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yefunden wurde. Es ist hiernach wohl anzunehmen, dafs das Wasser in der tiefen
Rinne in der Mitte der Davis-Strafse durch den Einfluss des kalten, aus der
Baffins-Bai südwärts fließsenden Polarstromes abgekühlt wird, während es in
geinen obersten Theilen durch eine von Süden her strömende wärmere Wasser-
masse erwärmt wird. (Vergl. weiter unten, pag. 236.)
Die niedrigste Bodentemperatur (0,8°) wurde in 3400 m (1860 Fad.)
Tiefe bei Lothung No. 11, ca 2° südlich von Kap Farewell und nicht ganz
1° östlich von diesem gemessen, und da dieser Ort (57° 50‘ N-Br, 44° 52‘ W-Lg)
eigentlich schon zum Nordatlantischen Ocean gerechnet werden mufs, so. ist
diese Temperatur auch zugleich als diejenige des kältesten Wassers zu be-
trachten, welches in der Tiefe sowohl von der West- als der Ostküste Grönlands
her in den Nordatlantischen Ocean zwischen 50—60° N-Br und 40—50° W-Lg
einfliefst.
Die Lothungsstation der „Valorous“ (No. 12), südöstlich von Kap Fare-
well in 56° 11‘ N-Br und 37° 41‘ W-Lg, befand sich schon ganz in dem west-
lichen Gebiete dieses nördlichsten T’heiles des Nordatlantie und gewährt einen
nicht ganz uninteressanten Vergleich der Wärmevertheilung dieses Gebietes mit
der des östlichen und in noch höheren Breiten gelegenen. Auf Station 12
betrug die Oberflächentemperatur am 19. August 1875 11,7°; fast ebenso hoch
war die im Juli 1869 von W. B. Carpenter in dem Lightning-Kanal in 59° 35‘
N-Br und 9° 11‘ W-Lg, also ca 3'!/2° nördlicher und 281° östlicher in derselben
Jahreszeit gemessene Oberflächentemperatur;!') für beide Orte ergiebt sich
aber ein grosser Unterschied in der Temperaturvertheilung nach der Tiefe hin.
Während nämlich in No. 12 („Valorous“) die Isotherme von 7,2° (45° F.) nur
bis 90m (50 Fad.) hinabreicht, und die von 4,4° (40° F.) bis 550m (300 Fad.),
senkt sich im Lightning-Kanal die erstere bis unter 900m (500 Fad.) hinab, und die
Bodentemperatur in 1400 m (767 Fad.) beträgt hier noch 5,2° (41,4° F.), während
diese Temperatur bei der Messung No. 12 schon in ca 275m (150 Fad.) ange-
iroffen wurde. Der Unterschied in der Temperaturvertheilung in den zwischen
der Oberfläche und dem Boden befindlichen Wasserschichten bei den westlichen
und östlichen Stationen des Nordatlantischen Oceans in den Parallelen von
55°—50° Nord tritt noch deutlicher hervor bei einem Vergleich der Temperatur-
messungen No, 14—16 mit den von der „Porecupine“ im Juni 1869 zwischen
der Rockall- und Porcupine-Bank erhaltenen, s. No. (22), (21) und (20) der
Tabelle. Zwar sind die Oberflächen und Bodentemperaturen in nahezu gleichen
Tiefen an beiden Stationsgruppen mit einander übereinstimmend (s. Tabelle),
aber die Isothermen von 10° ab bis 4° senken sich sehr bemerklich in der
Richtung von Westen nach Osten, so dafs in den östlicher gelegenen Theilen
dieser Wassermasse von ca 20 Längengraden Ausdehnung (zwischen 31° bis
11° W) längs des Parallels von ca 56° Nord eine viel mächtigere Schicht von
10°—4° Temperatur sich vorfindet, als in den westlicheren. So erreichten z. B,
die Isothermen von 10° (50° F.) bezw. 7,2° (45° F.) und 4,4° (40° F.) in den
Stationen 15 und 16 nur eine Tiefe von bezw. 50—90 m, 150 und 700m, da-
gegen in den Stationen (22) bis (19) Tiefen von bezw. 150, 1000 und 1500 m.
Die Lage der Isothermen von 4,4° abwärts bis zur Bodentemperatur von 2,6° bis
3,0° ist in beiden Theilen dieses Gebietes ziemlich übereinstimmend gefunden
worden. Wir werden auf diese Vergleichung der Temperaturvertheilung im
Osten und Westen des Nordmeeres in einem späteren Abschnitte noch näher
zurückkommen. Bemerkenswerth ist bei den Temperaturmessungen der „Va-
lorous“ noch der Umstand, dafs westlich von der obenerwähnten unterseeischen
Erhebung (Lothung No. 13) in nahezu gleichen Bodentiefen eine niedrigere
Temperatur angetroffen war, als östlich von derselben.
i) „Gulnare“, Davisstrafse. Sommer 1880?)
Während der Sommerfahrt (1880) des für arktische Forschungen be-
stimmten amerikanischen Dampfers „Gulnare“ gewann O0. 'T. Sherman an Bord
desselben bei stillem Wetter und mit einem Miller-Casella- Thermometer
einige für den Instrumentenfehler korrigirte Temperaturmessungen, die für die
Küste Westgrönlande, eine Bestätigung der auch anderwärts in dem arktischen
Meere gefundenen Thatsache einer kälteren Wasserschicht, zwischen einer oberen
‘) Vgl. „Ann. d. Hydr, etc.“, 1879, pag. 208, letzte Vertikalreihe der unteren Tabelle.
?) S. The Americ. Journ. of Science (3. Ser.) Vol. XXI, No. 122 (Februar 1881). pag. 163.