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Auch in dem nördlichen Theil der Ddnemark-Strafso sind die Tiefen
gröfser, als in dem mittleren, aber nicht in dem Grade, wie es im südlichen
der Fall ist. Nordwestlich und nördlich von Zsland, in der Richtung nach der
Blosseville-Küste Ost-Grönlands zu lothete der „Ingolf“, 1879, Tiefen von 1425
bis 1525 m (780—830 Fad.).
Es ist übrigens wohl bemerkenswerth (s. Hoffmeyer a, a. O., pag. 180),
dafs sowohl die Gestalt des Meeresbodens, als auch die Temperaturverhältnisse
in dem Meere der Westküste von /sland vollständig dem entsprechen, was Mohn
schon früher, 1876, an der norwegischen Küste gefunden hat (s. Abschnitt 8). An
beiden Küsten erstrecken sich Bänke mit geringen Wassertiefen von der Küste in
See, bis zu den sogen. Havbröen, d. h. Stellen, wo Dorsche und andere Fisch-
arten sich zur Laichzeit aufhalten, und welche dem Vordringen des kalten
Wassers eine Grenze setzen, dagegen dem warmen, bis zum Boden der Bänke
reichenden Strome gestatten, über sie hinwegzufliefsen und den Küsten wärmeres
Wasser zuzuführen. Von diesen Küstenbänken oder Havbröen aus nach See zu
nehmen die Tiefen schneller zu.
Die Hauptergebnisse der Untersuchungen von Kapt. N. Hoffmeyer über
die Strömungen und Temperaturvertheilung des Wassers in der Dänemark-Strafse
(in der Nähe der Ostküste von /sland) auf Grund der Messungen der „Fylla“
im Sommer 1877 sind folgende, (Vergl. „Ann. d. Hydr. etc.“, 1880, pag. 175
bis 183.
D Der warme (schon aus früheren Untersuchungen bekannte und in Ab-
schnitt 5, pag. 237 erwähnte) von Süden her in die Dänemark - Strafse ein-
Rießsende Strom beschränkt sich nicht auf die Oberfläche allein, sondern reicht
bis in gröfsere Tiefen hinab, bis zu einer nicht ganz unbedeutenden Entfernung
von der Küste, ca 80 Sm, bis zum Boden in 575 m Tiefe.
2) Dieser warme Strom!) ist bei seinem Austreten aus der Dänemark-
Strafse in das Eismeer noch kräftig genug, um in diesem letzteren seinen Lauf
noch weiter fortzusetzen, und zwar dreht er sich (wenigstens im Sommer) bei
dem Kap Nord (der Nordspitze der. NW-Halbinsel von /siand) nach Osten und
folgt der Nordküste von /sland*).
3) Dieser warme Strom wird weiter nach Westen in die Dänemark-
Strafse hinein, sowohl an der Oberfläche, als in der Tiefe von dem kalten
Wasser verdrängt. Diese kalten Schichten bilden in dem westlichen Theile
der Dänemark-Strafse einen kalten, bis zum Boden gehenden Strom.
4) In der Dänemark-Strafse fliefst kaltes Wasser an der Oberfläche, oder
in geringen Tiefen unterhalb derselben über wärmerem Wasser (s. Lothung 4
bis 6 und 11—16 „A. d. H.“, 1880, pag. 186 u. 187), so dafs die Temperatur
von den oberen Schichten nach unten zunimmt und erst von einer bestimmten
Tiefe an abzunehmen beginnt.
Anm. Diese Erscheinung findet nach Hoffmeyer darin ihre Er-
klärung, dafs, wie. die sorgfältigen Bestimmungen des Salzgehaltes des Ober-
flächenwassers erwiesen haben, der warme Strom der Dänemark- Strafse den
vollen Salzgehalt des atlantischen Wassers besitzt; sobald man sich aber der
Eiskante nähert, nimmt der Salzgehalt des Wassers so stark ab, dafs das kalte
Wasser, ungeachtet seiner niedrigen Temperatur, doch leichter wird, als das
wärmere, und sich über dasselbe ausbreiten kann. Der Ursprung des geringeren
Salgzehaltes des kalten Oberflächenwassers ist in dem Schmelzen des Eises zu
suchen, welches sich allein auf die oberen Schichten beschränkt, während in der
1) Hoffmeyer hat vorgeschlagen, diesen warmen Strom, welcher {slands West- und Nord-
küste umspült, Irminger-Strom zu nennen, zur Anerkennung der grofsen Verdienste des dänischen
Admirals um die Hydrographie des Nordatlantischen Oceans,
2) Hiernach sind nach Hoffmeyer wohl alle früheren Theorien, welche die längs der West-
küste von Zsland nordwärts setzende Strömung nur als einen Ersatzstrom für den südwärts lau-
fenden ostgrönländischen KEisstrom betrachteten, mit dem er sich schliefslich zurück nach Kap
Farewell wende, nunmehr als unhaltbar zu bezeichnen. Uebrigens wollen wir hier noch bemerken,
dafs Petermann schon i. J. 1870 in seiner bekannten Abhandlung über den Golfstrom (s. „Geogr.
Mitth.“ pag. 201—9244) es deutlich ausgesprochen hat, dafs aus den, von 1844—1859 während vwer-
schiedener Grönlands- und Islands-Fahrten in den Monaten April bis September gemachten Beobach-
tungen der Wassertemperatur klar hervorgeht, „dafs in den Sommermonaten ein Arm des Golfstromes
nicht blofs an der Westseite von /siand hinauf geht, sondern auch dafs dieser Arm sich an der
Nordküste Islands nach Osten hin bis Langenaes erstreckt“ (a, a. O. pag. 213).