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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

Kap Wilceek während der ganzen Sommerszeit von Juni bis August auf 1,5m 
schätzen, und zwar an einem Orte, der nach der Tabelle II die geringste bis 
jetzt beobachtete Sommertemperatur besitzt. 
8. Alle mehr oder weniger allgemeinen Bemerkungen der verschiedenen 
arktischen Reisenden über das Abschmelzen des Eises im Sommer bestätigen 
die von Weyprecht direkt nachgewiesene Thatsache, dafs das Eis sehr rasch 
an Dicke abnimmt, sobald nach dem Eintritte des Sommers das Thauen in voller 
Kraft begonnen hat und die das Eis bedeckende Schneehülle weggeschmolzen 
ist, wodurch das Eis mit der Luft selbst immer mehr in direkte Berührung 
kommt (vgl. Weyprecht a. a. O0. pag. 82—92 u. 144). 
9. Eine andere Ursache der Abnahme des Eises von oben nach unten 
bildet die Verdunstung, welche ebenfalls rascher vor sich geht, sobald das Eis 
mit der Luft frei in Berührung steht. So hat ein von Weyprecht vom 
1. Oktober 1873 bis 17. Mai 1874 der Einwirkung der Sonne und der freien 
Luft ausgesetzter Eiswürfel allein durch die Verdunstung an Procenten seines 
ursprünglichen Gewichtes verloren: 
Vom 1. Oktober 1873 bis 1. Dezember 1873: 5,2 0/0 
Dezember „ „ 17. Januar 1874: 2,1 
Januar 1874 „ 15. März » 12 
März » „ 19. April ” 11,8 
1, April „ 1%. Mai ” 38,0 
„Dieser Verlust durch Verdunstung kommt aber dem KEise selbst wenig 
zu Gute, da Alles derart in Schnee gehüllt ist, dafs nur vereinzelte Zacken 
and Flächen von Eis mit der Luft in Berührung stehen“ (vgl. a.a.O. pag. 81). 
10. Der durch die zersetzenden und abspülenden Eigenschaften des 
Wassers hervorgebrachte Verlust der Mächtigkeit des Eises von unten her ist 
yegen den durch das Schmelzen von oben her im Laufe des Sommers ver- 
anlaflste verschwindend klein. 
11. Für fast alle Gegenden des arktischen (und noch mehr des antarktischen) 
Gebietes kann man den Satz aufstellen, dafs das Eis durch Gefrieren nur so 
weit anwachsen kann, bis seine Zunahme im Winter gleich der Abnahme im 
Sommer ist. Ueber diese Grenzen hinaus ist das Fortschreiten der Eisbildung 
durch Gefrieren unmöglich (vgl. Weyprecht a. a. O0. pag. 131). 
12. Die Maximaldicke des durch Gefrieren gebildeten Eises (vgl. 
sub 2) hängt in erster Linie von der Temperatur der Luft und des Wassers 
und in zweiter von der Menge des im Sommer zum Schmelzen gebrachten Eises 
ab. Sie wird also für verschiedene Gegenden verschieden sein. In jenen Oert- 
lichkeiten, wo entweder die allgemeine Wasserbewegung durch lokale Boden- 
verhältnisse gehindert, oder mindestens verlangsamt ist, oder wo lokale meteoro- 
logische Einflüsse die Sommertemperatur erniedrigen und dadurch die Menge 
des während des Sommers schmelzenden Eises vermindern, wird das Eis eine 
gröfsere Dicke erreichen, als an jenen Orten in der Nähe ausgedehnter Meeres- 
theile, welche in freier Kommunikation mit südlicher gelegenen Meeren stehen, 
oder wo die Temperatur des Wassers durch den Einflufs warmer Strömungen 
erhöht wird. 
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Fortsetzung folgt im nächsten Heft.)
	        
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