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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 9 (1881)

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NE und wieder zurück springend. Um 4* p.m. beobachtete man in geringer 
Entfernung vom Schiffe eine grofse Wasserhose, welche bei dem zur Zeit 
aerrschenden ESE-Winde sich nach nordwestlicher Richtung hin bewegte. 
Während der Nacht traten heftige, von ganz ungewöhnlich starken Regengüssen 
begleitete Gewitterböen auf. Um 4* a.m. des 6. November war bei ESE- 
Wind (6) der Luftdruck bis auf 749,3mm gesunken, und nach dieser Zeit begann 
lerselbe in solch aufserordentlicher Weise zu fallen, dafs er innerhalb einer 
halben Stunde seinen Stand um nicht weniger als 8 mm veränderte. Dieser 
Umstand, in Verbindung mit dem höchst bedrohlichen Aussehen der Luft und 
ler ganz ungewöhnlich hohen östlichen See, überzeugte Kapt, Hellwege, dafs 
er Sich in der Nähe eines Orkans befinden müsse. Es wurden deshalb fast alle 
Segel festgemacht und von 6'/2 Uhr an vor dem Untermars- und Vorstengenstag- 
Segel in solcher Weise gesteuert, dafs der Wind von St. B., etwa 4 Striche 
achterlicher als quer, einkam. Nach kurzer Zeit war die Stärke des Sturmes 
orkanartig, gleichzeitig veränderte sich aber auch die Windrichtung, und um 
3h a, m. war dieselbe NNE geworden. Um diese Zeit erreichte der Luftdruck 
mit 732,0mm seinen niedrigsten Stand; derselbe hatte innerhalb der letzten vier 
Stunden um nicht weniger als 17mm abgenommen. Nach 8 Uhr begann das 
Barometer, ebenso rasch wie es gefallen war, wieder zu steigen, und betrug 
um 12% a, m. der Stand desselben schon wieder 747,5 mm. Aehnlich schnell ver- 
anderte sich auch die Windrichtung; um 10* a, m. war dieselbe NNW, Stärke 12, 
and am Mittage des 6. November, als „Patagonia“ sich in 27,2° N-Br und 
24,4° W-Lg befand, war bei einem auf 748,0mm gestiegenen Luftdrucke der 
Wind SSW, seine Stärke 10. Während der zweiten Hälfte des Tages nahm 
Jer Luftdruck dann nur schr langsam zu; aus zuletzt erwähnter Richtung wehte 
in heftiger Sturm, und erst, nach Tagesanbruch am 7. November, nahm die 
Windstärke allmählich ab. Während der Nacht hatte man es in ONO sehr 
häufig blitzen sehen. . 
Genau zu derselben Zeit und in geringer Entfernung von „Patagonia“ 
erlebte die mitsegelnde Rostocker Bark „Bernhard Carl“, Kapt. E. J. F. Niemann, 
diesen auffallenden Sturm. „Bernhard Carl“, welcher am Morgen des 5. No- 
vember noch in Windstille getrieben hatte, erreichte am Mittage dieses Tages 
vei leichtem südsüdöstlichem Winde 29,4° N-Br in 23,5° W-Lg. Der Luftdruck 
betrug hier 761,9mm. Nach Nachmittag wurde das Wetter böig und regnerisch, 
and es blitzte sehr häufig. Dabei nahm der Wind aus SE mehr und mehr zu an 
Stärke, und nach 8 Uhr Abends begann auch der Luftdruck abzunehmen; er sank 
bis 12 Uhr Nachts, zu welcher Zeit der Stand gleich 756,8mm war, um 4mm. 
Um 4" a, m. des 6. November wehte, bei einem Barometerstande von 750,5mm, 
mäfsiger SE-Sturm. Bis soweit waren keine Anzeichen einer nahenden Gefahr 
vorhanden. Nach dieser Zeit begann aber das Barometer in solch aulserordent- 
licher Weise zu fallen — innerhalb einer halben Stunde um 9,2mıun — dafs 
kein Zweifel mehr über die Nähe eines Orkans walten konnte. Man versuchte 
daher, sO rasch wie möglich die Segel zu bergen, und gelang dasselbe auch, 
mit Ausnahme des Voruntermars-Segels, welches total verloren ging. Um 
6'/,* a. m. wehte der Wind aus SE in der Stärke eines vollen Orkans, und hielt 
er zwei Stunden hindurch in gleicher Stärke an. Nach 8'/* a. m. wurde die 
Windstärke etwas geringer, doch war sie Mittags, als die Windrichtung SSW 
geworden war, noch 11 und sank erst bis zum Morgen des 7, November unter 
LO herab. Den niedrigsten Barometerstand beobachtete man zur selben Zeit, 
wie bei „Patagonia“, um 4" a.m. des 6. November mit 740,5mm. Um 12 Uhr 
Mittags dieses Tages, als „Bernhard Carl“ in 27,8° N-Br und 24,2° W-Lg 
36 Sm in nordnordöstlicher Richtung von „Patagonia“ stand, war bei jener 
Bark der Luftdruck wieder auf 748,7 mm gestiegen. Nach dieser Zeit war das 
Steigen desselben jedoch auch hier nur ein langsames, denn am Mittage des 
{. November zeigte das Barometer erst auf 749,8 mm, 
Beide Schiffe, .„Patagonia“ sowohl wie „Bernhard Carl“, waren hier 
augenscheinlich ganz nahe an das Centrum einer jener Herbstdepressionen des 
östlichen mittleren. Theils des Atlantischen Oceans gekommen, deren Vorhanden- 
sein und anscheinend häufiges Auftreten eine so hoch interessante und bis vor 
wenig Jahren ziemlich unbekannte Thatsache ist. Vielleicht bildete sich damals 
ganz in der Nähe dieser beiden Schiffe jene Depression, welche gerade in diesem
	        
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