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und die hier befindliche Ansiedlung bilden den seit einigen Jahren bekannt
gewordenen Hafen Salaverry. ;
Von Süden kommend, nähere man sich der Küste bis auf 11 bis 15m
Tiefe (6 bis 8 Fad.) und steuere in dieser Tiefe weiter. Auf der Spitze von
dem Carretas-Hügel befindet sich ein Signalmast und auf halber Höhe des Berges
ein kaum bemerkbares eisernes Gerüst, von welchem aus in Friedenszeiten ein
rothes Licht gezeigt wird. Wenn Schiffe im Hafen sind, sieht man diese als-
bald beim Näherkommen und kann: dadurch bei der Wahl eines Ankerplatzes
eleitet werden. Der beste Platz ist in der Peilung: Carretas-Hügel zwischen
Ost und ONO, der Fufs des Hügels !/a bis %/4 Sm entfernt, in 11 bis 13m
(6 bis 7 Fad.) Wassertiefe. Der Ankergrund ist gut; er besteht aus Sand,
bedeckt mit einer dünnen Lage schwarzen feinen Mud., Man liegt am besten
vor einem Anker und 110 bis 130m (60 bis 70 Fad.) Kette, den Anker mit
einer guten Boje versehen und Alles bereit, um erforderlichen Falles sofort die
Kette schlippen und unter Segel gehen zu können.
Salaverry ist zur Zeit noch ein elendes Dorf. Aufser dem geräumigen
Zollhause und dem Hafenamt (Capitania), den Wohnungen der kaufmännischen
Agenten, welche das Beladen und Klariren der Schiffe besorgen, und einigen
Wirthshäusern enthält der Ort fast nur Hütten, welche aus Bambus, Holz,
Matten, Stroh, Säcken, Blech — überhaupt allem möglichen Material, das gerade
zur !Hand war — zusammengesetzt sind. Viele sind vollständig ohne Dach und
alle natürlich ohne Fufsboden. Die Bewohnerschaft besteht aufser den Regierungs-
beamten, den Agenten und einigen Händlern nur aus Arbeitern, Leuten der
niedersten Klasse aller Nationen und Farben. Die Arbeiter scheiden sich in
die Lancheros, welche die Bemannung für die Leichter (lanchas) abgeben, und
die Tasqueros, deren Aufgabe es ist, die Leichter am Strande zu beladen und
zu entlöschen, und die ihren Namen daher führen, dafs sie meistens im Wasser,
in der Brandung (Tasca) zu arbeiten haben. Sämmtliche Arbeiter stehen unter
der Kontrole des Hafenkapitäns, Derselbe führt eine Namenliste und schlichtet
Streitigkeiten in Betreff der Arbeitszeit und des Tarifs, Arzt und Apotheker
giebt es nicht, jedoch kommt wöchentlich ein englischer Arzt von Truxillo und
hält seine Sprechstunden. Ebensowenig ist ein Lazareth oder eine Kirche vor-
handen. KErsteres befindet sich in der 7 Meilen entfernten Stadt Zruxillo, letztere
in dem Dorfe Moche. Von hier kommt jeden Sonntag ein Geistlicher nach
Salaverry und hält in einem Raum des Zollhauses Gottesdienst. Während der
letzten Tage meines Aufenthaltes wurde der Agent der Pacific Steam Navigation
Company zum englischen Vice-Konsul ernannt. Aufser diesem giebt es in
Salaverry wie in dem ganzen Bezirke keine. Konsuln.
Port Salaverry existirt erst seit der Erbauung der Eisenbahn, welche
von hier über Trumxillo durch die fruchtbaren Thäler von Chima und Chicama
nach der Stadt Ascope führt, das ist seit 1875/76. Wenn erst wieder geregelte
Friedenszustände für Peru eingetreten sind, wird der Platz gewifs noch zu einer
bedeutenden Entwickelung gelangen, da er der einzige Verschiffungsort dieser
Küstenstrecke ist. Zucker, welcher in den genannten Thälern gebaut wird,
bildet den Ausfuhrartikel. Die bessere Sorte wird in Säcken von 200 Pfd., die
schlechtere in Blöcken (marquetas) von 150 bis 200 Pfd. Gewicht verschifft.
Die erstere Sorte erleidet während der Seereise meistens nur einen geringen
Gewichtsverlust, wohingegen die letztere oft mit einem Verlust von 10°%o ab-
geliefert wird. Während unseres dreimonatlichen Aufenthaltes wurden trotz des
Krieges und obgleich die meisten Zuckersiedereien des hohen Ausfuhrzolles
wegen aufßer Thätigkeit waren, acht gröfßsere Schiffe für europäische Häfen
beladen. Aufser diesen und den wöchentlich anlaufenden Dampfern kam noch
eine Anzahl von Küstenfahrern, mit Brennholz, Holzkohlen und Salz beladen,
hier an. Die gröfste Mehrzahl der Schiffe, welche in Salaverry Ladung für
Europa einnehmen, kommt in Ballast von Callao, wo auch die Befrachtung ab-
geschlossen wird. Einzelne bringen eine Restladung europäischer Güter hierher,
nachdem der andere Theil in südlicheren Häfen gelöscht worden ist, und nur
zusnahmsweise kommt: ein Schiff, wie es mit „/da“ der Fall war, mit voller
Ladung direkt von Europa.
Die früher ziemlich bedeutenden Häfen Huanchaco und Malabrigo sind,
da sie keine Bahnverbindung mit dem Innern haben, jetzt vollständig ein-