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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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Auch war der Zustand der See noch derart wild und unregelmäßig, dals es 
ubermals zu gefährlich erschien, das Lenzen fortzusetzen, und mufste daher um 
3 Uhr Abends zum zweiten Male beigedreht werden. 
Die höchste See, durch welche das Schiff, während es zum zweiten Male 
lenzte, oft vollständig überfluthet wurde, lief aus SW, und gerade sie zwang 
zum Beidrehen. Während der Nacht mäfsigte sich die Heftigkeit des Sturmes 
und legte sich auch etwas die hohe unregelmäfsige Sce, und als um 6 Uhr 
Morgens am 25. September, vor aus Ost wehendem Sturme nochmals abgehalten 
wurde, war alle Gefahr vorüber, Auch an diesem Tage regnete es noch heftig 
und ununterbrochen, und findet sich im Journale die Bemerkung, dafs nie zuvor 
zoleh anhaltender Regen beobachtet worden sei, wie während der letzt verflos- 
senen Tage. Erst am 26. September, als wieder westlicher Wind wehte, wurde 
der Himmel heiter. Der gänzlich gestörte Passat stellte sich erst am 28. Sep- 
tember in 20° N-Br und 147° W-Lg wieder ein. 
Dieser Orkan erreichte, einige Tage später als er den „R. C. Wylie“ 
verlief, die Hawatische Inselgruppe. Er trat hier in weit geringerer Stärke 
auf; dennoch aber wurden in der Nähe dieser Inseln noch verschiedene Schiffe 
durch denselben beschädigt. Ein englisches Schiff verlor den Fockmast; und 
das englische Kriegsschiff „Ringdove“ wie der von Australien kommende Post- 
dampfer wurden durch denselben gefährdet und mufsten seinetwegen beidrehen. 
Dagegen beobachtete ein von St. Francisco nach Honolulu segelndes Packet- 
schiff den Orkan zwar auch, doch war die Stärke des östlichen Windes dort 
nicht so grofs, um vor ihm nicht ohne Gefahr lenzen zu können, 
Vergleichende Uebersicht der Witterung des Monats Dezember 1880 
in Nordamerika und Centraleuropa. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
Nach der „Monthly Weather Review“ des „Signal Office“ in Washington 
und der von der Deutschen Seewarte herausgegebenen Uebersicht der Witterung 
stellen wir im Folgenden die Hauptzüge im Witterungs-Charakter des Monats 
Dezember 1880 in Nordamerika und Centraleuropa einander gegenüber, 
Centraloeuropa. 
1. Die grofse Zahl barometrischer 
Minima, häufig von bedeutender Tiefe, 
welche die Nordhälfte Europa’s durch- 
zogen: den Westen in ostnordöstlicher, 
den Osten in ostsüdöstlicher Richtung. 
Die Depressionen des Mittelmeeres 
waren selten und unbedeutend. 
Nordamerika. 
1. Die mäfsige Anzahl barometri- 
scher Minima, welche theils das nörd- 
liche Gebiet ostwärts durchzogen, 
\heila der atlantischen Küste entlang 
nordostwärts sich bewegten. Hervor- 
zuheben ist die ungewöhnliche Zahl 
der Minima, welche an der pacifischen 
Küste zuerst erschienen und meist das 
ganze Gebiet in langen Bahnen durch- 
zogen. ; 
2, Der im Allgemeinen etwas zu 
niedrige Luftdruck. Das Gebiet höch- 
sten Luftdrucks lag etwas mehr west- 
wärts, denn gewöhnlich, und erstreckte 
sich über den gröfsten Theil des Ge- 
bietes vom Mississippi-T’hal bis zu den 
östlichen Bezirken des Felsengebirges. 
2. Der starke mittlere Gradient 
in südnördlicher Richtung: im Alpen- 
gebiete betrug der mittlere Barometer- 
stand etwa 765mm, in Dänemark 751 
bis 754mm. In der ersten Dekade war 
der Luftdruck durchschnittlich 13 bis 
15mm höher, als in den beiden letzten 
Dekaden.
	        
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