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3aich in der Richtung Südost—Nordwest 3 Kbly weit ausdehnt, zusammen-
stöfst, befindet sich der Ankerplatz. Die Schiffe liegen hier eine Kblg vom
Strande und ebenso weit von den innersten Felsen der Landspitze entfernt,
gerade gegenüber den 50 Häusern oder vielmehr Hütten, welche den Ort Pan
de Azucar bilden. Die Wassertiefe beträgt etwa 20m. Der Grund fällt sehr
steil ab, so dafs, wenn ein Schiff nach Westen geschwait liegt, sich schon 30
bis 40m Wasser unter seinem Kiel befinden. Kine viertel Seemeile außerhalb
des Ankerplatzes beträgt die Wassertiefe schon 55 bis 70m. Schiffe, welche
zu wenig Kette aushaken, laufen Gefahr, mit den von Sonnenaufgang bis 9*
Morgens wehenden starken Landwinden nach See zu treiben.
Mit Voll- und Neumond läuft eine ziemlich bedeutende Dünung von West
and Nordwest in die Bucht hinein und wird dadurch das Löschen bisweilen
unterbrochen. Auch die Entlöschung der „Ela“ erlitt auf diese Weise eine
Verzögerung. Es wäre wohl möglich gewesen, die Leichter längsseits zu halten,
aber diese konnten nicht an die Landungsbrücke legen, um ihre Ladung ab-
zuliefern. Die Nordwinde sollen hier nur selten und in mäfsiger Stärke wehen.
Ihr Auftreten verursacht jedoch eine sehr hohe Dünung aus NW.
Der ganze Handelsverkehr ist in den Händen eines einzigen englischen
Hauses, welches Steinkohlen bezieht und Kupfererz verschifft. Ein Schmelz-
werk, welches sich in der Nähe der Bucht befindet, ist nicht mehr im Betrieb.
Trinkwasser giebt es nur condensirtes, und dasselbe ist theuer, Frisches Fleisch
ist ebenfalls hoch im Preise und schwierig zu erhalten, da es von der 30 Sm
entfernten Niederlassung bei den Kupferminen bezogen werden mulfs.
Alle Kompafsrichtungen sind mifsweisend angegeben.“
9. Flaschenpost. a) Von S. M. S. „Bismarck“, Kapt. z. See Deinhardt,
wurde am 2. September 1880 um 1" p.m. auf der Reise von Valparaiso nach
Plymouth, in 9° 14‘ 30“ N-Br und 26° 1‘ 30” W-Lg eine nicht mit Sand be-
zchwerte Flasche über Bord geworfen; diese Flasche ist am 2%. Februar 1881
im Golf von Guinea am Strande, in der Nähe des zerstörten Apollonia-Forts,
in 4° 58‘ N-Br und 2° 36‘ W-Lg von einem Zollbeamten, Mr. J. Ahinaquab,
beim Antreiben gefunden worden. Der in der Flasche befindliche Zettel ist
vom Finder durch den Kommandanten des Awıim- Forts, Mr. R. E. Fimengel
eingesandt worden. Hieraus ergiebt sich, dafs ‚unter den bekannten Voraus-
zetzungen die Flasche in 152 Tagen 19 Stunden ca 1419 Sm in der Richtung
rw 879° 35‘O, mithin ca 9'/4 Sm in 24* zurückgelegt hat.
b) (D.S.). Durch Vermittelung des Deutschen Konsulats in Maceio (Bra-
silien) ist der Seewarte ein Flaschenpostzettel zugegangen, welcher von der
Deutschen Bark „/ndra‘, Kapt. P. C. Wilder, auf der Reise von Hamburg nach
Rangoon am 25. November 1880 auf 9° 20‘ S-Br und 34° 15‘ W-Lg über Bord ge-
worfen und am 14. Dezember 1880 auf 10° 28‘ S-Br und 36° 22‘ W-Lg vor dem Rio
de S. Franzisco an der Küste von Brasilien von dem Lotsen Jovenco Ferreiro
Leite aufgefunden wurde.
Unter den bekannten Voraussetzungen hat die Flasche in 19 Tagen 142,4
Sm in der Richtung SWzW '/2W zurückgelegt.
Gedruckt und in Kommission bei E. S. Mittler & Sohn,
Königliche Hofbuchhandlung.
Kochstrafse 69/70.