159
Im Südatlantischen Ocean wehte bis nach 13° Süd frischer, südlich von
dieser Breite flauerer Passat und in 17,2° S-Br und 36,5° W-Lg, wo der Luft-
druck 760,6 mm betrug, lag die polare Passatgrenze. Nachdem sie überschritten
worden war, fand „Aeolus“ zunächst nordöstliche Winde, und nachdem der ganz
schwach gewordene Wind durch Nord, West und Süd gedreht war, wieder für
längere Zeit südöstlichen Wind. Ein in derselben Weise erfolgendes Umlaufen
des Windes wurde später noch zweimal beobachtet und erst südlich von
32° S-Br wurden längere Zeit anhaltende Westwinde angetroffen. Am 25, De-
zember wurde die Rhede von Montevideo erreicht, Die Dauer der Reise vom
Kanale ab war 55 Tage. Inu Südbreite waren 21 derselben zugebracht worden,
und hatte man dort 10° in 33,5° W-Lg am 8. Dezember, 20° in 36,7° W-Lg
am 12. Dezember und 30° in 45° W-Lg am 19. Dezember gekreuzt.
Am 6. Februar 1880 verliefs die in Ballast geladene Bark Montevideo
wieder, um nach dem in Chile gelegenen Hafen Coronel zu segeln. Bei mäfsigen
westlichen Winden, welche nördlich von 44° S-Br wiederholt von Windstille
unterbrochen wurden, gelangte man bis zum 17. Februar nach 50° S-Br in
63,5° W-Lg und durchsegelte am 21. Februar die Strafse le Maire. Bei der
Umsegelung des Kap Horn wurden zunächst anhaltend aus westlicher Richtung
wehende Winde angetroffen, Dieselben waren zwar nicht übermälsig stürmisch,
erlaubten aber keinen befriedigenden Fortgang, weil sie ihre Richtung selten,
und dann nur für kurze Zeit nach einer hoch nördlich oder südlich liegenden,
veränderten, auch eine beständige Gegenströmung zu überwinden war. Einen
sehr heftigen, fast orkanartigen Sturm überstand man am 1. März in der Nähe
von 60,5° S-Br und 69,5° W-Lg. Der niedrigste während dessen Dauer beobachtete
Luftdruck war 737,0mm. Am Tage nach diesem Sturme erhielt „Aeolus“ gün-
stigen Ostwind, der das Schiff in zwei Tagen nach 79° W-Lg brachte, und bei
den später herrschenden Westwinden erreichte man am 8, März in 81,3° W-Lg
den Parallel von 50° Süd. Es waren südlich desselben 18 Tage zugebracht
worden. Dio Länge des Kap //orn hatte „Aeolus“ in 57,3° S-Br am 27. Februar
geschnitten. Recht ungünstige Verhältnisse wurden noch auf dem Wege von
5Q° S-Br zum Bestimmungsplatze angetroffen. Nordwestliche und nördliche
Winde waren dort die vorherrschenden und konnte man erst am 18. März nach
einer Reise von 42 Tagen die Coronel-Rhede, deren südlicher, Ankergrund be-
sitzender Zugang, wie Kapt. Reiners bemerkt, zur Zeit des südlichen Sommers
stets benutzt werden sollte, erreichen.
Von Coronel versegelte „Aeolus“ nach Talcuhano, und nachdem hier das
Schiff eine Ladung Weizen eingenommen hatte, ging es am 29, April wieder in
See, um eine Reise nach Buenos Ayres anzutreten. Bei leichtem südlichen
Winde lag man über St. B.-Bug segelnd zunächst vom Lande ab, traf aber schon
am 1. Mai nordwestlichen Wind, der das Verfolgen eines Südkurses möglich
machte. Man kKkreuzte 40° S-Br in 78,4° W-Lg am 4. Mai und gelangte am
8. Mai in 78,8° W-Lg südlich von 50° S-Br. Bis soweit war der Verlauf der
Reise ein günstiger, nun traf man aber so anhaltend aus östlicher Richtung
wehende Winde, dafs nicht weniger als 11 Tage erforderlich waren, um vom
letzteren Punkte aus die Länge des Kap Horn zu erreichen. Am 19. Mai
überschritt die Bark diesen Meridian, und traten im Atlantischen Ocean dann
un Stelle der bis dahin wehenden Ostwinde nordwestliche Winde, bei denen
ein befriedigender Fortgang zu erzielen war. Heftige Stürme waren in der
Nähe des Kap Horn nicht angetroffen worden. Die Falklands-Inseln an ihrer
Ostseite in geringer Entfernung umsegelnd, wurde später der Weg bei fast nur
aus nordwestlicher Richtung kommendem mäfsigem Winde fortgesetzt. In der
Nähe der La Plata-Mündung kamen leichte nordöstliche Winde durch, welche
die Bark bis zum 6. Juni zur Rhede von Buenos Ayres führten. Die Reisedauer
betrug 36 Tage. Während derselben hatte man 40° S-Br in 55,6° W-Lg am
31. Mai gekreuzt. Nach Entlöschung der Weizenladung und Einnahme einer
neuen Ladung verliels „Aeolus“ Buenos Ayres wieder, um nach Europa zurück-
zukehren. Am 8. September befand man sich in der Nähe der Lobos-Insel,
von wo aus bei hoch nördlichem, später bei westlichem Winde ostwärts gesegelt
wurde. Unweit 48° W-Lg in 33,5° S-Br drehte der hier heftig wehende Wind
durch Süd nach SE und hielt sich der später nordöstlich laufende Wind dann
längere Zeit in östlicher Richtung. Oestlich von 40° W-Ley waren wieder