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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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westlicher Richtung sprang, wurde am 22, und 23. Januar unweit 47° S-Br 
und 80° O-Lg überstanden. Der Luftdruck sank in diesem Falle bis auf 
735,1 mm. 
Am 10. Februar gelangte „Border Chief“ in Sicht der Küste Australiens. 
Dort angetroffener leichter Ostwind verzögerte dann noch die Reise um einige 
Tage, bis es schlielslich am 14. Februar gelang, den Hafen von Melbourne zu 
erreichen. Die Reisedauer vom Kanale ab betrug 87 Tage. Auf dem in öst- 
licher Länge verbrachten Reiseabschnitte, war 80° O-Lg in 47,1° S-Br am 
22. Januar und die Länge vom Kap Leeuwin in 44,6° S-Br am 30. Januar ge- 
kreuzt worden. 
Kapt. Schierloh fügt dem Schlusse der Hinreise die Bemerkung hinzu, 
Jafs die seinige von allen Reisen der in letzter Zeit in Melbourne angekommenen 
englischen Schiffe die kürzeste sel. 
Am 8. April verliefs „Border Chief“ den Hafen von Melbourne wieder, 
um nach London zurückzukehren. Leichte östliche Winde verzögerten den An- 
fang dieser Reise, und erst am 14. April gelangte das Schiff östlich von 150° 
O-Lg. Dort angekommen, wurde bei aus nordöstlicher Richtung wehendem Winde, 
ein südlicher Kurs eingeschlagen, auf welchem man in kurzer Zeit in die Nähe 
von 50° S-Br gelangte. Sich dort haltend, segelte „Border Chief“ dann nach 
Osten. Die hier angetroffenen Winde waren vorherrschend westliche oder hoch 
südliche, dagegen traten aus nördlicher Richtung kommende Winde seltener 
auf. Zwei sehr heftige Stürme wurden überstanden; beide hegannen aus hoch 
nördlicher Richtung und endeten aus südlicher. Der erste ereignete sich am 
26. und 27. April in der Nähe von 49,5° S-Br in 152° W-Lg; starke elektrische 
Entladungen begleiteten denselben, und das Ausschiefsen erfolgte, nachdem der 
Lufturuck bis auf 721,6 mm gefallen war. Den zweiten erlebte man am 2. und 
3. Mai unweit 49,6° S-Br und 121° W-Lg. Der Wind begann hier, während 
vs schon stürmte, zu krimpen und nahm dann so rasch an Stärke zu, dafs es 
unmöglich war, die Segel schnell genug zu bergen. Infolge der orkanartigen 
Windstärke ging ein grofser Theil derselben verloren. Der bis NNE gekrimpte 
Wind lief westlicher, als das Barometer bis 723,1 mm gesunken war, und später 
folgte, wie nach dem ersten Sturme, stürmische Hagelböen herbeiführender SW- 
Wind. Oestlich von 72° W-Lg, also in der Nähe. des Kap Horn, fand 
„Border Chief“ östlichen Wind, wie er zur Winterszeit dort nicht selten ist. 
In diesem Falle wurde durch den stürmisch wehenden Wind die Reise an 
3 Tagen bedeutend verzögert. 
Am 20. Mai passirte „Border Chief“ die Länge des Kap Horn. Es 
waren bis dahin 42 Tage auf See verbracht und während dieser Zeit 180° 
Lg in 50° S-Br am 22. April, 150° W-Lg in 496° S-Br am 27. April, 
120° W-Lg in 49,8° N-Br am 3. Mai und 90° W-Lg in 51,2° S-Br am 10. Mai 
geschnitten worden. Nahezu gleichzeitig mit „Border Chief“ kreuzten die Mit- 
segler „Wandrahm“ und „Peter Godeffroy“ die Länge des Kap Horn. Diese 
Schiffe hatten im Stillen Ocean bedeutend an Zeit verloren gegen den „Border 
Chief* und zwar anscheinend aus dem Grunde, weil dieses Schiff sich im Stillen 
Ocean möglichst lange in der Nähe von 50° S-Br hielt, wo das Auftreten der 
östlichen Winde von viel kürzerer Dauer war, als sie die Mitsegler unweit 
55° S-Br antrafen. 
Im Atlantischen Ocean wehten die Winde zunächst fast nur aus west- 
licher Richtung. Sie veränderten sich wiederholt von Nordwest nach Südwest 
und wehten besonders aus jenem Quadranten in unerwünschter Stärke. Aufser- 
gewöhnlich begünstigt wurde die Reise durch die Art und Weise, wie der 
UÜebergang in das Gebiet des SE-Passats erfolgte. Der von 38,5° S-Br her 
stürmisch aus SW wehende Wind veränderte nämlich, ohne an Stärke abzu- 
zehmen, unweit 31,5° S-Br in 27,3° W-Lg seine Richtung nach SE und wurde 
zum kräftigen Passat. Am 13. Juni verliels in 23,4° W-Lg „Border Chief“ 
die südliche Halbkugel, auf welcher man vorher 50° S-Br in 42° W-Lg am 
26. Mai, 40° S-Br in 30,5° -W-Lg am 1. Juni, 30° S-Br in 27° W-Lg am 
5. Mai, 20° S-Br in 26° W-Lg am 7. Mai und 10° S-Br in 24,7° W-Lg am 
10. Mai überschritten hatte. Um die Strecke zwischen Kap Horn und Linie 
zu durchsereln, waren nur 24 Tage erforderlich gewesen.
	        
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