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andere gute Landmarke bildet ein steinerner Thurm, welcher auf der 1,5 Sm
südlich von Brava gelegenen, bei Niedrigwasser mit dem Festlande verbundenen
Insel Kisiva Mnara (Thurminsel) steht. Der Thurm tritt gegen den dahinter
liegenden weißen Berg scharf hervor, ist etwa 10 Sm weit sichtbar und erscheint
von ferne wie ein Fahrzeug unter Segel. Die Einrichtung des Thurmes läfst
vermuthen, dafs derselbe in früheren Zeiten als Leuchtthurm gedient hat,
Beim Anscgeln der Rhede von Brava hat man auf die Stärke der Strö-
mung zu achten, damit man den Ankerplatz nicht verfehlt, denn ein Aufkreuzen
ist im SW-Monsun in der Nähe des Landes nicht möglich. Vielmehr mufßs man
in einem solchen Falle landabwärts bis aufserhalb des Küstenstromes stehen,
um die zum Erreichen des Ankerplatzes erforderliche Höhe wieder gewinnen
zu können. Dies verursacht immer einen bedeutenden Zeitverlust. Der Küsten-
strom ist auf der Rhede bei Niedrigwasser am schwächsten, nimmt mit der
Fluth zu und erreicht bei Hochwassor seine gröfßte Stärke von bisweilen 3 bis
4 Ko. KEin wirklicher Wechsel der Strömungen ist auf der Rhede nicht vor-
handen. Das Auftreten der Gezeit macht sich jedoch in der Farbe des Wassers
bemerklich, indem ein gelblich-grünes Wasser, welches gegen das hellgrüne
Meerwasser scharf abgegrenzt ist, mit der Ebbe von der Küste nach aufsen
bis etwa 1 Kblig außerhalb der Aukerplätze vordringt, dagegen mit der Fluth
wieder langsam zurücktritt.
Bei südlichem Winde mufßs man Kisiva Mnara ansteuern, bis man die
Insel Kila im Norden!) peilt und halte nun unter kleinen Segeln nach dem
nordöstlich von Kila gelegenen Ankerplatze (s. Plan), Hier sind 12 bis 15m
Tiefe, harter Sandgrund. Dieser Ankerplatz ist auf den bisher veröffent-
lichten Karten nicht angegeben, und Schiffsführer, welche zum ersten Male nach
Brava kommen, wählen deshalb gewöhnlich den südwestlich von Kila gelegenen
Ankerplatz. Letzterer liegt aber für den Verkehr mit dem Lande im SW-Monsun
sehr unbequem. Die Boote können ihn nur mit grofser Mühe erreichen, und
ihre Ladung erleidet gewöhnlich Beschädigung.
Nach Lothungen, die ich seit dem Jahre 1871 wiederholt ausgeführt habe,
ist die Ansegelung und Umgebung des Ankerplatzes nordöstlich von Kıla voll-
ständig frei von Untiefen. Die in englischen Karten !/a Sm NO von Kıla an-
gegebenen Brecher habe ich selbst bei Niedrigwasser Springzeit nie bemerkt,
auch bei Lothungen in der erwähnten Richtung nur eine stetig zunehmende
Tiefe gefunden, KEbensowenig wufsten arabische Küstenschiffer, welche ich darum
befragte, etwas von dem Vorhandensein von Brechern, Von dem Platze aus,
Wo „Amanda & Elisabeth“ im April 1878 ankerte, peilte Kila in Linie mit Kisiva
Mnara SW'/2W, das durch eine Flaggenstange bezeichnete Regierungsgebäude in
Brava WNW'/W. Die Wassertiefe war 12,5m. Nach diesem Platze konnten die
Boote, durch die Insel Kila und die Klippen geschützt, die Ladung rasch und
ohne Beschädigung liefern, und ich überzeugte mich, dafs hier für ein Kauffahrtei-
schiff im SW-Monsun der geeignetste Ankerplatz sei. Auch bei meiner letzten
Anwesenheit im Oktober 1880 war es meine Absicht, denselben zu wählen, denn
der Wind ist bis Mitte November vorherrschend südlich. Da wir aber, bei
Nacht cinsegelnd, zunächst südlich von Kila zu Anker kamen und in Brava nur
Weniges zu löschen und zu laden hatten, so verlohnte es sich nicht, wegen des
kurzen Aufenthaltes den Ankerplatz zu verändern.
Bei nördlichem Winde ankert man am besten auf dem südwestlich von
Kila gelegenen Ankerplatz (s. Plan), in den Peilungen Kisiva Mnara SWzW!/aW
und das Regierunsgebäude N%/4O. Hier sind 14m Wassertiefe auf gut halten-
dem Sandgrunde.
Die arabischen Küstenfahrer (Dhows) ankern in beiden Monsunen an der
NW-Seite der Insel Kıla, in dem eigentlichen Hafen (s. Plan). Ein kleiner
Schoner von 2,1m bis 2,7m (7 bis 9 Fufs) Tiefgang, der rasch manövrirt und
beim Ankeraufgehen nicht zu weit abtreibt, könnte ebenfalls diesen Anker-
platz wählen, doch ist demselben anzurathen, nur mit Hochwasser ein- oder
auszusegeln. Die Dhows benutzen den nördlichen Eingang zum Hafen nur mit
Hochwasser, den südlichen dagegen bei jedem Stande der Gezeit. Ich habe
nie gesehen, dafs eine Dhow beim Ein- oder Aussegeln festgerathen wäre.
') Die Peilungen und Kurse sind mifsweisend gemeint.