der 
arabische Gouverneur erhält eine Kiste Limonade oder Sherbet als Geschenk. 
Der Zoll, welcher vom Sultan von Zanzibar an einen Banian verpachtet ist, 
beträgt für eingeführte wie für ausgeführte Güter fünf Procent vom Werthe. 
Die Somali betrachten es als einen Eingriff in ihre Rechte, dafs der Zoll 
von dem Sultan von Zanzibar erhoben wird, und haben deshalb wiederholt 
Angriffe auf die Stadt gemacht. Im Oktober 1871 wurden wir eines Tages 
beim Laden gestört, indem Somali-Häuptlinge einen Speer am Strande ein- 
steckten, zum Zeichen, dafs nichts verschifft werden dürfe, bis ein zu verein- 
barender Tribut bezahlt worden sei. Der arabische Gouverneur Abbe ben 
3aid, welcher nur 15 Soldaten zur Hülfe hatte, wagte nichts gegen diese Er- 
pressung einzuwenden. Der letzte Angriff der Somali auf die Stadt Brava fand 
während der Anwesenheit der „Amanda & Elisabeth“ im März 1877 statt. Dieses 
Mal wurde von den arabischen Soldaten, 150 an der Zahl, ein energischer 
Widerstand geleistet. Der Kampf dauerte drei Tage; 35 Soldaten wurden 
durch die vergifteten Pfeile der Somali-Krieger, welche in grofsen Schaaren 
herbeieilten, getödtet, In der Stadt brannten acht Häuser und etwa 300 Hütten 
nieder. Die Frauen und Kinder waren über die Berge geflüchtet. Seitdem ist 
der Friede einigermaßen erhalten geblieben, und der Gouverneur hat diese
	        
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