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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1894.
getrennten Nainuk-Inseln und Lisseno hindurch. Diese Durchfahrt nach Osten
wird noch erschwert durch zwei südlich von den Nainuk-Inseln liegende flache
Stellen mit nur 6 m Tiefe. Gleich nach dem Passiren von Lisseno erweitert sich
die Fahrrinne wieder und führt dann mit NNO!/,0-Kurs westlich von der Nausen-
Insel nach dem Nusa-Hafen zu.
Die Küste von Neu-Mecklenburg, welche hier eine tiefe Einbuchtung nach
Osten macht, springt nördlich von der Nausen-Insel wieder nach Westen vor
und bildet mit Kap Siwusat die südöstliche Grenze des Nusa-Hafens. Er wird
gebildet durch die hier beinahe Nord und Süd laufende Küste und drei ihr
parallel vorgelagerte Inseln, nämlich Nago, Nusalik und Nusa. Der Hafen
ist bei jedem Winde und Wetter sicher und hat drei Eingänge. Der südlichste
liegt zwischen Nago und Kap Siwusat und führt mit NNO'!/:O-Kurs, zwei weiße
Dreiecke auf dem Festlande bei einer dort errichteten Handelsstation in einer
Linie, mit ca 10 bis 12 m Wassertiefe zum Ankerplatze vor der Station von Nusa,
Der zweite, sogenannte Nissel-Pafs, liegt zwischen Nago und Nusalik. Er ist
zwischen den 6 m-Bänken auf beiden Seiten über 2 Kabllg. breit und hat eine
Wassertiefe von ca 12 m. Die dritte Passage führt zwischen Nusa und dem Fest-
lande mit südlichem Kurse über eine 18 Fufs- (5'/2 m-) Barre in den Hafen.
Während des Nordwestmonsuns steht hier indessen eine ziemlich hohe Dünung,
und die Passage wird durch zwei, ONO von der Station auf Nusa liegende kleine
Stellen mit nur 15 Fuß (4'/a m) Tiefe noch verengt.
Die Insel Nusa ist eine niedrige Koralleninsel, etwa 1 Sm lang und
1/2 Sm breit. Sie ist am Strande dicht mit Kokospalmen bewachsen, während im
Innern viel Sumpfland mit hervortretenden Korallenblöcken nur dichtem Gestrüpp
mit einzelnen Brotfruchtbäumen Nahrung gewährt. Etwa 100 KEingeborene
wohnen zeitweilig auf der Insel, die seit 1884 Eigenthum der Firma Herns-
heim & Co. ist. Die Faktorei befindet sich auf der Ostseite der Insel in
2° 34‘ 50“ S-Br, 150° 47‘ O-Lg. Kohlen werden hier nicht mehr vorräthig
gehalten, doch befinden sich auf Nusa immer einige Stück Rindvieh, welche hei
Bedarf geschlachtet werden können. Frisches Wasser ist nur aus den Tanks der
Firma erhältlich. Der frühere Vorsteher dieser Faktorei, Fr. Schulle, der
später Nusa gegenüber auf Kabien und noch später auf der Insel Lusaum eine
Station für eigene Rechnung angelegt hatte, starb im Jahre 1892. Kabien ging
in die Hände der Firma E. E. Forsayth über.
An frischem Proviant ist hier nicht viel zu haben. Die Eingeborenen
bauen nur Taro, der gar nicht haltbar ist, und süße Kartoffeln, die als Reise-
proviant ebenfalls unbrauchbar sind. Auch hier existirt eine besondere Art von
Muschelgeld, welches die Eingeborenen jedem Tauschartikel vorziehen; jedoch
sind Früchte und dergleichen jederzeit für Tabak und KEisenwaaren zu haben.
Die Eingeborenen sind nicht hösartig, aber noch vollständig uncivilisirt,
and wenn Schiffe hier auch durchaus sicher sind, so ist doch das Leben und
Eigenthum der allein unter diesen Wilden lebenden Händler öfters gefährdet.
Kannibalismus war bis vor ganz kurzer Zeit gäng und gäbe, und zwischen den
einzelnen Gebieten entbrennen oft erbitterte Kämpfe, deren Opfer wohl auch
heute noch regelmäfsig verspeist werden,
Das Nordkap ist die nördlichste Spitze von Neu-Mecklenburg. Es ist
ein niedriger Fels von Madreporenkalk mit Kokospalmen. Von hier läuft die
Küste in Ostsüdostrichtung ca 16 Sm bis Kapsu-Huk überall gleichförmig hoch
und reich mit Kokospalmen und anderen Bäumen bewachsen. Kin Kranzriff
läuft mit der Küste parallel; es hat mehrere Einschnitte, welche bei den Stationen
Kabelman, Butbut und Tuptup als Bootspassagen benutzt werden. Ankergrund
wird längs der ganzen Küste in einigen Kabellängen Abstand vom Riff in
ca 25 bis 30 m Tiefe gefunden.
Kapsu-Huk') ist leicht kenntlich an einem sich in der Hügelkette gut ab-
hebenden überhängenden Berg in der Gestalt einer Narrenkappe. Das Riff bildet
hier zwischen zwei längeren Ausläufern eine tiefe Kinbuchtung, welche in eine
breite Bootspassage verläuft. Am Ende derselben liegt die Station. Der beste
Ankerplatz ist Passage offen mit der Station im Westen p. K. in ca 25 m Tiefe
gut haltendem Schlickboden.
5 Vgl. „Ann. d. Hydr. etc.“ 1884, Tafel 10, Ansicht.