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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

ß 
Stunde das Barometer um 3,9 mm stieg. Nach Vorübergang des Minimums 
erhob sich der Luftdruck zuerst ganz allmählich, dann, erst 3—5 Stunden nachher, 
sehr rasch, und nachdem die Zunahme ihr Maximum erreicht, wieder nach und 
nach langsamer, * 
Charakteristisch für diesen Sturm ist das Auftreten stürmischer Winde 
auf beschränktem Gebiete und in gröfserer Eintfernung auf der Ostseite des 
Minimums und das fast regelmässige Fortschreiten derselben nach Osten hin. 
Diese Erscheinung läfst sich längs der ganzen Küste verfolgen und scheint ihren 
Grund in der Bildung lokaler Gradienten gehabt zu haben, die ebenso, wie das 
Minimum, ostwärts fortschritten. Am 27, Okt. Abends und in der darauf folgenden 
Nacht wehten an der deutschen Nordsee Sturmböen, an den südlichen Stationen 
aus westlicher, an den nördlichen aus östlicher Richtung. Am 28. Morgens 
wurden hier die Winde schwächer, dagegen stürmte es in der westlichen Ostsee 
bis Rügen aus östlicher Richtung. Aın Nachmittag wurde es hier wieder ruhiger, 
dagegen trat im Osten ein neues Sturmfeld ’auf, während jetzt an der Nordsee 
die Winde unter direktem Einflufs des Minimums wieder auffrischten. 
Auch das plötzliche Umspringen der Winde und rasches Auffrischen der- 
selben lässt sich der ganzen Küste entlang verfolgen: dasselbe vollzog sich auf 
Borkum und Norderney (am 29.) zwischen 11* und 12* a.m., in Emden um 
Mittag, in Wilhelmshaven um 1'/4® p.m, in Bremerhaven, Weser-Leuchtthurm, 
Cuxhaven, Tönning und Flensburg fast genau gleichzeitig um 2* p. m., in Schlei- 
münde um 2!/2* p. m., in Glückstadt um 3'/2* p. m., in Hamburg von 5—6®* p.m., 
in Wismar zwischen 6* und 8" p.m., in Swinemünde um 11'/2* p.m, in Rügen- 
waldermünde um Mitternacht, in Neufahrwasser am 30. um 3* a. m., in Pillau 
zwischen 2* und 3" a.m. und in Memel um Mitternacht. Hierbei zeigte sich 
die Erscheinung, dafs das Umspringen des Windes an den nördlicher gelegenen 
Stationen, die der Bahn des Minimums näher waren, eher erfolgte, als an den 
südlicher gelegenen, In Keitum, welches nördlich von der Bahn des Minimums 
lag, sprang zwischen 1° und 2* p. m. (Okt. 29) der stürmische ENE auf NNE, 
indem sich die Stärke rasch zum Maximum steigerte. 
Noch eine ähnliche Erscheinung ist hervorzuheben, deren Fortpflanzung 
nach Ost hin ebenfalls verfolgt werden kann, nämlich das rasche Umlaufen 
des Windes aus südöstlicher nach westlicher Richtung an der ostdeutschen 
Küste, welches ebenfalls von starkem Auffrischen begleitet war. Dieser Er- 
scheinung wurde schon oben gelegentlich gedacht, 
Sehen wir ab von den eben besprochenen Vorläufern des Sturmes, den 
stürmischen Winden, die dem eigentlichen Sturme vorhergingen und vielfach 
heftig und mit Sturmeskraft auftraten, so erfolgten die stärksten Winde erst 
nach Vorübergang des Minimums, d. h. nach Kintritt der nördlichen Winde, 
entweder sofort oder doch nur kurze Zeit nachher. 
In der Nordsee traten die stärksten Winde (voller Sturm) erst nach 
2b p.m. (Okt. 29) ein und dauerten meistens bis etwa 8 Uhr Abends, stellen- 
weise auch bis Mitternacht, An der westlichen Ostsee stürmte es aus Abend 
am stärksten, in Flensburg seit 4" p.m., auf Rügen seit 8° p.m., der Sturm 
hielt an bis etwa nach Mitternacht, von W nach E langsam abnehmend. An 
der östlichen Ostsee trat der Sturm erst nach Mitternacht ein: in Rügenwalder- 
münde um 3* a. m. (Okt. 30), in Stolpmünde 8" a. m,, in Hela um. Mittag, in Neu- 
fahrwasser um 4 p. m. 
Die folgende Tabelle giebt die Windverhältnisse während des Sturmes 
nach den Aufzeichnungen der Registrirapparate an den Normal-Beobachtungs- 
stationen der Seewarte.
	        
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