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standen. Die Temperatur lag im südlichen Frankreich (7*a. m.) zwischen 15°
and 20°, im nördlichen Frankreich (7* a. m.) und auf der Südhälfte Centraleuropa’s
(8b a. m.) zwischen 10° und 15°, in einem schmalen Streifen, der sich von Süd-
irland ostwärts durch Holland und Mitteldeutschland nach Oesterreich erstreckte,
zwischen 5° und 10°, über Schottland, der südlichen Nordsee und Nord-
deutschland zwischen 0° und 5°, während in Südnorwegen und Westjütland
leichtes Frostwetter herrschte.
Das Gebiet mit intensiven Niederschlägen, welches sich bis zum 26. über
den Eingang des Kanals ausgedehnt hatte, erstreckte sich jetzt über Süd-
britannien, Nordfrankreich, das südliche Nordseegebiet und das ganze westliche
Deutschland. In den letzten 24 Stunden waren daselbst beträchtliche Nieder-
schläge gefallen, in La Heve 23, Cherbourg 40, Brest 23, Mathieu 27, Ouessant
60, Vliessingen 25, Kaiserslautern 20, Altkirch 25 und in Friedrichshaven 32mm
Regen. Da schon seit längerer Zeit fast anhaltendes Regenwetter geherrscht
hatte, so mufsten diese aufserordentlichen Niederschläge zu Ueberschwemmungen
Veranlassung geben, die auch in der That aus vielen Distrikten Englands,
Frankreichs und Deutschlands gemeldet wurden. ;
„Mit Eintritt des Sturmes am 26. Abends“, so heilst es in einer Zeitungs-
korrespondenz aus London, „traten fast im ganzen Lande gewaltige Regengüsse
ein, welche in den tiefer gelegenen Gegenden auf Meilen weit Ueberschwem-
mungen verursachten, so dafs in manchen Dörfern und Städten der Strafsen-
verkehr mit Nachen bewerkstelligt werden mufste, und Reisende nur mit diesem
Beförderungsmittel die Bahnhöfe erreichen konnten. An mehreren Orten, z. B.
in Leeds, mufsten die Fabriken ihre Arbeit einstellen. An anderen hörte die
Gasbeleuchtung auf, weil die Gasfabriken unter Wasser standen. In Nord-
Wales, wo Regen- und Schneefälle einander ablösten, ist durch Wegwaschen
des Dammes der Eisenbahnverkehr an mehreren Stellen unterbrochen. In der
nächsten Umgebung Londons hat der Regen. weniger Schaden als der Sturm
angerichtet. Dieser hat seine Wuth hauptsächlich an Gärten und Treibhäusern
ausgelassen; aber von vielen Punkten der Küste werden auch traurige Schiff-
brüche gemeldet, durch welche, Dank den Anstrengungen der Rettungsboote,
nur verhältnifemäfßsig geringe Verluste an Menschenleben verursacht wurden.
Der Verkehr zwischen Dover und Calais erlitt gestern erhebliche Verspätungen,
während der zwischen Folkestone und Boulogne und zwischen Southampton und
den Kanal-Inseln gänzlich unterbrochen werden mufste. Das am Mittwoch im
Sund von Plymouth angekommene westindische, sowie das Hamburg- Amerikanische
Postschiff mufsten dort liegen bleiben und konnten auch gestern Abend sich
aoch nicht hinauswagen. Die ebendaselbst liegende deutsche Korvette „Hertha“
rifs eines ihrer Kabel entzwei, verlor einen Anker und mufste unter Dampf gehen,
ebenso wie das Kanonenboot „Möve“ und die englischen Kriegsschiffe „Agincourt“,
„Northumberland“ und „Tourmaline“, Letztere lielsen aufserdem die oberen
Theile ihrer Masten abnehmen. In dem Firth of Forth, im Tay und im Tyne
liegen ebenfalls förmliche Flotten von Schiffen fest, Seit gestern Abend scheint
das Unwetter allenthalben etwas nachgelassen zu haben. In London hatten
wir heute sogar Sonnenschein.“
Im Laufe des Tages fiel im Südwesten der britischen Inseln das Baro-
meter langsam, aber beständig, während im westlichen Deutschland und an der
östlichen Nordsee der Luftdruck sich um einige Millimeter erhob. Hierdurch
wurden die Gradienten über den britischen Inseln und Nordfrankreich bedeutend
verstärkt, und auch auf letzterm Gebiete frischten bis zum Abend die Winde
stellenweise bis zum vollen SW-Sturme auf, während über Irland und Nord-
england schwere Oststürme wütheten. Ueber Nordschottland dagegen, wo die
Luftäruckdifferenzen noch nicht bedeutend waren, wehten nur schwache Winde
aus nördlicher Richtung. Vereinzelt traten in der Nacht nur an der südlichen
Nordsec stürmische südöstliche Böen auf, so in Norderney, Nesserland und
Wilhelmshaven.
Am 28. Okt. 8 Uhr Morgens lag das Minimum mit etwas zunehmender
Tiefe über dem Bristol-Kanal. Das Barometer war in einem breiten Streifen von
der nördlichen Nordsee südostwärts bis über die Alpen hinaus gefallen, sehr
stark im südlichen Nordseegebiete, dagegen westlich und östlich davon ge-