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dessen Herrschaft sie sich freiwillig unterworfen haben, um durch ihn Schutz
gegen die Malabar-Piraten zu haben, welche sie zuweilen belästigten. Die
Kleidung der Männer ist dieselbe, als die an der Malabar-Küste, die Frauen
tragen lange Jacken von seidenem Stoff, welche beinahe bis auf die Füße
reichen. Einige der Männer arbeiten gar nicht, andere fahren als Matrosen, oder
fischen, aber Landarbeit verrichtet kein Mann. Jede derartige Arbeit wird von
den Frauen gethan, diese müssen auch die Wege durch die Dschungeln rein halten,
Brennholz besorgen ete. Die Bevölkerung besteht aus mehr als 2000 Seelen.
Hinter dem Orte haben die Leute ihre Gärten, in denen sie Limonen,
Betel, Palmen, Brodfrucht und Melonen, sowie einige Gemüse bauen. Ge-
treide oder Reis wächst nicht auf der Insel, alle derartigen Lebensmittel
(wie Reis, Dal, Ghi etc.) werden sämmtlich eingeführt. Die Hauptprodukte der
Insel sind Kokosnüsse, Kokosfasern, Kaurimuscheln, Zucker aus Kokospalmen-
3aft und eingesalzene Fische. Die Kokosnüsse, Kokosfasern und Kaurimuscheln
gehen hauptsächlich nach Calcutta und die eingesalzenen Fische nach Ceylon.
Die Insel ist arm an Hausthieren, die Leute halten sich weder Kühe noch
Schafe, Ziegen oder Hunde, dagegen Katzen und viele Hühner und Enten. Die
Insel ist von Ratten überfüllt, und diese leben auf den Kokospalmen und zer-
stören, wie man sagt, wohl °/4 der Ernte. Ferner sind Legionen von Muskitos
auf der Insel, welche zwar nur klein, aber sehr zudringlich sind und durch Alles
hindurchstechen. Schildkröten giebt es in Menge, dieselben werden aber nicht
gegessen. Das Klima der Insel soll ein sehr gleichmäfsiges sein.“
Port Salaverry in Peru.®)
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Ankerplatz: 8° 14‘ S-Br, 78° 58’ W-Lg. Mifsweisung 101° Ost.
Kapitän J. Hendorff von der Bark „/da“, welcher Port Salaverry im
Jahre 1880 besuchte und daselbst vom 20. März bis zum 15. Juni verweilte,
berichtet über die nautischen und kommerciellen Verhältnisse dieses Hafen-
platzes das Folgende.
„Die Ansegelung von Port Salaverry bietet durchaus keine Schwierig-
keiten. Schiffe, welche von Süden kommen, werden stets danach trachten, die
Guanape-Inseln anzulaufen. Da es jedoch möglich ist, dals man dieselben der
Dunkelheit oder des häufig tagelang herrschenden Nebels wegen nicht in Sicht
bekommt, sollte man sich so oft wie möglich seiner Breite versichern und
rechtzeitig die Küste anlothen. Es ist sonst die Gefahr vorhanden, mit dem
stets nach Norden und Westen setzenden Strome über das Ziel hinaus getrieben
zu werden und dann Tage mit dem Aufkreuzen vielleicht nur weniger Meilen
zu verlieren.
Sobald man die Gwanape - Inseln passirt ist, erblickt man bei sichtigem
Wetter den etwa 210m (700 Fuß) hohen, steil zum Meere abfallenden Guanape-
Hügel, an dessen Nordseite der unbedeutende Hafen Gwuwanape liegt. Von dort
weiter nordwärts bildet die Küste einen flachen Sandstrand. Da das Wasser
allmählich abflacht und vollständig frei von Untiefen ist, kann man sich dem
Strande unter Gebrauch des Lothes beliebig nähern. Mit der Küste parallel in
einer Entfernung von 5 bis 6 Sm von derselben zieht sich eine etwa 200m
hohe kahle Hügelkette. Etwa 14 Sm nördlich vom Gwuanape-Hügel springt die-
selbe in dem ebenfalls steil abfallenden Carretas-Hügel gegen das Meer vor;
dann setzt sich der Sandstrand fort, aber die kahle Hügelkette tritt mehr
zurück und wird von höheren Bergen unterbrochen, unter denen der 1134m
hohe Garita-Hügel mit seinen spitzen Zacken besonders auffällig ist. In der
Peilung NNO'/40 sieht man ihn in Linie mit dem Carretas - Hügel über den
letzteren hervorragen. Die kleine Bucht an der Nordseite vom Carretas-Hügel
1) S. „Ann, d, Hydr. etc.“, 1880, pag. 279.
Ann. d. Hydr., 1881, Heft IV (April).