Im Laufe’des Tages nahmen die Winde bei aufklarendem Wetter rasch
ab, um an der östlichen Ostsee unter Einflufs eines von NW nahenden Minimums
wieder zum vollen Sturme aufzufrischen,
Hervorzuheben ist die aufsergewöhnliche Abkühlung, welche infolge der
anhaltenden stürmischen nördlichen Winde eintreten mufste: in der Gegend
von Paris, wo die Temperatur am 27. Okt. 7" a. m. noch 15° betragen hatte,
herrschte am 30. zur selben Zeit Frostwetter, in Breslau sank die Temperatur
vom 29. zum 30, von 14° auf den Gefrierpunkt.
Sehen wir ab von einigen Unregelmäfsigkeiten, so ist die Form der das
Minimum zunächst umgebenden Isobaren während des ganzen Verlaufs der Er-
scheinung ellipsenförmig, und zwar war bis zum 30, Okt., an welchem Tage die
Isobaren eine mehr unregelmäfsige Gestalt annahmen, die Richtung der grofsen
Axe eine west—östliche, etwas nach ENE neigend, und fiel ungefähr mit der
Bahn des Minimums zusammen. Auch das Verhältnifs der kleinen zur grofsen
Axe blieb fast ungeändert nahezu in dem Verhältnisse von 1:2. Ebenso
änderten sich die Gradienten in der Umgebung des Minimums beim Fort-
schreiten desselben nicht erheblich: an der Nord- und Westseite blieben sie
beständig am gröfsten, an der Ostseite am kleinsten. Nur auf der Südseite
waren dieselben nicht unerheblichen Schwankungen unterworfen. Daher er-
klären sich die anhaltenden und vielfach schweren Stürme auf der Nord- und
Westseite und das plötzliche Auftreten der stürmischen Nordwinde nach Vorüber-
gang des Minimums, sowie die kurz andauernden stürmischen Winde aus süd-
westlicher bis südöstlicher Richtung auf der Südseite.
Ein ganz ähnliches Verhalten zeigte sich beim Sturme am 21. Oktober,
so lange das Minimum an der deutschen Küste sich bewegte: auch hier waren
die Winde auf der Nord- und Westseite am stärksten, auf der Ostseite am
schwächsten.
Die Geschwindigkeit, mit welcher sich das Minimum fortbewegte, war im
Allgemeinen eine mäfsige, im Mittel betrug sie 11,9m pro Sekunde. Im Nach-
stehenden sind die Geschwindigkeiten für die verschiedenen Positionen des
Minimums übersichtlich zusammengestellt.
Okt. 27 bis 28, von
28,
ka
28 bis 27
29,
»® %
29 bis 30,
D), nn
8% p. m, — $h a. m.
8h a, m. — 7hp.m.
2h p. m. — p.m.
3h p.m. — Ma. m.
38h a, m. — hp. m.
2 p. m. — 8& p.m.
3h p. m. — 8" a, m.
8h a, m. — 8hyp. m.
35,2km p. St., 9.8m p. Sek.
DD 157
19
3%
55.
I
0.5
vr
20,6
85
Ueber England und der Ostsee war die Geschwindigkeit ziemlich be-
trächtlich, über Westrussland am gröfsten, dagegen über Schleswig-Holstein am
kleinsten. Das letztere war auch beim Minimum am 21. Oktober der Fall.
Als Positionen des Minimums lassen sich ungefähr folgende bezeichnen,
wobei gleichzeitig die Tiefe des Minimums annähernd angegeben ist:
Okt. 25,
26.
.
2
27,
%
»
28,
»
»
20,
»
»
30,
.
8h p. m,
8b a, m.
8 p. m.
8b a, m.
8 p. m.
8 a, m.
2b p. m.
8b p. m.
8h a, m.
2b p. m.
8b p. m.
3h a, m.
Bh n, m.
45° N-Br und 25° W-Lg (Gr.) Tiefe ca 745 mm
48° „ 2 20° # 740
49° „ „15° 7157
50° „„ „UI° 735
Südküste von Irland 732
Bristol-Kanal 728
bei London 730
Nordsee nördlich von Yarmouth 733
zwischen Tönning und Keitum 733
zwischen Flensburg und Schleimünde 734
auf Rügen 735
5stlich von Riga 735
bei Petersburg 738