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Am 21. Februar 1880 verliefs „J. F. Mann“ die Rhede von Negrül auf
Jamaika, um die Rückreise nach Europa anzutreten. Bei hoch nördlichen und
östlichen Winden durchsegelte. man das Karatbische Meer und gelangte am
26. Februar in die Nähe der Westspitze Cubas. Nördlich von dieser Insel,
gegen frischen Passat ostwärts kreuzend, erreichte die Bark am 3, März den
Meridian von 80° West und passirte dann schon am nächsten Tage die Enge von
Bemini. Hier drehte der schon vorher südlich gewordene Wind durch Süd nach
SW und bei letzterem Winde schlug Kapt. William im offenen Ocean dann
gleich einen sehr östlichen Kurs ein. Er gerieth dadurch auf eine Route, auf
welcher er wohl von Stürmen verschont blieb, auf der er aber eine rasche Reise
auszuführen kaum erwarten konnte. Leichte Westwinde, die bei einem ziemlich
beständigen Luftdrucke von 770mm herrschten, walteten zwar vor, doch waren
dieselben immer sehr flau, und Mallung und Stille wurde sehr häufig beobachtet,
Erst am 20. März gelangte das Schiff in 52° W-Lg nördlich von 30° N-Br, am
31. März befand es sich in Sicht der Insel Graciosa in der Azoren-Gruppe und
am 8. April war die Länge der westlichsten Scilly-Insel erreicht. Hier ange-
troffener Ostwind verursachte noch wieder eine Verzögerung der Reise, und erst
am 15. April befand man sich in Sicht der Lizard-Thürme. Zur Zurücklegung
der Fahrt waren 54 Tage erforderlich gewesen, und während dieser Zeit hatte
man 70° W-Lg in 29,5° N-Br am 9. März, 60° W-Lg in 29,4° N-Br am 15. März,
50° W-Lg in 30,9° N-Br am 21. März und 30° W-Lg in 38,3° N-Br am 30. März
geschnitten.
Am 2. Juni befand sich die, nun auf einer Reise von Goole nach Tonala
begriffene, Bark wieder in der Nähe der Kanalmündung. Bei nördlichen und
westlichen Winden segelte man von hier südwärts und konnte einen ziemlich
befriedigenden Fortschritt erzielen. In der Nähe von 34° N-Br und 23,4° W-Lg
herrschte, bei einem Lufidrucke von 771,2 mm, an einem Tage Windstille. Auf
dieselbe folgte leichter Westwind, welcher bald nördlich holte und aus döm sich
in der Nähe von 32,0° N-Br in 24° W-Lg der Passat entwickelte. Von mäfig
starkem, sehr beständigem Winde getrieben, wurde dann die Fahrt über den
Ocean vollendet, und am 29, Juni befand der „J. I. Mann“ sich in Sicht der
Insel Guadeloupe. Auch im Karaibischen Meere herrschte mäfsiger beständiger
Passat, von welchem die Bark bis zum 6. Juli in Sicht der Insel Jamaika und
bis zum 12, Juli zum Kap Catoche, der Nordostspitze der Halbinsel von Yuka-
tan geführt wurde. Hier endete derselbe, und bei ganz leisem, veränderlichem,
östlichem Winde mufste man den letzten Rest des Weges zurücklegen. Am
17, Juli konnte auf der Rhede von Tonala geankert werden. Die Reise war
von Lizard ab in 45 Tagen vollendet worden, und während derselben hatte
man 40° N-Br in 20,4° W-Lg am 8. Juni, 30° N-Br in 25,7° W-Lg am 14. Juni
und 20° N-Br in 46,5° W-Lg am 23. Juni, — ferner 30° W-Lg in 26,7° N-Br.
am 16. Juni nnd 50° W-Lg in 18,7° N-Br am 25. Juni gekreuzt.
8. Reise der Bremer Bark „Melusine“, Kapitän Th. Pflieger.
Während einer Reise von Cardıff nach Singapore überschritt am 15. No-
vember 1879 die Bark „Melusine“ den Parallel von 50° Nord. Gleichzeitig mit
diesem Schiffe, am Mittage des erwähnten Tages nur etwa 45 Sm südöstlich von
„Melusine“ entfernt stehend, verliefs die auf derselben Reise begriffene eiserne
Bark „Canopus“ jene Breite, und verfolgten dann beide Schiffe bei den in früheren
Reiseauszügen erwähnten Verhältnissen ihren Weg nach Süden. Am 25. Novem-
ber beobachtete „Melusine“ in 33° N-Br und 24,3° W-Lg stürmisches Wetter
aus nördlicher Richtung, bei einem um 4 Uhr Nachmittags erreichten niedrig-
sten Luftdruck von 746,4mm, während zur selben Zeit „Canopus“ in 30° N-Br
und 21,5° W-Lg stürmischen WSW-Wind und ein Sinken des Luftdrucks bis
auf 747,3 mm beobachtete. Beide Schiffe befanden sich in nächster Nähe des
Centrums einer Herbstdepression dieses Meerestheils, und nahm hier „Melusine“
entschieden den günstigeren Standpunkt der beiden Schiffe ein. Infolge der
später folgenden raumeren Westwinde wurde „Melusine“ dann auch nicht, wie
„Canopus“, nach Osten abgedrängt. Am 28. November befand sich die hölzerne
Bark in 25,1° N-Br und 25,9° W-Lg, die eiserne dagegen in 23,6° N-Br und
21° W-Lg. Bis so weit hatte „Melusine“ noch nicht viel verloren; nach dieser
Zeit traf diese Bark aber eine weit schlechtere Gelegenheit, als „Canopus“ sie