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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

Eine vortreffliche, sehr umfassende und eingehende Untersuchung über 
den Werth dieser Vorausbestimmung finden wir in der Arbeit N. Hoffmeyer’s: 
„Etude sur les tempetes de Vl’Atlantique septentrional et projet d’un service 
telegraphique international relatif a cet ocean“, welche in den „Ann, d. Hydr. etc.“ 
1880, pag. 292—306, eingehend diskutirt worden ist. Wir verweisen hier vor- 
nehmlich auf die a. a. 0. pag. 301—303 theils wörtlich, theils dem hauptsächlich- 
sten Inhalte nach wiedergegebenen Meinungsäufserungen und Schlufsfolgerungen 
Hoffmeyer’s und erwähnen hier nur noch die vom Verf. sehr richtig gemachte 
Bemerkung, dafs die gröfste Anzahl der Minima, welche von den Vereinigten 
Staaten nach Europa kommen, schon bald den 50sten Breitegrad überschreiten, 
so dafs diese Minima von den zwischen Europa und Amerika auf gewöhnlicher 
Route verkehrenden Dampfern nur unvollkommen beobachtet werden können, 
ja diese Route zu weit südwärts der Bahnen der Minima liegt. — Die Stö- 
rungen, auf welche diese Schiffe am häufigsten stofsen, sind Theilminima, die 
auf der Südseite der Hauptminima entstehen, aber diese partiellen Bildungen 
gehören einer Klasse Störungen an, die im Allgemeinen weniger zu fürchten 
sind, als die anderen Minima, die über den Atlantischen Ocean hinwegziehen: 
30 erreichten während 21 Monaten von 34 Minima blofs 19 (56 °%o) Europa, 
and unter diesen 19 waren nur 10 (29 %) von stürmischen Winden begleitet. 
Der in den Annalen ete., 1880, pag. 303—306, mitgetheilte motivirte 
Antrag Hoffmeyer’s, die Herstellung einer telegraphischen Verbindung mit den 
Järder, Island, Grönland und den Azoren, wurde auch auf der am 3. April 1880 in 
Aamburg tagenden Konferenz der Vorstände deutscher meteorologischer Central- 
stellen als eine Angelegenheit von grofsem internationalem Interesse betrachtet 
und das deutsche Mitglied des internationalen meteorologischen Komitee’s, Herr 
Prof. Dr. Neumayer, ersucht, die Verfolgung dieser Angelegenheit durch das 
Komitee zu beantragen. 
Am 25. Oktober Morgens, als über den britischen Inseln noch hoher 
Luftdruck lag und wenigstens über der Südhälfte derselben noch schwache 
Luftbewegung herrschte, lag das erwähnte Minimum ungefähr auf 45° N-Br und 
25° W-Lg und gab insbesondere in der Umgebung des 50. Breitegrades und 
zwischen 10° und 30° W-Lg Veranlassung zu Oststürmen mit heftigen Regen- 
böen, die bis zum folgenden Tage anhielten. — Am 26. Morgens war das 
Minimum bis zu 48° N-Br und 20° W-Lg fortgeschritten, und während im 
Ocean auf der Ost- und Nordseite die stürmische Witterung fortdauerte, machte 
zich sein Einflufs auf die europäischen Küsten bereits geltend: im Westen war 
das Barometer äufserst stark gefallen, in den letzten 24 Stunden auf den 
Seilly’s um 22, in Brest 17, in Boulogne 11mm; gleichzeitig waren an der 
französischen Küste die Winde nach S und SW gedreht, über Irland und 
Südwestengland nach E und wehten daselbst bereits stark bis stürmisch. Auch 
die starke Erwärmung an der französischen Küste, die sich rasch Oostwärts 
über das Binnenland ausbreitete, deutete auf einen lebhaften Lufttransport 
aus südlichen Gegenden. Der Dampfer „Berlin“, welcher sich auf 49!/„° N-Br 
and 22°—21° W-Lg befand, hatte am Abend orkanartige Böen aus ENE aus- 
zuhalten. 
Am 27. Morgens (vgl. die zur Orientirung beigefügten Wetterkärtchen) 
erstreckte sich eine Furche niederen Luftdruckes mit trübem regnerischem 
Wetter vom Südwesten der britischen Inseln ostwärts über Nordcentraleuropa 
anch dem nordwestlichen Russland. und schien die Bahn des Minimums zu be- 
zeichnen, welches jetzt an der Südwestküste Irlands lag und sich durch Sturm 
und heftige Regengüsse auf der Wetterkarte besonders hervorhob. Aufserdem 
lagen in dieser Furche niederen Drucks noch zwei Depressionen: eine schwach 
entwickelte über Centraldeutschland, eine andere am rigaischen Busen, welche 
Tags vorher über Dänemark gelegen hatte und in Begleitung von vielfach 
stürmischen Regenböen und Gewittern rasch ostnordostwärts fortgeschritten war. 
Unter dem Einflufs der Depression an der Südküste von Irland wehten über 
[rland voller Oststurm, am Kanal aber frische südwestliche Winde, während über 
Schottland und Westengland nur schwache Luftbewegung herrschte. 
Auch die Temperaturvertheilung bot einige, von den normalen Verhältnissen 
bemerkenswerthe Abweichungen, die unter direktem HEinflusse des Minimums
	        
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