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eine Passatstörung, die, bei einer Luftdruckabnahme von etwa Zmm, in gewöhn-
licher Weise, von regnerischem Wetter und südwestlicher Dünung begleitet,
verlief. Der Wind hielt sich nicht lange in den westlichen Strichen, er drehte
bald durch Süd nach SE zurück, sich in letzterer Richtung haltend, bis man
am 26, Juli unweit 23,5° S-Br in 59° W-Lg bei einem Luftdrucke von 773,5 mm
die polare Passatgrenze erreichte. Auch südlich derselben wurden zunächst
noch veränderliche Ostwinde angetroffen, und erhielt man erst beständigen
westlichen Wind, als 30° O-Lg überschritten worden war. Die Umsegelung
des Kap der guten Hoffnung wurde durch Stürme kaum erschwert; erleichtert
wurde sie dagegen durch den in einem Etmale bis zum Betrage von 94 Sm
beobachteten Agulhas-Strom. Am 17, August wurde bei nördlichem Winde die
Länge der Kapstadt und, nachdem während der zunächst folgenden Tage noch
wieder stürmischer Westwind angetroffen worden war, am 21. August in 12,2° O-Lg
der Parallel von 30° Süd überschritten. Um denselben von 30° S-Br im
[ndischen Ocean zu erreichen, waren 15 Tage erforderlich gewesen. Im Indischen
Ocean hatte man 20° S-Br in 70,7° O-Lg am 23. Juli und 30° S-Br in 36,2° O-Lg
am 6. August; ferner 90° O-Lg in 18,2° S-Br am 17. Juli, 60° O-Lg in 23,3° S-Br
am 26. Juli und 30° O-Lg in 33,2° S-Br am 9. August gekreuzt.
Aus dem frischen SW-Winde, welcher im Atlantischen Ocean „Lima“
über 30° S-Br führte, entwickelte sich durch Drehen nach Süd und SE, ohne
dafs eine Störung vorher beobachtet wurde, der Passat. In der Nähe von
28,3° S-Br und 9,6° O-Lg, wo der Luftdruck 773,7 mm betrug, schien die polare
Passatgrenze zu liegen. Der Passat selbst wehte frisch und beständig, und,
nachdem mit seiner Hülfe 20° S-Br in 1,1° W-Lg' am 26. August und 10° S-Br
in 12,1° W-Lg am 31. August überschritten worden war, führte er „Lima“ am
ß. September in 23,8° W-Lg zur nördlichen Halbkugel. Es waren damals
16 Tage verflossen, seitdem man 30° S-Br verlie(s,
In nördlicher Breite ging der SE-Passat in langsamer Drehung durch
Süd, welchen Strich er in der Nähe von 4° N-Br erreichte, in den SW-Monsun
über. Dieser letztere, von östlicher Strömung begleitete Wind wehte bis 11° N-Br
hin kräftig und beständig; dann herrschte bis nach 13,5° N-Br bei stark
regnerischem Wetter westliche Mallung, und schliefslich gerieth die Bark in
Sicht der Inseln St. Jago und Fogo in Windstille. Dieselbe dauerte bei einem
Luftdrucke von 760,0mm, dem niedrigsten bis dahin nördlich von der Linie
beobachteten, fast einen Tag, bis endlich in 15,1° N-Br und 24,1° W-Lg der
NE-Passat einsetzte. Im Gebiete dieses Windes wurde keine günstige Gelogen-
heit angetroffen. Unweit 22° N-Br herrschte an einigen Tagen nur ganz flauer
Ostwind, und kam hier der Kapitän einer französischen Bark an Bord der
„Lima“, welcher aussagte, dafs sein Schiff bei frischem Passat die Breite von
Brava passirt habe, zur selben Zeit, wie „Lima“ in Sicht von St. Jago in Stille
trieb. Auch ein Beweis für die Verwerflichkeit des zu östlichen Durchschneidens
des SW-Monsun-Gebietes, Unweit 29° N-Br in 29° W-Lg, wo der Luftdruck
768,5mm betrug, hörte der Passat zu wehen auf. Der leichte Wind drehte
hier durch Süd nach West, um sich dann einige Tage in letzterer Richtung zu
halten. In etwa 35° N-Br und 24,5° W-Lg setzte leichter südöstlicher Wind
ein, der bald auffrischte und für längere Zeit anhielt. Später drehte derselbe
durch Ost nach NE. Am 6. und 7. Oktober überstand „Lima“ in der Nähe
der Scilly-Inseln einen orkanartigen Oststurm, bei dem das Barometer bis auf
731,8 mm fiel.
Am 9, Oktober erreichte die Bark die Rhede von Falmouth. Die Dauer
der ganzen Reise war 122 Tage; 33 derselben waren nördlich von der Linie
im Atlantischen Ocean zugebracht worden, und hatte man hier 10° N-Br in
23,7° W-Lg am 10. September, 20° N-Br in 28,7° W-Lg am 15. September,
30° N-Br in 28,9° W-Lg am 21. September und 40° N-Br in 20,4° W-Lg am
28. September geschnitten,
9. Reise der Hamburger Bark „Anna“, Kapt. A. Meyer.
Am 16. September 1879, dem 11. Tage der Reise, verliefs die von
Hamburg nach Rio de Janeiro bestimmte Bark „Anna“ die Kanalmündung.
Leichte nordöstliche Winde, die für längere Zeit vorherrschend blieben, führten
von hier aus das Schiff in mäßiger Fahrt nach Süden. In der Nähe von