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4. Reise der Stettiner Bark „Lucia“, Kapt. 6. 0. L. Ascher.
Am 2. April 1880 befand sich die auf einer Reise von Pillau nach New-
York begriffene Bark „Lucia“ in der Nähe von Fair Island. Bei stürmischen
Südwinden konnte von hier aus während der nächsten Tage nur langsam Fort-
schritt nach Westen hin erzielt werden. Günstiger wurden die Verhältnisse
erst, als man am 5. April stürmischen Wind aus SE antraf. Die Bark befand
sich. damals im nordöstlichen Quadranten einer Depression, denn nachdem bei
diesem südöstlichen Winde der Luftdruck bis auf etwa 734,0 mm gefallen war,
wurde die Windrichtung NE. Derselbe Vorgang wiederholte sich einige Zeit
darauf noch einmal, sonst waren mit Ausnahme der dadurch hervorgerufenen
Ostwinde die vorherrschend beobachteten Winde westliche. So lange wie
man sich östlich von 37° W-Lg aufhielt, war das Wetter häufig stürmisch; da-
gegen walteten westlich von dieser Länge meistens Winde von mäfsiger Stärke vor.
Besonders schwach waren die Winde, nachdem man am 1. Mai westlich von
der Neufundland Bank gekommen war, doch war hier die Windrichtung wieder-
holt eine günstige und konnte man sich deshalb dann dem Ziele in befriedigen-
der Weise nähern. Am 18. Mai wurde ein Ankerplatz in der Nähe von Sandy
Hook erreicht; es war also die Fahrt über den Ocean in 46 Tagen vollendet
worden. Während dieser Zeit hatte man 30° W-Lg in 56,2° N-Br am 15. April,
50° W-Lg in 44,3° N-Br am 1. Mai, 60° W-Lg in 42,2° N-Br am 8. Mai und
70° W-Lg in 40,3° N-Br am 15. Mai geschnitten. Am 30. April hatte „Lucia“
sich unweit 44,6° N-Br und 48,9° W-Lg in Sicht von mehreren Eisbergen be-
funden, zu einer Zeit, als die Temperatur des Meerwassers nahezu 0 Grad
betrug.
Sam 28. Juni ging „Lucia“ von New- York aus wieder in See, um nach
Danzig zurückzukehren. Bei fast nur aus westlicher Richtung kommenden
Winden wurde diese Fahrt über den Ocean in ruhiger Weise ausgeführt, ohne
dafs sich während derselben Erwähnenswerthes ereignete. Stürmisches Wetter
wurde nicht angetroffen, es waren im Gegentheil die beobachteten Winde
meistens unerwünscht flau und dem Fortgange der Reise wenig förderlich.
Man schnitt 70° W-Lg in 40° N-Br am 30. Juni, 50° W-Lg in 41,1° N-Br am
11. Juli und 30° W-Lg in 45° N-Br am 21. Juli. Am 1. August befand „Lucia“
sich in der Nähe von Lizard; die Reise bis dahin hatte eine Dauer von
34 Tagen.
5. Reise des Danziger Pinkschiffes „Admiral Prinz Adalbert“.
Kapt. L. Leibauer.,
Am 12. März 1880 befand sich der von London nach Pensacola be-
stimmte „Admiral Prinz Adalbert“ in der Nähe der Kanalmündung. Bei ver-
änderlichen, mäfsigen Winden, die bis nach 42,5° N-Br hin vorherrschend hoch
südliche oder südöstliche Richtung, nach Ueberschreitung dieses Parallels aber
westliche oder nördliche Richtung hatten, konnte von dort aus ganz befriedigen-
der Fortgang nach Süden erzielt werden. Unweit 27,5° N-Br in 21,5° W-Lg
erreichte das Schiff das Gebiet des Passates. Es erfolgte der Uebergang in
dasselbe, indem der frische, vorher aus NW wehende Wind durch Nord nach
NE drehte, ohne dafs eine Verzögerung der Fahrt dabei erfolgte. Innerhalb
des Passatgebietes fand „Admiral Prinz Adalbert“ sehr frischen beständigen
Wind, bei welchem die Fahrt über den Ocean in rascher Weise vor sich ging.
Am 12. April wurde der Kanal zwischen Guadeloupe und Antigua passirt und
das Karaibische Meer betreten. Auch in diesem trat der Passat zunächst noch
sehr kräftig auf. Zwischen Jamaika und Haiti fand man jedoch unbeständigen
leichten Wind und unter der Südküste Cuba’s nur flauen Passat.
Am 23. April umsegelte „Admiral Prinz Adalbert“ das Kap Antonio
die westlichste Spitze Cuba’s und nachdem bei vorherrschend südöstlichem Winde
der Golf von Mexiko gekreuzt worden war, ankerte man am 27. April im
Hafen von Pensacola. Die Reisedauer von der Kanalmündung her betrug
46 Tage. Während dieser Zeit war 40° N-Br in 14,6° W-Lg am 20. März,
30° N-Br in 18,3° W-Lg am 26. März und 20° N-Br in 31,5° W-Lg am
31. März; ferner 30° W-Lg in 20,5° N-Br am 31. März und 50° W-Lg in
15,9° N-Br am 8. April geschnitten worden.
Ann. d. Hydr., 1881. Heft 1I (Fehruar).